Lokales

Tötungsvorsatz nicht zu halten

Der 40-Jährige, der am 17. Januar letzten Jahres in Kirchheim einen 24-jährigen Bauarbeiter mit Messerstichen schwer im Gesicht verletzte, soll dafür drei Jahre und neun Monate hinter Gitter.

Bernd Winckler

Kirchheim. Diesen Antrag stellte gestern vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts der Staatsanwalt und geht bei der Tat von einer „schweren Körperverletzung“ aus. Ein versuchter Totschlag, so der Ankläger, liege rechtlich nicht vor.

Der Mann war im letzten Jahr schon beim Kirchheimer Schöffengericht angeklagt. Damals lautete der Vorwurf noch auf „gefährliche Körperverletzung“. Als aber die Kirchheimer Juristen im Laufe der Beweisaufnahme zu der Erkenntnis kamen, dass die schweren Gesichtsstiche bei dem Opfer möglicherweise auch einen bedingten Tötungsvorsatz beinhalten könnten, brach man den Prozess ab und überwies den Fall an das zuständige Schwurgericht in Stuttgart.

Hier wurde der Mann nun wegen versuchten Totschlags angeklagt. Er habe, so der Ankläger, den 24-Jährigen, der auf Schwarzarbeit-Basis sein Haus renoviert hat, um einen Teil des Arbeitslohnes betrogen. Als der Arbeiter dann vor seiner Haustüre stand, und das Geld abholen wollte, sei es darüber zum Streit gekommen, in dessen Verlauf der Angeklagte dann in die Küche rannte und ein Messer holte. Damit, so der Staatsanwalt gestern in seinem Plädoyer, ging er auf den 24-Jährigen los, der allerdings auf die Straße flüchtete und dann an einer Verkehrsinsel stolperte. Dort habe der Angeklagte mit dem Messer auf ihn eingestochen und ihm eine acht Zentimeter lange und fast zwei Zentimeter tiefe Schnittwunde von der Schläfe bis zur Wange beigebracht, die im Kirchheimer Krankenhaus mit 18 Stichen genäht werden musste. Erst der Sohn des Angeklagten, der mit zu dem Tatort gerannt war, konnte den messerstechenden Vater zurückziehen. Ein Begleiter des Opfers hingegen hatte sogar eine Pistole gezogen und gegen den Angeklagten gerichtet, mit dem Ziel, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Angesichts der Tatsache, dass der Messerschnitt beim Opfer eine zeitlebens sichtbare Wunde und auch psychische Folgen hinterlässt, geht der Ankläger jetzt von einer „schweren Körperverletzung“ aus und beantragte drei Jahre und neun Monate Haft. Den Vorwurf des versuchten Totschlags ließ er fallen. Allerdings signalisierte die Schwurgerichtskammer bereits, dass man nur von einer „gefährlichen“ und nicht „schweren Körperverletzung“ ausgehe und dafür eine mildere Strafe verhängt werden kann. Immerhin hatte sich der Angeklagte am gestrigen vorletzten Verhandlungstag verpflichtet, an den Verletzten 3500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen.

Auch sein Verteidiger geht von einer einfachen Körperverletzung aus und stellte den Antrag, eine zweijährige Haftstrafe zur Bewährung auszusprechen. Das Urteil wird am Freitag, 4. April, verkündet.

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