Lokales

Trend geht zu Nahwärme mit Holz

Bürgerinformation zur geplanten Holzhackschnitzelheizanlage auf dem Kirchheimer Schafhof

Im direkten Kontakt mit den Anwohnern hat die Kirchheimer Stadtverwaltung jetzt erstmals über die geplante Holzhackschnitzelheizanlage auf dem Schafhof diskutiert. Dabei prallten durchaus unterschiedliche Sichtweisen aufeinander.

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Andreas Volz

Kirchheim. Zunächst stellte Bürgermeister Günter Riemer noch einmal die Grundzüge der Planung vor, bei der verschiedene Nutzer zusammenarbeiten: Private Haus- oder Wohnungsbesitzer sind ebenso beteiligt wie die Stadt mit Schule und Kindergarten oder auch die evangelische Kirchengemeinde mit ihrem Gemeindehaus. Ins Detail ging dann bereits Planungsamtsleiter Dr. Hermann-Lambert Oediger. Er sagte, dass aus der öffentlichen Grünfläche an der Böschung neben dem Bolzplatz eine Versorgungsfläche für die Heizanlage werden soll. Für eine solche „Umwidmung“ ist jedoch der Bebauungsplan zu ändern – ein völlig normaler Verwaltungsvorgang.

Was dagegen auf dem Schafhof noch ungewöhnlich ist, das ist eine Heizanlage, bei der etwas verbrannt wird. Der planende Ingenieur Andreas Kiefer ging auf das einstige Verbrennungsverbot im gesamten Wohngebiet Schafhof ein, das bereits in den 90er-Jahren wieder aufgehoben worden war. Ab 2010 komme in dieser Hinsicht ein großer Schnitt, wenn gesetzlich ein Mindestanteil regenerativer Energien von zehn Prozent vorgeschrieben sei. Spätestens dann gehe der allgemeine Trend noch viel stärker hin zur Holzverbrennung: „Es wird dann überall flächendeckend Gerüche von Holzverbrennung in der Luft geben.“

Genau diesen Punkt, die Geruchsbelästigung, kritisierten viele Anwohner während der Informationsveranstaltung. Weitere kritische Nachfragen galten den Schadstoffemissionen, der optischen Veränderung des ­Areals durch das neue Bauwerk samt Kamin sowie der Lärmbelästigung – durch den Brenner einerseits und durch Lastwagen andererseits. Bei allen diesen Punkten handelt es sich aus Sicht der Anwohner auf der anderen Seite der Straße „Zu den Schafhofäckern“ um Nachteile, die gegebenenfalls auch zur Wertminderung ihrer Grundstücke führen könnten. Zudem monierten sie, dass sie von der geplanten Heizanlage keinerlei Nutzen haben. Derzeit besteht nämlich keine Möglichkeit, sie an das Nahwärmenetz anzuschließen.

Letzteres würde sich nach Einschätzung der Experten erst lohnen, wenn sich 20 bis 30 Einfamilienhausbesitzer zusammenschlössen, deren Häuser nicht zu weit auseinanderliegen. Weil bei der Wohnungseigentümergemeinschaft Schafhofäcker /Wieselweg und bei der Stadt aber dringender Handlungsbedarf besteht, bleibt vermutlich keine Zeit mehr, eine genügende Anzahl von Anwohnern auf der anderen Straßenseite noch in das Projekt mit einzubeziehen. Andererseits meinte And­reas Kiefer: „Hier geht es nicht um eine Einzelfalllösung, hier wird vielmehr ein Prozess ausgelöst. Die Nahwärmeversorgung wird mehr und mehr ein Thema sein.“

Der Ingenieur geht davon aus, dass sich solche Versorgungsnetze auch in kleinerem Stil entwickeln werden, und zwar unabhängig von der jeweiligen Technik. Er selbst sei beispielsweise ein starker Verfechter der Geothermie oder auch der Wärmepumpentechnik. In diesem speziellen Fall, versicherte er allerdings, sei die Holzhackschnitzelheizanlage die ideale Lösung: „Diese Anlage ist ökologisch vorbildlich.“

Auf die Frage nach vergleichbaren Anlagen räumte er ein, dass es in Dettingen Probleme gebe. Das liege aber auch am Beschicker. Die Qualität des Hackguts sei nicht unbedingt vergleichbar. Auch Bürgermeister Günter Riemer hatte in diesem Fall davon gesprochen, dass „zum Teil falsche Materialien“ verwendet werden könnten. Auf dem Schafhof solle die Qualität des Hackguts genau festgeschrieben werden. Für die Kontrolle, ob der spätere Investor alle Auflagen einhält, sei außer der Wohnverwaltung auch die Stadt zuständig.

Zu den künftigen Vertragsbedingungen soll unter anderem die Auflage gehören, dass der Investor über die gesamte Laufzeit hinweg alle gesetzlichen Bestimmungen einhält – auch solche, die erst im Lauf der Jahre hinzukommen. Andreas Kiefer versicherte zudem, dass durch den Einbau eines Elektrofilters, der bislang nicht vorgeschrieben sei, die gesetzlichen Grenzwerte für Emissionen teilweise weit unterschritten werden. Einzelne Details zu künftigem Schadstoffausstoß und zur Lärmbelastung konnte er aber nicht nennen, weil die Planung noch nicht so konkret sei.

Augenblicklich gehe es um die Rahmenbedingungen für den Be­bauungsplan, um die maximalen Vorgaben also. So sei die Höhe des Heizgebäudes im Bebauungsplan auf sieben Meter festzusetzen. Später könne aber durchaus ein Bau entstehen, der mit vier Metern Höhe auskommt. Der Kamin, der aus drei Rohren besteht – für die Hackschnitzelanlage, für die Entlüftung des Hackgutbunkers und für die Ölanlage, die als Ersatz bei Wartungszeiten dienen soll –, sei maximal elf Meter hoch, vom Straßenniveau aus gesehen. Tatsächlich könne er aber auch um einiges niedriger ausfallen.

Das Verfahren sei erst am Anfang, betonte Dr. Oediger, der das weitere Vorgehen erläuterte: Über schriftliche Kritik und Anregungen der Anwohner habe der Gemeinderat zu entscheiden, bevor er den Satzungsbeschluss fasst. Bislang sei noch gar nichts entschieden, sondern die Planung erst auf den Weg gebracht. Die Bürgerinformation sei so früh wie möglich erfolgt. – Bürgermeister Riemer lud die Bürger abschließend zur Energie-Tour der Lokalen Agenda am 26. April ein, bei der es unter anderem auch um Themen wie Holzhackschnitzelheizanlagen geht.