Lokales

"Trösten in der Schule"

Rund 180 katholische und evangelische Lehrer aus den Landkreisen Esslingen und Göppingen trafen sich zum 15. Religionspädagogischen Tag in Wernau ein Highlight in der staatlichen und kirchlichen Lehrerfortbildung und ein Beispiel für die unkomplizierte ökumenische Zusammenarbeit der beiden Konfessionen im Bereich der Schulen.

WERNAU Als Referenten hatte der aus Schuldekanen, Studienleitern und einigen Religionslehrerinnen bestehende Vorbereitungskreis Professor Dr. Georg Langenhorst gewinnen können: Er war Professor für katholische Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten und ist nun Professor an der Universität Erlangen. Er ist bekannt als Fachmann für die Beziehungen zwischen Literatur und Theologie.

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Angesichts der vielen auch Kinder und Jugendliche bedrängenden existenziellen Nöte und Probleme sei, so Schuldekan Heiner Digel (Esslingen), die Schule immer mehr auch zum sozialtherapeutischen Raum geworden, weil Eltern und Erziehungsverantwortliche kaum noch in der Lage seien, diese Herausforderungen angemessen aufzugreifen.

Professor Langenhorst nahm diese Beobachtung auf und erläuterte auf eingängige Weise anhand der biblischen Hiobgestalt, dass Trösten gelernt werden könne. Der emotionale und auch reflektierende Weg mit dem trauernden Menschen sei der Einstieg in einen gelingenden Trost. Im Hiobbuch selbst und auch in dem berühmten Roman von Joseph Roth, den Langenhorst interpretierte und auszugsweise eindrücklich vortrug, habe die Klage neben der Anklage ihren wichtigen therapeutischen Ort.

Lehrer wie Seelsorger dürften aber Antworten und Versuche der Deutung nicht verweigern. Schließlich müsse sich die eigene Erkenntnis und die gefühlsmäßige Aufarbeitung auch relativieren lassen: "Gott hält die Chaosmächte am Zügel. Das ist ein Vertrauensangebot an den Menschen. Nicht alles ist erklärbar. Die transzendentalen Erfahrungen bieten sich als Rahmen des Lebens an."

In verschiedenen Arbeitsgruppen wurde das Thema vertieft: das Trösten im Lehrerzimmer, Erfahrungen aus der Klinikseelsorge-Arbeit mit Kindern, Trost im Liedgut, kreative Formen des Tröstens, Aufarbeitung familiärer Konflikte, das neue Aufgabenfeld "Schulseelsorge" und schließlich das Tobit-Buch als Trostbuch der Bibel. Die ganze Veranstaltung wurde eindrücklich gerahmt von drei liturgischen Tages-Gebeten, zu deren Gelingen der sakrale Raum der Kapelle des Sankt-Antoniushauses in Wernau beitrug. Ein beachtliches Opfer wurde beim Abendgebet für das "Haus des Trostes" in Shavei Zion/Israel gegeben.

cb