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"Trockenes Holz gibt es nicht beim Förster"

Immer mehr Menschen entdecken wegen der steigenden Preise für Heizöl und Gas wieder den Rohstoff Holz als Energiequelle. Dies ruft aber auch unliebsame Zeitgenossen auf den Plan: Immer mehr aufgearbeitetes Holz wird im Wald gestohlen.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM "Die Nachfrage bei Brennholz ist sprunghaft angestiegen", erklärt Walter Hegelau, Sachgebietsleiter beim Forstamt. Schon in den vergangenen Jahren registrierten die Förster ein kontinuierlich steigendes Kaufinteresse, im Winter 2005 hat es nochmals deutlich zugelegt. "In manchen Revieren hat sich der Bedarf nahezu verdoppelt", freut sich Walter Hegelau. "Wir haben Mühe, der Nachfrage gerecht zu werden und das Brennholz zusammenzubringen. Deshalb werden wir zusätzliche Hiebe machen", stellt er in Aussicht. Vor einem Kahlschlag des Waldes braucht jedoch niemand Angst zu haben, er wird nicht ausgeräumt. "Wir haben Reserven. Es handelt sich dabei um Durchforstungen und Jungbestandspflege", so Walter Hegelau. Bis vor kurzem wurde das gesägte Holz in den Jungbeständen nicht verwertet, da es mehr Arbeit macht. Im Zuge der größeren Nachfrage wird es nun auch verkauft.

Sowohl bei Privatkunden als auch bei Händlern verzeichnet das Forstamt ein größeres Interesse am Rohstoff Holz. "Die Bürger werden von uns zuerst bedient. Wenn was übrigbleibt, sind die Händler an der Reihe und auch da gilt: Die örtlichen Händler haben Vorrang vor überregionalen Käufern", stellt der Sachgebietsleiter klar. Interessenten haben in seinem Amt sogar aus Bayern angerufen.

Von einem rasant gestiegenen Kaufinteresse spricht Förster Markus König, dessen Revier von Kirchheim bis Hepsisau und Häringen reicht. "Viele haben sich einen Holzofen gekauft und meinen nun, dass es beim Förster trockenes Holz zu kaufen gibt, das sofort in den Ofen wandern kann. Die wissen nicht mal was ein Flächenlos ist", sagt er. Dabei handelt es sich um eine parzellierte Fläche im Wald, in der Stämme und Äste liegen, die dann von Hand aufgearbeitet werden müssen. Manchmal können die Profis unter den Privatkunden die vom Förster markierten Bäume auch selbst fällen.

Mehr als das Flächenlos gefragt ist das Polterholz, auch bekannt unter dem Begriff Brennholz lang. Bei dieser Variante liegen die Stämme entlang eines Waldweges und müssen "nur" noch zersägt und gespalten werden. Hier liegt der Preis für den Favoriten Buche zwischen 40 und 45 Euro pro Festmeter. Qualitätsmerkmal ist hier der Bearbeitungsaufwand. Ist es leicht von Hand zu spalten und hat demzufolge keine krafthemmenden Äste, ist es teurer als das Holz alter und krummer Bäume. "Ein bisschen ein Geheimtipp ist die Esche. Sie hat den gleichen Brennwert wie Buche, der Festmeter kostet aber nur 35 Euro", verrät Markus König. In gleicher Preisklasse sind auch Ahorn und Eiche, wobei letztere zwar den höchsten Brennwert hat, aber wegen ihres zähen Holzes auch nicht so leicht zu verarbeiten ist. "Eiche geht in Richtung Kohlebrikett, muss dafür aber auch ein Jahr länger getrocknet werden", so der Revierleiter.

"Die Nachfrage ist sehr stark gestiegen. In meinem Revier bis zu 40 Prozent", sagt Alexander Klein, Revierassistent in Lenningen. Ende Februar gibt es deshalb nochmals eine zweite Brennholzversteigerung in dieser Saison. Bei ihm sind Flächenlose stark gefragt. Doch die Topografie im Lenninger Tal macht Interessenten und Förster manchmal einen Strich durch die Rechnung. "Vor allem in Oberlenningen und Gutenberg können wir wegen der vielen Steilhänge den Bedarf nach Flächenlosen nicht decken", erklärt er. Diese Hanglagen sind schwierig zu "bearbeiten", hier müssen Profis ans Werk, denn oftmals schließt sich an den Wald in mittelbarer Nähe Bebauung an. Es besteht deshalb die Gefahr, dass die Holzstämme an Fahrt gewinnen und dann über das anvisierte "Ziel" hinausschießen könnten.

Auch im Kirchheimer Stadtwald ist das Interesse am Brennholz stark gestiegen. "Vor fünf Jahren war es lang nicht so viel", erklärt Revierleiter Daniel Rittler. Bei manchen "pressiert's" so, dass sie es kaum abwarten können, ihr Holz zu bekommen. Vor März gibt es jedoch im einen oder anderen Distrikt nichts, weil die Waldarbeiter im Winterhalbjahr einen Bereich nach dem anderen abarbeiten. "Ich bekomme immer wieder Anrufe, bei denen die Leute nachfragen, ob sie auch tatsächlich ihr Holz bekommen. Sie haben Angst, dass sie leer ausgehen", sagt Daniel Rittler.

So erfreulich die erhöhte Nachfrage für den Forst ist, so ärgerlich sind für Brennholzkäufer jene Zeitgenossen, die sich beim Brennholz im Wald frei bedienen. Daniel Rittler sind zwei aktuelle Fälle von gestohlenem Holz in seinem Revier in und um Kirchheim bekannt. Der eine Holzsstapel befand sich im Jesinger Wald, der andere im Bergwald. "Fertig bearbeitetes Brennholz, das sehr lange im Wald liegen bleibt, verleitet dazu. Mancher denkt dann vielleicht, dass das Holz einfach vergessen wurde und bedient sich", so der Förster. Das kam bereits in der Vergangenheit hin und wieder vor, doch auch hier ist ein stetiger Zuwachs zu verzeichnen. Da das Holz in der Regel zwei Jahre trocknen muss, ehe es im Ofen verheizt werden kann, fehlt es vielen Kunden am nötigen Lagerplatz im oder ums Haus. Deshalb bleibt es im Wald liegen.