Lokales

Touristisch und kulinarisch war alles geboten

Ein Bergsommer ging zu Ende. Die letzten Alpenblumen streckten ihre Blütenkelche der Sonne entgegen. Ein stahlblauer Himmel lag über den sattgrünen Almen vor den Felsen. So erreichten die Bergfreunde, eine Gruppe des Mährisch-Schlesischen-Sudetengebirgsvereins Kirchheim, mit den Autos das kleine Bergdorf Gschnitz im gleichnamigen Tal in den Stubaier Alpen. Der Tiroler Berghof sollte für eine Woche das Standquartier sein.

KIRCHHEIM Täglich brach die Gruppe zu verschiedenen Wanderungen auf. Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es unter Leitung der Bergfreunde Edmund Frey und Alfred Wild auf den Weg. Erstes Ziel war die Tribulaunhütte (2064 Meter). Der Weg führte auf die Valliseralm mit einer kleinen Hütte auf 1655 Meter. Auf der Bergkuppe wehte die Hüttenfahne der Naturfreunde im schneidenden Wind. Bei einer Tiroler Knödelsuppe fühlte man sich wohl. Nach der Mittagspause ging es am Versorgungsweg der Hütte talwärts. Nach dreistündigem Fußmarsch war Gschnitz wieder erreicht.

Anzeige

Am dritten Tag der Tour ging es mit den Autos dem Gschnitztal entlang. Zwischen Steinach und Matrei liegt in einem Seitental Navis. Dies sollte der Ausgangspunkt der Tageswanderung sein. 13 Bergfreunde wanderten am Weirichbach entlang zur Weirich-Alm (1700 Meter).

Noch an der Baumgrenze stehen einzelne Bauernhäuser, welche die Almen bewirtschaften. Nach einer Stunde war man an der Navis-Hütte, ein komfortables Restaurant im Wald. Leider hatte es seine Pforten geschlossen. Ab der Stöcklalm führte der Weg meistens am Grat der Almwiesen entlang. Von hier aus hatte man herrliche Ausblicke auf die umliegenden Bergriesen der Stubaier- und Tuxer-Alpen mit ihren Schneefeldern Naviser Sonnenspitze, Grafmartsspitze und noch mehr.

In 2536 Meter Höhe stand die Gruppe am Gipfelkreuz des Kreuzjöchels, mit einer imposanten Rundsicht. Nach dem obligatorischen Gipfelfoto begann der Abstieg. 500 Höhenmeter auf schlecht markiertem Weg zur Möslalm. In der Blasiglerhütte genehmigten sich die Wanderer ein "Radler".

Am nächste Tag sollte es für einen Teil der Gruppe nicht so streng werden, deshalb ein Spaziergang zur Laponesalm, dem anderen Teil der Gruppe war dies zu wenig, sie zogen es vor, eine höhere Tour zur Innsbrucker Hütte zu machen.

Ein Kurzbesuch der Gschnitzer Pfarrkirche "Maria Schnee", ein barockes Kleinod um 1757. Die Bemalung der Decke stellt die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel dar, sie wurde wie die Episoden des Marienlebens in den Hohlkehlen von Anton und Joseph Zoller in strahlenden Farben gestaltet. Auch der Hoch- und die Seitenaltäre wie die Kanzel zeigen sich im barocken Stil.

Im herrlichen Sonnenschein ging es durch das Gschnitztal zur Laponseralm, auch ein Kleinod im touristischem und kulinarischem Sinn. Ein Mittagessen vom Feinsten gab es auf dieser Alm. Am Rückweg kamen auch die Fotografen auf ihre Kosten. An lustig springenden Bächlein standen Fliegenpilze mit ihren feuerroten Hütchen im Gras. Viele Holzbänke luden zur besinnlichen Ruhepause ein.

Der andere Teil der Gruppe zog es vor, die höheren Regionen zu besteigen. 1100 Meter war der Aufstieg zur Innsbrucker Hütte. Steil aber voller Überraschungen war der Weg zur Hütte, die seit 1884 nahe der Gesteinsgrenze zwischen der hellen Kalkwand und dem dunklem, aus Granit und Schiefergneis aufgebauten Habicht (3277 Meter) steht.

Vom Gasthof Feuerstein ging es nahe der Materialseilbahn, rechts über dem Gschnitzbach auf dem Hüttensteig Nummer 60, mit vielen Serpentinen durch einen steilen Waldgraben auf die Anhöhe. In einer Mulde liegt die Alfairalm. Der Weg führte weiter ins grüne Pinnisjoch, von da waren es nur wenige Minuten zur Innsbrucker Hütte.

Jeden Abend gab es von den Gastgebern vom "Tyroler Berghof" ein vorzügliches Menue mit Vorspeise und Dessert. Auch ein guter Tropfen war vorhanden.

Allzu schnell gingen die Tage der Bergfahrt vorbei. Jeden Tag erlebte die Gruppe die Natur in einer herrlichen Bergwelt. So war der vorletzte Tag angebrochen und es wurde nur eine kleine Tour zur Sankt-Magdalenen-Kapelle gemacht, das Bergheiligtum hoch über Gschnitz. Oben angekommen erwartete die Wanderer ein freundlicher Wirt in seiner Jausenstation mit einem kräftigen Speckbrot. Aber nicht nur für das leibliche Wohl war gesorgt, auch mit dem Geistigen, Künstlerischen kam man auf seine Erwartungen. Die 1972 entdecken romanischen Fresken (1100) zählen zu den ältesten Wandmalereien auf Nordtiroler Boden. Die Fresken erzählen aus dem Leben der heiligen Magdalena, nebst biblischen Darstellungen, wie Adam und Eva, die Flucht nach Ägypten. Die Kapelle hat ein gotisches Netzgewölbe. Sehr eindrucksvoll und der Romanik nachempfunden ist die Kreuzdarstellung mit Christus und zu seinen Füßen Magdalena. Die Gruppe wurde im Jahr 1958 von dem Innsbrucker Bildhauer Hans Pontiller gestaltet.

Auf einer Wiesenplattform, auf der die Kapelle mit der Einsiedelei und der Jausenstation stehen, hat es sich die Gruppe bei einen Vesper gemütlich gemacht. Herrlicher Sonnenschein und eine wunderschöne Aussicht auf Gschnitz überragt von gigantischen Bergmassiven machte den Abschied von dem geschichtsträchtigen Stückchen Erde nicht leicht. Nach einer Pause mit Kaffee und Kuchen landeten die Wanderer wieder im Berghof, wo man nach dem Abendessen mit einem gemütlichen Ausklang die herrliche Bergfahrt beendet wurde.

wz