Lokales

Totale Emotionen am nächtlichen Himmel

Emotionen pur boten die Pyrotechniker aus Frankreich, Kanada und Deutschland beim vierten Festival "Flammende Sterne". Mit insgesamt rund 22 000 Besuchern am Freitag und Samstag zeigte sich Veranstalter Jürgen Wünsche sehr zufrieden.

SABINE FÖRSTERLING

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OSTFILDERN "Das ist einfach gigantisch", schwärmte Michael. Der Koch aus Köngen hatte zufällig vor drei Jahren das Feuerwerk von Außen gesehen. Seitdem zieht es den 22-Jährigen magisch auf das Gartenschaugelände. Er bewunderte nicht nur das Spektakel am Himmel, sondern vor allem die Synchronität zur Musik.

Die Pyrotechniker ließen auch dieses Jahr wieder die Feuerwerkskörper auf den Punkt und den Rhythmus genau krachen. Bis zu 2700 sogenannte "Bomben" wurden bei jedem Feuerwerk gezündet.

Gespannt beobachteten nicht nur die Festivalbesucher die feurigen Shows. Eine siebenköpfige Jury hatte die Qual der Wahl, wen sie nun schlussendlich zum "König" des pyrotechnischen Wettstreits kürt. Zum Auftakt zauberten die Franzosen am Freitag zu keltischer Musik Emotionen in Silber, Grün und Rot in das Firmament. Die Fiedel hob an, Blumen explodierten und Lichtkaskaden regneten zu Boden. "Riverdance" ließ grüßen.

Gänsehautfeeling verbreiteten Ray Brazeau und Todd Faubert am Samstag. Rockige Balladen ertönten und knisternde Sehnsüchte entfalteten sich in poetischen Gemälden. Bei den Kanadiern ging es farbenfroh zu. Die leuchtenden Sterne trudelten langsam auch einmal zur Seite, anstatt nach unten zu fallen und die Gitarren-Riffs knallten am Himmel. So richtig krachen ließ es auch Joachim Berner am Sonntag. Nicht umsonst lautete das Motto der pyrotechnischen Zeitreise "The Bigger Bang".

Wer ein richtiger Freak ist, der reist mit Fotoapparat tausende von Kilometern im Jahr den Feuerwerken hinterher. Stundenlang vor Beginn des Spektakels postierte sich der Mann wie viele auf dem Wall. Ein Ehepaar aus Stuttgart sicherte sich wie die Jahre zuvor mit Klappstühlen einen Platz in der ersten Reihe vor der Bühne. Die meisten flanierten jedoch zunächst über das Gelände der ehemaligen Gartenschau, bestaunten die leuchtenden Kegel und Stachelsterne und ließen es sich munden.

Am Samstag bildeten sich lange Schlangen vor den zwölf gastronomischen Ständen mit internationaler Küche. Einen feurigen Tango mit Fackeln und zu Akkordeon-Klängen legte die Gruppe "Flammandra" vor dem Moulin Rouge zur Einstimmung auf das französische Feuerwerk auf die Bühne.

Der Cancan und die flammende Revolution durften nicht fehlen. Mit brennenden Seilen und akrobatischen Einlagen auf dem Rhönrad wurden die begeisterten Zuschauer in die Welt des kanadischen Zirkus "Cirque de soleil" entführt. Pünktlich zu Beginn der Show setzte jedoch der Regen ein.

Bei dem deutschen Beitrag zündete dann der "Götterfunke". Ein meterhohes Lagerfeuer hat etwas Mythisches. Die Funken stoben in die Höhe und mit prächtigen Federschmuck und Rasseln aus Samenkapseln an den Beinen führte die mexikanische Gruppe "Ometeotl" rituelle Tänze der Azteken vor. Nebenan heizte die Band "Dicke Fische" mit Country-Rock ein und am Freitag glühten die Heißluftballons, die vom vorangegangenen Massenstart zurückgekehrt waren, im Hintergrund abwechselnd zu den Rhythmen.

Fledermäuse und Schleierdrachen tummelten sich auch über dem Scharnhauser Park. Die Drachenlenker von der Heuchlinger Höhe vollführten wahre Kunststücke in der Luft und so mancher Sprössling durfte selbst die Leinen in die Hand nehmen. Manjana malte da lieber eine Sonne mit schwarzer Sonnenbrille bei "Spiel-o-Top". Die Zwölfjährige erfahrene Festivalbesucherin freute sich auf die Musik und den leuchtenden Nachthimmel. Von dem vielfältigen Angebot für Kinder war Margie Geiger besonders angetan. Ihr dreijähriger Sohn Marius sei jedoch beim Feuerwerk eingeschlafen, wunderte sich die Mutter angesichts des dröhnenden Spektakels.

"Am Samstag sind wir an unsere Grenzen gestoßen", zog Wolfgang Forndron vom Polizeirevier Filderstadt Bilanz. Die Parkplätze waren voll und die Straße nach Nellingen wurde kurzerhand zum beidseitigen Parken freigegeben. Der Einsatzleiter der Polizei bedauerte, dass viele der Besucher das kostenlose VVS-Kombiticket nicht genutzt haben.