Lokales

Toleranz, Liberalität und Unabhängigkeit

Ein Novum in Notzingen: Erhard Reichle ist seit 30 Jahren Mitglied des Gemeinderates. Für diese langjährige ehrenamtliche Tätigkeit wurde er von Bürgermeister Flogaus mit der Ehrennadel in Gold des Gemeindetags Baden-Württemberg ausgezeichnet.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN "Es ist ein guter Geist, der von Ihnen ausgeht. Toleranz, Liberalität und Unabhängigkeit sind es, die ihn prägen. Davon kann man eigentlich gar nicht genug haben", charakterisierte Notzingens Bürgermeister Flogaus Erhard Reichle, der seit 30 Jahren für die Unabhängige Kommunale Wählervereinigung (UKW) im Notzinger Gemeinderat sitzt. Die finanzielle Machbarkeit sei für Erhard Reichle immer ein wichtiges Kriterium gewesen. "Ich habe Ihre Worte noch in den Ohren: Nicht so gut wie möglich, sondern so gut wie nötig", sagte Jochen Flogaus.

Im Kollegium gilt der Geehrte als kollegial und kameradschaftlich, die Verwaltung hat ihn als kritischen, aber fairen Partner kennen- und schätzen gelernt. "Ihr Grundsatz war stets: Frei und unabhängig im Denken und Handeln", so der Schultes weiter. Menschen dieser Gesinnung würden dringend gebraucht, nicht nur als tragende Säulen der Kommunalpolitik, sondern auch des Staatswesens schlechthin.

Fast auf den Tag genau konnte Jochen Flogaus ihn für seine 30-jährige Mitgliedschaft mit der Ehrennadel in Gold des Gemeindetages Baden-Württemberg im Notzinger Gemeinderat während der jüngsten Sitzung ehren. Damit ist Erhard Reichle der dienstälteste Gemeinderat im Gremium und zudem der am längsten amtierende Gemeinderat in der Geschichte der Bodenbachgemeinde. Mit 29 Jahren war er 1975 außerdem das jüngste Mitglied in diesem Gremium. Nach der ersten Wahl wurde er in sechs folgenden Kommunalwahlen mit hohen Stimmenanteilen wiedergewählt, viermal davon mit den höchsten Stimmenzahlen in Wellingen. In Notzingen geboren, war er Anfang der siebziger Jahre nach Wellingen "emigriert", doch Kirchturmspolitik habe er nie betrieben und immer die Gesamtgemeinde gesehen, sagte Jochen Flogaus.

Die Mitgliedschaft in einer Partei oder Wählervereinigung stellt nach Ansicht des Schultes die Brücke zwischen Bürger und Gemeinderatsgremium dar. "Hier muss sorgfältig der Mittelweg gesucht und gefunden werden. Es ist notwendig und richtig, die politische Grundhaltung in das kommunale Geschehen einzubringen, sie darf aber nicht der alleinige Maßstab sein", so Jochen Flogaus. Erhard Reichle habe sich durch Sachkunde ebenso ausgezeichnet wie durch eine klare Linie und ein offenes Wort. Zudem habe sein Beruf dazu beigetragen, dass er der Gemeinde oft bei Baumaßnahmen wichtige fachliche Unterstützung gegeben habe.

In den vergangenen 30 Jahren ist viel bewegt worden in Notzingen. Ersichtlich wird dies allein schon beim Zuwachs der Einwohnerzahl. Lebten im Jahr 1975 insgesamt 2582 Menschen in Notzingen und Wellingen, so sind es nun 3488, was einem Zuwachs von rund 35 Prozent entspricht. In dieser Zeit wurden beispielsweise Wohn- und Gewerbegebiete erschlossen, Regenüberlaufbecken, Rathaus mit Feuerwehrgerätehaus, Kindergärten, die Sportanlage Eichert, Bürgerhaus und Sporthalle gebaut.