Lokales

Tongefunkel mit dem Flair der Festlichkeit

LENNINGEN Bunt und sternenklar ist heuer der Herbst. Bunt und sternfunkelnd war auch das Konzertprogramm des Hackbrett-Trios Heidi Ilgenfritz, Elisabeth Huber und Rebecca Bichler aus Bayern. Das Trio

Anzeige

ERIKA HILLEGAART

spielte in der Bruckener Kirche Musik aus alten Zeiten und moderne Kompositionen, folkloristische Melodien und klassische Werke. Querbeet durch Zeiten, Länder und Stile spannten die drei Künstlerinnen "vielsaitig" die Fäden und ihre musikalischen Bögen. Sie gaben so einen klingenden Geschichtsunterricht über dieses jahrtausendealte Instrument mit seinen vielseitigen Spiel-und Gestaltungsmöglichkeiten. Sie erfreuten eine aufmerksame Hörergemeinde in der Bruckener Kirche. Die feiert mitten im goldenen Oktober ihr 75-jähriges Jubiläum.

Heidi Ilgenfritz hat schon mehrfach in der Bruckener Kirche gespielt und mit der Vorstellung aufgeräumt, das Hackbrett sei nur ein typisch bayrisch-alpenländisches Volksinstrument. Stets variiert die Musikerin, Dozentin und Editorin von Fachliteratur die Besetzung ihrer Konzerte. Dieses Mal musizierte sie mit ihrer Kollegin Elisabeth Huber und der Anwärterin bei "Jugend musiziert" Rebecca Bichler.

In unterschiedlichen Kombinationen und Besetzungen spielten die Drei an zwei chromatischen Salzburger Hackbrettern, einem Tenorhackbrett mit erweitertem Tonumfang und einem Basshackbrett, das vornehmlich in der Begleitung für tiefgründige Fundamente sorgt. Heidi Ilgenfritz gab einige Informationen zu den Instrumenten: Eine der ältesten bildlichen Darstellungen des Hackbretts, des Psalteriums, findet sich in Santiago de Compostella aus dem 12. Jahrhundert. Blütezeiten erlebte das Psalterium im 15. und 18. Jahrhundert. Die große Zahl von Kompositionen belegt dies. Viele davon sind erst in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts in der Konservatoriumsbibliothek von Genua und in Spanien entdeckt worden. Seitdem interessieren sich zeitgenössische Komponisten für dieses Instrument. An diesem Samstagabend überzeugte die Romanze aus "Six aveux D'amour" des 1945 geborenen Roland Leistner-Mayer vom Zauber der vielschichtigen Transparenz des Saiteninstruments. Er hat übrigens diese Romanze für seine Lebensgefährtin Heidi Ilgenfritz komponiert. Bei der "Petite Suite" desselben Komponisten verwob Rebecca Bichler die feinsten Tongespinste mit markant expressiven Klangstrukturen. Ebenso faszinierte Ilja Berghs kontrastreiche, sicher austarierte Klangskizze "Ohne Titel", gespielt von Heidi Ilgenfritz.

Von den zahlreichen Namen des Instruments in Europa seien Cimbalon, Cimbalki, Sandoury, Hackbräde, Tympanon, Dulcimer und Salterio genannt. Wie lässt sich diese ganz ungewöhnliche Tonwelt des Hackbretts beschreiben, jenes "Tongefunkel mit dem Flair der Festlichkeit"? Sphärisch zart oder durchdringend schwingen die Saiten, vielstimmig und doch transparent. Es ist jenes Klangflirren, das den Engeln zugeordnet wird und König Saul von seiner Umdüsterung geheilt haben soll.

Bei Carl Stamitz' Duetto 2, Johann Sebastian Bachs Boureen aus der 3. Suite, bei Angelo Contis' Sonate in G-Dur solistisch überzeugend Elisabeth Huber und insbesondere bei dem neapolitanischen Largo cantabile eines Unbekannten, strahlte die Musik Glanz und große Resonanz aus.

Die Musikerinnen spürten den lyrischen Qualitäten unterschiedlicher Färbung nach, ohne die Melodiebögen zu vernachlässigen. Sie zeigten lebendiges Musikantentum bei folkloristisch Tänzerischem. Sie spielten gelassen heiter die schnellen Sätze und faszinierten mit den unterschiedlichen Techniken. Mit Norman Petty's "Wheels", einem Ohrwurm feinster Klasse, ließen die Musizierenden das Programm ausrollen. Doch Pfarrerin Margarete Oberle entließ mit Dank und Blumengebinden das Trio aus dem Inntal erst nach einer Zugabe. Und was spielten die drei Frauen? Das Publikum freute sich am Zitterklassiker aus dem "Dritten Mann".

Das Hackbrett-Trio aus dem Inntal bot einen Hörgenuss mit ungezählten Glücksmomenten. "Musik übertrifft die Sprache." Mit dieser Weisheit ist alles gesagt. Im Lenninger Tal freuen sich die begeisterten Konzertbesucher schon darauf, wenn es wieder heißt: "Ei, wie schön das Zimbal klingt."