Lokales

Trotz aller Widerstände dynamisch und mutvoll in die Zukunft gehen

KIRCHHEIM Bevor Kirchheims Oberbürgermeistern Angelika Matt-Heidecker bei der freitagabendlichen Premiere als Gastgeberin des als Dämmerschoppen firmierenden Neujahrsempfang der Stadt zu Wort kommen konnte, standen zunächst

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WOLF-DIETER TRUPPAT

andere im Mittelpunkt. "Also sprach Zarathustra" war das Eröffnungsstück überschrieben, mit dem das Ensemble "Teck Brass" der Kirchheimer Musikschule unter der Leitung von Johannes Stortz für einen passenden musikalischen Einstieg in einen Abend guter Gespräche in interessanter Gesellschaft lieferte. Nach weiteren drei Stücken und einer vom Publikum erklatschten Zugabe hatte dann die Gastgeberin das Sagen.

Bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste aus allen für das Gemeinwesen relevanten Bereichen richtete Angelika Matt-Heidecker sich zunächst an die Vertreter der Wirtschaft und dankte ihnen, dafür gesorgt zu haben, dass im abgeschlossenen Jahr ein Mehr an Gewerbesteuer in Höhe von 433 000 Euro verzeichnet werden konnte. Als Markt der Menschen, Meinungen und des Dialoges versteht die Oberbürgermeisterin die "Vielfalt, Lebendigkeit und Kraft" des längst zur Tradition gewordenen "Dämmerschoppens" mit seinen einladenden Marktständen, unter deren Dächern Menschen mit und ohne Behinderungen sich ungezwungen begegnen können.

Beim Blick auf die tragischen Ereignisse des Jahres musste Angelika Matt-Heidecker mit Orten wie Bam, Madrid und Baslan Stätten unsäglichen menschlichen Leides in Erinnerung rufen. Neben den etwas aus dem Blickfeld geratenen Schrecken des unmenschlichen Bürgerkrieges im Sudan habe vor allem die Flutkatastrophe in Südostasien mit ungemeiner Brutalität ins Bewusstsein gerufen, dass "die Menschheit schon immer auf einem Vulkan tanzt, der nie zur Ruhe kommt".

Nicht nur als "Jahr des Leidens", sondern auch als "Jahr des Jammerns" hat Angelika Matt-Heidecker 2004 erfahren und fragte deshalb die Besucher: "Kann es sein, dass wir in allen Lebenslagen jammern, weil wir eine irrationale Angst davor haben, dass der Wind, der uns zugegebenermaßen ins Gesicht weht, das Glück eines sehr reichen und behüteten Landes sein könnte?"

Im Blick auf den "gewaltigsten Umbruch unseres Gemeinwesens in seiner mehr als 50-jährigen Geschichte" mit Reformen wie Praxisgebühr, Hartz IV, Arbeitslosengeld II, Studiengebühren oder Kopfpauschalen zeigte sie sich überzeugt davon, dass die Menschen positiv zu Veränderungen stehen, aber kein Verständnis haben für "die Art, wie die Debatten darüber verlaufen".

Nach einem Blick in die Welt auf ein "Deutschland in Bewegung zum Wohle Europas" und das Dilemma, das Angelika Matt-Heidecker darin sieht, dass bislang trotz aller Erfolge kein Durchbruch auf dem Arbeitsmarkt" erzielt wurde, konzentrierte sie sich auf ihr konkretes Betätigungsfeld. Ein "kostenminimiertes aber dennoch leistungsfähiges Beleuchtungskonzept" sieht die Kirchheimer Oberbürgermeisterin als wichtiges Instrument der Stärkung der Innenstadt und deren Aufenthaltsqualität an. Ziel müsse es sein, die "Heimeligkeit" der "wuseligen" Stadt zu erhalten, die ein wichtiger Treffpunkt für Bewohner und Besucher gleichermaßen ist.

Weiter ausgebaut werden müsse auch der Schulstandort Kirchheim. Da die Entwicklung mehr Ganztagsschulen erfordert, bestehe hier Handlungsbedarf. Ganz wichtig sei auch der "Wettbewerb um junge Familien", da eine lebendige Kommune auch eine ausgewogene Altersmischung braucht.

Sehr positiv bewertete Angelika Matt-Heidecker die Kirchheimer Initiative für Ausbildung, deren erster Ausbildungsverbund zwischen der Stadt und einem Unternehmen schon Folgewirkung zeige und zu weiteren Kooperationen geführt hat.

Neben Bemühungen um eine Belebung des Jugendgemeinderates, der die Jugendlichen integrierend in eine funktionierende Gesellschaft einbinden soll, beleuchtete sie auch kurz den Bereich "Bürgerliches Engagement", auf dem Kirchheim schon immer eine Vorreiterrolle zugekommen sei.

Im "Projekt Klosterviertel" würden Menschen innerhalb eines Wohnviertes zusammenfinden und Verantwortung füreinander übernehmen, an anderer Stelle der Stadt würde darauf gesetzt, neue ambulante Wohnformen für alte demenzkranke Menschen zu finden. Durch das gemeinsame Engagement von Verwaltung und Sportvereinen sei es auch gelungen, das alte Hallenbad wieder so in seiner Attraktivität zu steigern, dass täglich wieder etwa 150 Besucher zu verzeichnen sind.

Überzeugt, dass der Gesprächsstoff bei einer solchen Themenvielfalt nicht ausgehen könne, bat Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Besucher abschließend, "die Stadt, die Stadtverwaltung und den Gemeinderat positiv zu begleiten" und gemäß der Bezeichnung des für den Dämmerschoppen mit roten Anturien gestalteten Blumenschmucks "dynamisch, mutvoll in die Zukunft" zu gehen.