Lokales

Tropische Nächte auf dem Vormarsch

Eines der Themen beim Naturschutztag war der Klimawandel mit seinen Auswirkungen auf den Naturschutz

Beim gestrigen Naturschutztag im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb standen das Biosphärengebiet und der Klimawandel im Mittelpunkt. Organisiert wurde der Tag von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), die nicht nur für die Referenten sorgte, sondern auch für das – überwiegend studentische – Publikum.

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Andreas Volz

Lenningen. Bei den Vorträgen gab zunächst Professor Dr. Konrad Reidl eine Einführung zum Biosphärengebiet. Als Aufgaben von Biosphärenreservaten nannte er den Schutz von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt, die Förderung einer wirtschaftlichen und menschlichen Entwicklung, die soziokulturell und ökologisch nachhaltig ist, die Forschung und ökologische Umweltbeobachtung sowie die Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb habe als „Keimzelle“ den einstigen Truppenübungsplatz, der allerdings nur einen geringen Teil des gesamten Gebiets ausmache. Problematisch am Truppenübungsplatz seien die Munitionsreste, die für Mensch und Natur Belastungen darstellen. Andererseits aber seien gerade auch durch die Panzer oder durch das Schießen mit scharfer Munition sehr viele kleine Feuchtgebiete entstanden, bei denen sich derzeit die Frage stelle, ob und wie sie sich als Biotope erhalten lassen.

Professor Dr. Wilfried Nobel sprach anschließend über das Nutzungskonzept der HfWU für das „Alte Lager“ Münsingen. Dort habe die Nürtinger Hochschule in Kooperation mit anderen Hochschulen und Universitäten ein Gebäude angemietet, um Seminare abzuhalten. Das Haus bietet auch Möglichkeiten zum Übernachten, weshalb es sich eigentlich auch für Exkursionen eignen müsste, bei denen lange Anfahrtwege anfallen würden. Allerdings sei die Einrichtung so spartanisch, dass sich allenfalls „eingefleischte Ökogruppen“ zum Übernachten hinreißen ließen. Wilfried Nobel formulierte deshalb ein durchaus einleuchtendes Ziel: „Wir müssen attraktiver werden.“ So sei geplant, am Eingang zum „Alten Lager“ ein Gebäude zu beziehen – an einem sehr prominenten Standort also, genau gegenüber dem künftigen Informationszentrum für das Biosphärengebiet: „Dort wollen wir eine Lehr- und Forschungsstation für nachhaltige Entwicklung etablieren.“

Weit über das Biosphärengebiet Schwäbische Alb hinaus betrachtete Dr. Markus Röhl die Folgen des Klimawandels. Mit dem Untertitel „Anpassungsstrategien des Naturschutzes an den Klimawandel“ gab er bereits eine wesentliche Richtung vor, denn der Klimawandel lasse sich weder aufhalten, noch sei er ein Phänomen der Zukunft: „Wir sind bereits mittendrin.“ So hätten die Durchschnittstemperaturen in Deutschland zwischen 1901 und 2007 linear um ein Grad Celsius zugenommen. Bis zum Jahr 2100 werde ein weiterer Anstieg zwischen zwei und 4,5 Grad erwartet. Noch heftiger treffe es Spanien, wo die Durchschnittstemperatur bis dahin um vier bis sechs Grad zunehmen solle. Weil es in Spanien jetzt schon sehr warm sei, dürften dort um 2100 also klimatische Verhältnisse „wie in den nordafrikanischen Staaten“ herrschen.

Ähnlich extrem ändern sich die Mengen und die Verteilung des Niederschlags. Während die Niederschläge in Skandinavien zunähmen, dürften sie in Mittelmeerländern um 20 bis 40 Prozent zurückgehen. In Baden-Württemberg sollen im Winter die Schneemengen deutlich abnehmen. Bei mehr Niederschlägen bedeute das mehr Hochwasser. Wenn zudem einerseits die heißen Tage und die tropischen Nächte zunehmen und andererseits die Frosttage weniger werden, dann haben alle diese klimatischen Veränderungen auch Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. So prognostizierte Markus Röhl gestern „Wanderbewegungen“ derjenigen Arten, die an viel Wasser und kühlere Temperaturen angepasst sind, in Richtung Norden sowie in Richtung höhere Gebirgslagen. Nachrücken dürften mediterrane Arten aus dem Süden, denen es dort ihrerseits zu heiß wird.

Der Naturschutz müsse diese Veränderungen aktiv begleiten, auch wenn es emotional schwerfallen sollte. So wollte sich der Referent noch nicht mit der Vorstellung anfreunden, dass es in Bälde nicht mehr lohnend sein könnte, sich für den Erhalt des Auerhuhns in Baden-Württemberg einzusetzen. Um aber die Wanderbewegungen, die sich nicht aufhalten lassen, wenigstens zu unterstützen, müsse der Naturschutz seine Biodiversitätskonzepte anpassen sowie Biotopverbünde und Trittsteinbiotope schaffen. Das ermögliche den Arten ein Durchwandern der Landschaft.