Lokales

Trio wollte fortan von Einbruchdiebstählen leben

Drei junge Männer aus Kirchheim und Esslingen stehen derzeit vor dem Stuttgarter Landgericht

Insgesamt 32 teils schwere Wohnungseinbruch-Diebstähle in der Zeit zwischen März und August letzten Jahres wirft die Staatsanwaltschaft Stuttgart drei 18- bis 32-jährigen Männern aus Kirchheim und Esslingen vor. Betroffen waren Haushalte hauptsächlich in Kirchheim und Wernau mit einem Schaden von über 30 000 Euro. Seit gestern stehen die drei Männer vor dem Landgericht.

Bernd Winckler

Kirchheim/Stuttgart. Über eineinhalb Stunden benötigte der Staatsanwalt vor der dritten Großen Jugendstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts zur Verlesung der dicken Anklageschrift gegen das Trio. Die drei sollen Anfang März vergangenen Jahres den Entschluss gefasst haben, fortan ihren Lebensunterhalt durch Einbruchdiebstähle zu bestreiten. Dabei habe man die „Arbeit“ genau aufgeteilt: Einer musste jeweils Schmiere stehen, während die beiden anderen meist nicht ganz verschlossene Eingangstüren von Wohnungen und Einfamilienhäusern mit einem Klebestreifen vor dem gänzlichen Zuschnappen sicherten, um sich einen schnellen Rückzug zu sichern.

Die Diebesserie begann laut Anklage am 9. März vergangenen Jahres in Dettingen. Dort sollen zwei der Beschuldigten während der Geschäftszeiten aus dem Büro einer Firma relativ dreist Geldbörsen, Mobiltelefone und mehrere EC-Karten gestohlen und mit Letzteren später hohe Bargeldsummen abgehoben haben. Bereits drei Tage später folgte dann der Einbruch durch die Terrassentür eines Kirchheimer Wohnhauses. Mit der erbeuteten EC-Karte wurden später 1 000 Euro abgehoben.

Schlag auf Schlag sei es weitergegangen, sagt der Ankläger: Am 24. März kam ein Einbruch in der Landratsamt-Zweigstelle Kirchheim. Die Beute, 150 Euro in bar und eine EC‑Karte, mit der am Bankomat gleich 1 000 Euro abgehoben wurden. Eine Woche später gab es wieder einen Einbruch in einem Kirchheimer Einfamilienhaus, wobei die Diebe diesmal durch ein Fenster einstiegen und zwei EC-Karten erbeuteten, die sofort am Bankautomat in 2 000 Euro umgewandelt wurden.

Bis zu ihrer Festnahme sollen die drei noch für weitere 14 Wohnungseinbrüche in Kirchheim verantwortlich gewesen sein. Hauptsächlich erbeuteten sie Geldbörsen mit EC‑ und Kreditkarten, verbunden mit den dazugehörigen Pin-Nummern auf extra Zetteln. Dadurch hatten es die Diebe sehr leicht, mithilfe der Karten an das Bargeld zu kommen. Daneben erbeuteten sie auch tragbare Computer und Digitalkameras sowie über ein Dutzend Handys. Bei einem Wohnungseinbruch in Reichenbach fiel ihnen der Schlüssel zu einem Pkw in die Hände, mit dem sie flüchteten. Das Fahrzeug ließen sie anschließend unverschlossen stehen.

Zahlreiche weitere nächtliche Einbrüche listete der Staatsanwalt bezüglich der Tatorte Esslingen, Wernau und Denkendorf auf. Allein in einer einzigen Nacht im Juli vergangenen Jahres sollen sie in Denkendorf vier Einbrüche verübt und dabei Laptops, Handys, Armbanduhren, Kameras, Goldschmuck, Geldmünzen und mehrere EC-Karten erbeutet haben. Bei ihrer Festnahme im September hatten die Diebe sogar noch einige der gestohlenen Mobiltelefone im Besitz.

In der Nacht zum 15. August sollen sie in die Räumlichkeiten der evangelischen Kirchengemeinde in Esslingen eingedrungen sein. Dort machten sie keine Beute, richteten jedoch einen Schaden in Höhe von 1 000 Euro an. Anschließend soll das Trio in drei Nächten in Wohnungen in Denkendorf mehrere EC-Karten nebst zugehörigen Pin-Nummern gestohlen haben. Am Bankautomat wurden damit dann insgesamt 5 500 Euro abgehoben, heißt es in der Anklageschrift.

Schließlich klickten am 16. September nach einem Esslinger Wohnungseinbruch bei dem 19-jährigen Angeklagten die Handschellen. Eine Woche später erfolgte die Festnahme des 32-Jährigen. Ein 18-Jähriger aus Esslingen, bereits mit fünf einschlägigen Vorstrafen behaftet, befindet sich gegen Meldeauflagen noch auf freiem Fuß. Er ist auch der Einzige in diesem Verfahren, der den Stuttgarter Richtern nun Rede und Antwort steht und seine Beteiligung an der Einbruchserie zugibt.

Der 18-Jährige absolviert gerade eine Gärtnerlehre und wohnt bei seinem Vater, mit dem zusammen er nach eigener Aussage schon sehr früh Joints geraucht und in Lokalen Bier getrunken hat. Regelmäßiges Essen sei ihm fremd, daher habe er sich sogar gefreut, als ihm einmal der Amtsrichter in Kirchheim einen dreiwöchigen Dauerarrest verordnete. „Da hatte ich ein regelmäßiges Essen.“

Seine beiden neben ihm sitzenden mutmaßlichen Komplizen schwiegen vorerst noch eisern zu den Vorwürfen. Die Jugendkammer hat Fortsetzungstermine bis in den August dieses Jahres terminiert und wird wahrscheinlich alle geschädigten Einbruchsopfer in den Zeugenstand rufen.

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