Lokales

Trend zum hochwertigen Rad auch bei Dieben

Rekordzahlen, aber keine erfreulichen, meldete das Polizeirevier Kirchheim kurz vor dem Jahresende. Rund 400 Fahrräder wechselten in diesem Jahr bisher "unfreiwillig" den Besitzer. Der Fahrradklau geht in der Teckstadt gewaltig um.

RUDOLF STÄBLER

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KIRCHHEIM In die Nähe des organisierten Verbrechens kann man die Situation in Kirchheim schon rücken. Allerdings ist dies nicht die besondere Neuheit. Bereits im Jahr 2004 verschwanden viele Fahrräder spurlos von den Straßen, Plätzen oder Schulen. Das einzig Erfreuliche im Vorjahr: es waren "lediglich" 300 Räder. Beim Start der ersten Aktion gegen den Fahrraddiebstahl im Jahr 2001 waren 321 Bikes von der Bildfläche verschwunden. Einen erfreulichen Tiefpunkt gab es im Jahr 2002 mit "nur" 240 geklauten Rädern.

Hauptkommissar Hermann vom Bezirksdienst des Polizeireviers Kirchheim ist speziell für den Fahrraddiebstahl eingesetzt und weiß "es wird überall geklaut und es sind meist Jugendliche mit einem gewissen Organisationsgrad. "Da sind 13-Jährige an der Arbeit und die müssen wir nach erfolgreicher Ermittlung wegen Strafunmündigkeit gleich wieder laufen lassen und dies, obwohl deutliche kriminelle Strukturen erkennbar sind.

Dabei hat man bei der Kirchheimer Polizei alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Dieben das Handwerk zu legen. Eine Fahrraddatenbank wurde erstellt, Aktionen zusammen mit jungen Beamten der Bereitschaftspolizei gingen über die Bühne, um dem Klau Einhalt zu gebieten. Aber Hermann ist sich sicher: "Das spricht sich bei den potenziellen Tätern sehr schnell rum." Auch die Fahrradhändler sind inzwischen sensibilisiert. Diese halten beim Verkauf sämtliche Daten fest und notieren sich auch die Adressen der Käufer.

Dabei geht die Tendenz bei den "Banden" zum hochwertigen Rad. "Da wird nicht nur einfach gestohlen, sondern auf Bestellung, ist sich Kirchheims Polizeichef Pitzinger sicher. Er sieht durch den Einsatz der Kräfte der Bereitschaftspolizei doch einen gewissen Erfolg. "Der ganzen Sache wurde doch etwas die Spitze genommen."

In der kalten Jahreszeit will man sich beim Polizeirevier Kirchheim in Sachen Fahrradklau keineswegs zurückziehen. Es sind natürlich weniger Räder in der Stadt, doch an den "Brennpunkten" Bahnhof, Schulen und Innenstadt wird es weiterhin verschärfte Kontrollen geben. Pitzinger: "Wir hoffen, dass es durch unseren vermehrten Einsatz doch besser wird." Dabei kann Hauptkommissar Hermann durchaus auf die "erfreuliche" Statistik verweisen. Während die Aufklärungsquote im Land bei rund neun Prozent liege, könne hier die Kirchheimer 20 Prozent nachweisen.

Dass die geklauten Räder anschließen vermarktet werden, wissen die Polizisten aus Erfahrung. Die Räder werden zerlegt und mit anderen Teilen wieder zusammengebaut aus vier mach zwei lautet da die Vorgehensweise. Dazu gehört noch, dass die Rahmennummern ausgefräst werden oder eine vollkommene Neulackierung in irgendeiner Garage vorgenommen wird.

Da in der Stadt Kirchheim lobenswerterweise sehr viel mit dem Rad gefahren wird, entwickelt sich dies zum Bumerang.