Lokales

Touren zwischen Schurwald und Alb

Landrat und Kreisräte haben sie erprobt: Die Route über den Schurwald genauso wie die schweißtreibende Tour auf die Alb über die alte Oberlenninger Steige. Mit der gestern im Esslinger Landratsamt vorgestellten neuen Freizeitkarte des Landkreises Esslingen können Radler und Wanderer den Kreis auf eigene Faust erkunden.

ANKE KIRSAMMER

Anzeige

KREIS ESSLINGEN Sie kennen das? Der einladend geteerte Weg mündet in einer Schotterpiste und endet jäh auf einer nicht passierbaren Baumwiese. Kreisbewohner oder Touristen, die den Landkreis Esslingen pedalierend durchqueren möchten, müssen ihren Tachostand wegen solcher "Sackgassen" künftig nicht mehr unnötig nach oben treiben. Abhilfe schafft die neue Freizeitkarte "Landkreis Esslingen entdecken und erleben Touren zwischen Schurwald und Alb". Im Maßstab von 1:50 000 führt sie Hunderte von Radweg-Kilometern verlässlich auf. Das Produkt ist eine Gemeinschaftsarbeit von Landesvermessungsamt, des Amtes für Geoinformation und Vermessung im Landratsamt Esslingen, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sowie der Städte und Gemeinden.

Ein besonderer Service des Landratsamtes sind die sieben, für Rennradler allerdings nicht geeignete, Tourenvorschläge auf der Rückseite des druckfrischen Erzeugnisses: "Am Neckar durch den Kreis", "Auf und Ab im Albvorland", "Im Albvorland zu den Hochburgen des Segelflugs", "Im kleinen Gang auf große Höhen", "Durch Kraut und Rüben", "Im Süden um die Filder", "Schurwald zweimal kurz rauf und zweimal lang runter". Ausgetüftelt hatte die Schleifen Hans-Joachim Bosse, ehemals Landratsamts-Pressesprecher. Bis zu seinem Ruhestand führte der begeisterte Hobbyradler alljährlich das Feld radelnder Kreisräte, Verwaltungsleute und Pressevertreter zielsicher über teils entlegene Pfade zu lohnenden Ausflugszielen in der Region.

Die Karte soll aber auch dazu animieren, verschiedene Winkel des Kreises selbstständig unter die Räder zu nehmen oder die Wanderstiefel zu schnüren, um den Blick von Felsen und Ruinen ins Tal schweifen zu lassen. Auch der Blick über die Kreisgrenze ist gewollt: Der Plan reicht im Norden von der Solitude bis Plüderhausen und im Süden von Tübingen bis Westerheim. In der Zusammenführung von Neckartal, Filderbereich und Schwäbischer Alb in einer Karte sieht Heinz Eininger den eigentlichen Pluspunkt. "Die bisherigen einzelnen Faltblätter des Kreises werden damit hinfällig", so der Landrat.

Wer in den Ferien oder sonntags mit dem Auto eine Fahrt ins Blaue vorhat, kann sich ebenfalls von der Karte inspirieren lassen: Touristische Ziele wie Naturdenkmäler, Höhlen, Ruinen, Burgen, Schlösser, Museumseisenbahnen und Kirchen sind darin eingezeichnet. Sportler finden Hinweise auf Bäder, Minigolfplätze, Startplätze für Drachenflieger oder Paraglider sowie Langlaufloipen auf der Alb. Auch auf Grillplätze, Schutzhütten, Wanderheime und Bahnhöfe macht der übersichtlich gestaltete Plan aufmerksam. Speziell gekennzeichnet sind unter anderem überregionale Radwanderwege wie die Filstalroute oder der Schwäbische-Alb-Weg sowie Wanderrouten und sämtliche markierten Wanderwege des Schwäbischen Albvereins. In Wort und Bild macht überdies die von Mitarbeitern des Landratsamtes gestaltete Rückseite Appetit darauf, den Landkreis zu erkunden. Der Hohenneuffen findet sich darauf ebenso wie das Kirchheimer Rathaus und das Schopflocher Torfmoor. Als Service sind Internetadressen und Telefonnummern von Städten und Gemeinden aufgeführt.

Insgesamt möchte das Landesvermessungsamt 35 solcher Freizeitkarten für Baden-Württemberg herausgeben. Begonnen wurde damit im Jahr 2000. "Mit der Nummer 21 liegen wir im hinteren Mittelfeld", meinte Heinz Eininger augenzwinkernd. Der westliche Teil des Landes kann damit inzwischen fast lückenlos erradelt werden.

Die Kosten für das Projekt trägt das Landesvermessungsamt Baden-Württemberg. In der ersten Auflage wurden 10 000 Karten gedruckt. 2000 Exemplare wird der Landkreis zu Werbezwecken abnehmen. Die Ausgaben will die Behörde über den Verkauf erwirtschaften. "Auf Werbeaufdrucke haben wir bewusst verzichtet", betonte Eininger. "Wir wollten keine Litfasssäule, sondern ein gutes Produkt, das auch weiterentwickelt weren kann."

Hansjörg Schönherr, Präsident des Landesvermessungsamtes, strich die regionale Komponente der Landkreiskarten heraus. "Unsere Mitarbeiter sitzen bei der Produktion nah am Abnehmer. Das motiviert besonders." Mit der Verwaltungsreform habe die gute Kooperation von Landkreis und Landesvermessungsamt nichts zu tun: "Wir haben schon vorher gut zusammengeschafft."

"Nun können die Räder rollen", betonte Daniela Merela, Vorstandsmitglied des ADFC-Kreisverbands Esslingen und gab damit das Startsignal für den eifrigen Gebrauch des neuen Plans. "Vorher benötigte man für denselben Ausschnitt vier Karten." Wichtig sei aber auch eine gute Beschilderung des Radwegenetzes mit Kilometerangaben zum nächsten Ort beziehungsweise zum nächsten Fernziel.

INFODie Karte "Landkreis Esslingen entdecken Touren zwischen Schurwald und Alb" kostet 6,90 Euro. Sie ist erhältlich im Buchhandel, beim Amt für Geoinformation und Vermessung im Esslinger Landratsamt, beim Landesvermessungsamt Baden-Württemberg unter www.lv-bw.de sowie an der Museumskasse des Freilichtmuseums des Landkreises Esslingen in Beuren.