Lokales

Tönendes Kaleidoskop „Tasta-Tour“

Abwechslungsreiche musikalische Veranstaltungsreihe von Samstag, 5. April, bis einschließlich Sonntag, 4. Mai

Kirchheim. In den kommenden Wochen herrschen in Kirchheim nachgerade paradiesische Zustände für alle Freunde anspruchsvoller Musik: Die Kirchheimer Musiktage „TastaTour“ von Samstag, 5. April, bis Sonntag, 4. Mai, stehen diesmal unter dem Motto „Variationen – Kaleidoskope für Virtuosen“ und bietet wie stets eine große Bandbreite musikalischer Ereignisse mit Programmen, die den Bogen von der Renaissanceepoche bis zur Gegenwart spannen.

Als Leitmotiv dient dabei eine Form, die so alt ist wie die Musik selbst. Techniken, die eine vorgegebene Tonfolge in veränderter Erscheinensweise wiederholen, finden sich bereits bei den Naturvölkern und sie verlieren zu keiner Zeit an Anziehungskraft. Wenige Eingriffe in die Parameter Rhythmus, Tempo oder Tonart genügen, um einen reizvollen Gestaltwandel des ursprünglichen Materials herbeizuführen. Wie beim Blick in ein Kaleidoskop ergeben sich dadurch immer wieder neue „Bilder“, die freilich den Ausgangspunkt nie ganz verleugnen.

Für den Auftakt der Neuauflage der „Tasta-Tour“ zeichnet Armin Fischer verantwortlich, der am Samstag, 5. April, ab 20.30 Uhr im Gewölbekeller der Kirchheimer Bastion gastiert und sein aktuelles Klavierkabarett „Einmal Klassik und zurück“ vorstellt. Das preisgekrönte Klavierduo Mona und Rica Bard sorgt dann am Sonntag, 6. April, um 19.30 Uhr an zwei großen Steinway-Konzertflügeln für die Fortsetzung des Proramms. Am Samstag, 12. April, geht es um 19.30 in Kirchheimer Schloss weiter mit Renaissance- und Barockmusik, die die Gruppe Marais Consort “Mit allerley Veränderungen gesetzet“ hat.

Die Veranstaltungsreihe „Tasta-Tour“ bemüht natürlich nicht das optische Phänomen der „Schönbildseher“ – so die wörtliche Übersetzung aus dem Griechischen – sondern möchte zwischen „Schönton-Erzeugern“ und „Schönton-Hörern“ eine wechselseitig gewinnbringende Verbindung stiften und dem Variationsgedanken in seinen kunstvollsten Ausprägungen nachspüren.

So schlicht und allgemein verständlich sich die grundlegenden Verfahren der Variationstechnik auch ausnehmen mögen – die großen Meister der Musik des 17. bis 20. Jahrhunderts legten die kompositorischen Hürden enorm hoch. In vielen Fällen entsteht aus der musikalischen Keimzelle eine musikalische Großform, die an Komplexität und Faszinationskraft kaum zu übertreffen ist. Allen Erfindungsreichtum, alles Wissen um Tradition und kompositorische Stimmigkeit werfen Meister wie Bach, Beethoven, Brahms oder Reger in die Waagschale, um aus einem inspirierenden Funken ein loderndes Feuer zu entfachen.

Vollendet gestaltete Variationen sind auch in den Reihen der Musikgenies Gegenstand höchster Bewunderung. So äußert sich Johannes Brahms zu Bachs berühmte Chaconne aus der zweiten Partita für Solovioline: „Die Chaconne ist mir eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke. Auf ein System, für ein kleines Instrument schreibt der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen. Hätte ich das Stück machen, empfangen können, ich weiß sicher, die übergroße Aufregung und Erschütterung hätten mich verrückt gemacht.“

Diese Chaconne – eine besondere Form der Variation, in der ein streng durchgehaltener Ostinato-Bass eine dominante Rolle spielt, hat nicht nur ihn, sondern auch seine Kollegen Mendelssohn und Schumann fasziniert und Ferruccio Busoni zu einer grandiosen Übertragung auf das Klavier inspiriert, die alle Klangfacetten und alle Ausdrucksgewalt des modernen Konzertflügels herausfordert.

Aber nicht nur die Giganten der Musik finden Gefallen an dieser Form. Variationen haben im ausgehenden 18. und im beginnenden 19. Jahrhundert einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung einer bürgerlichen Hausmusikkultur geleistet. Das Spielen von Variationen über beliebte oder volksliedhafte Themen erleichterte den Spielern und Hörern gleichermaßen den „Einstieg“.

Insbesondere die ersten Veränderungen im Zyklus lassen die ursprüngliche Melodie noch sehr deutlich durchschimmern. Überdies sind die Einzelvariationen eher kleinteilig und gehorchen meist einer Spielformel, die auch der fleißige Dilettant nach und nach einüben konnte. Viele dieser Stücke von Mozart, Haydn oder Beethoven haben sich bis in die Gegenwart hinein im Konzertrepertoire gehalten und ergänzen dort den „ehernen Bestand“ der Variationsreihen, deren Interpretation den Meisterpianisten vorbehalten bleiben – von Goldberg bis Händel und von Diabelli bis Paganini“.

Schön integriert in ausgewogene Konzertprogramme verdeutlichen die für die Neuauflage der „Tasta-Tour“ ausgewählten Variationszyklen die erstaunliche Bandbreite dieser Kompositionsart – von der Renaissancezeit bis in die Gegenwart.

Vom parodierenden Einsatz im Kontext mit musikalischen Kabarett bis zur entrückten „Arietta“ in Beet­hovens letzter Klaviersonate, vom „Groove“ in Jazz und Blues bis zur überschäumenden Spielfreude von Lutoslawskis „Paganini-Variationen“ reicht die eindrucksvolle Angebotspalette.

Das gedruckte Gesamtprogramm der Kirchheimer Musiktage liegt in diesen Tagen in vielen Geschäften in der Kirchheimer Innenstadt aus und kann natürlich auch in der Geschäftsstelle der Kirchheimer Volkshochschule im Spital, Max-Eyth-Straße 18, Telefon 0 70 21 - 97 30 32 angefordert werden.

Weitere Informationen über die Veranstaltungsreihe „Tasta-Tour“ können auch im Internet unter der Adresse www. tastatour. org aufgerufen werden. pm

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