Lokales

Trott-war!

Liebe Leserinnen und Leser! Kennen Sie Trott-war? Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Zeitung. Nicht irgendeine Zeitung, sondern eine, die sozial benachteiligten Menschen hilft. Und die Sie bei einem netten Herrn in der Fußgängerzone in Kirchheim kaufen können. Er steht dort mehrere Tage im Monat und bietet Trott-war an.

Alle Trott-war-Verkäuferinnen und -Verkäufer waren in Not. Von den 1,70 Euro Verkaufspreis gehören 85 Cents ihnen. Aber nicht allein der finanzielle Aspekt ihrer Tätigkeit ist für sie wichtig. Im Januarheft sagt eine Verkäuferin, dass es ihr viel besser gehe, seit sie bei Trott-war arbeitet: "Ich war ziemlich alleine, immer in der Wohnung. Mir tut es gut rauszugehen und mit den Leuten zu reden."

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Ich meine, dass es auch eine gehörige Portion Mut und Zivilcourage braucht, sich auf die Straße zu stellen und eine Zeitung zu verkaufen. Und sich zu outen als Mensch, der in irgendeiner Weise Schwierigkeiten hatte oder hat, mit dem Leben zurechtzukommen. Ich weiß nicht, ob ich das fertig brächte, hätte Angst, wie die Menschen reagieren, ob sie wegschauen, ob sie freundlich sind oder abweisend, im schlimmsten Fall feindselig.

Also, Hut ab . . ..

Lange Zeit hielt ich den Namen "Trott-war" für die eingedeutschte Schreibweise von Trottoir. Bis ich zu Hause beim Mittagessen eines Besseren belehrt wurde. Die anderen Familienmitglieder waren der Meinung Trott-war bedeute, dass Menschen ihren Trott verlassen und neu anfangen: Trott war! Jetzt kommt etwas Neues und hoffentlich etwas Besseres.

Eine schöne Erklärung. Und eine gute Sache, diese Straßenzeitung im Südwesten. Nicht nur für die Verkäuferinnen und Verkäufer, denen damit eine Möglichkeit geboten wird, ihr Leben zu verändern. Sondern auch für die Menschen, die Trott-war lesen.

Pfarrerin Ute Stolz

aus Hepsisau