Lokales

Todesurteil für Wahrzeichen gefällt

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch alles Hoffen und Bangen nutzt nichts mehr: Die Linde am Wellinger Kirchle ist unheilbar krank und muss aus Sicherheitsgründen noch diesen Winter gefällt werden.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN "Meine Hoffnung war: Die Linde packt's wieder", sagte Notzingens Bürgermeister Jochen Flogaus während der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Doch das neben dem Kirchle zweite Wellinger Wahrzeichen ist nicht mehr zu retten. Schon vor sechs Jahren hat sich das Gremium mit der Linde befasst. Eine Sanierung hätte rund 6000 Mark gekostet. Das war den Räten die Linde wert, doch als sie einige "saniert-verstümmelte" Exemplare besichtigt haben, wollte das keiner dem Baum antun. Zudem hat schon 2001 die Untere Naturschutzbehörde grünes Licht für eine Fällung gegeben, da das Naturdenkmal wegen der starken Schädigung damals schon nicht mehr zu retten war.

Die Linde neigt sich nun stetig immer mehr in nördliche Richtung. Albert Schanbacher, Wellinger Urgestein und "Nachbar" der Linde, visiert seit Jahren den Winkel. Schweren Herzens musste er feststellen, dass sich der altehrwürdige Baum in den vergangenen zwei Jahren um rund zwölf Zentimeter verändert hat. Zudem sprießen Pilze aus dem Boden. "Das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Wurzelwerk verfault und somit nichts mehr wächst", erklärte er.

"Ich lehne jegliche Verantwortung ab, sollte sich der Gemeinderat entscheiden, die Fällung hinauszuzögern", machte der Schultes seinen Standpunkt deutlich. Die Räte sind allerdings gleicher Ansicht. "Auf ein kleines Wunder haben wir alle gehofft", gab Herber Hiller zu. Günter Barz gab sich in der Adventszeit als pragmatischer Philosoph zu erkennen: "Alles irdische ist vergänglich. Die nächsten Jahre sieht man das Kirchle mit ganz neuem Blick unverstellt."

Erhard Reichle ist dagegen der Ansicht, dass die Linde noch lange stehen würde. Im Moment sind die "südlichen" Wurzeln der Linde noch gesund und halten den Baum. Auf der "Nordseite" lassen sich dagegen mit dem Finger Löcher in die Rinde graben.

Getreu dem Motto: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, soll eine junge Linde gepflanzt werden.