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Trotz Börsenbeben: Ruhe bewahren

Nach der Talfahrt der Aktienkurse am Montag blieb Experten für Wertpapiere bei den Banken im Kreis Esslingen gestern kaum eine Verschnaufpause. "Verkaufen oder halten?", lautete die bange Frage, die viele Kunden stellten. Geraten wird Anlegern, einen kühlen Kopf zu bewahren.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN "Wir empfehlen unseren Kunden derzeit nicht unbedingt den Verkauf ihrer Aktien. Wer etwas anderes rät, betreibt reine Stimmungsmache", so Jochen Rau, Vertriebsleiter Vermögensmanagement der Volksbank Nürtingen-Kirchheim. Prinzipiell müsse man Aktien immer als langfristige Anlage sehen. Was für den Prokuristen zählt, sind die fundamentalen Daten der europäischen Unternehmen. "Und die sind gut". Die Verkaufshysterie, ausgelöst von Rezessionsängsten als Folge der US-Hypothekenkrise, ist für Rau ausschließlich emotional begründet. Wenn allerdings ein Krieg oder Terroranschläge hinzukämen, "gibt es auch an den Aktienmärkten Blut".

Wie Rau erklärt, geht das Geld momentan aus Risikomärkten wie China und Indien raus. Doch in diesen Bereichen hätten die Kunden der Volksbank ohnehin selten ihr Geld angelegt. Wenn, dann eher über den Umweg europäischer Standardwerte. "Von Finanztiteln haben wir schon letztes Jahr abgeraten", betont Rau. Dass Banken, Lebens- und Rückversicherungen derzeit große Kursverluste hinnehmen müssen, wundert ihn nicht. "Die Krise auf diesem Sektor ist mit Sicherheit noch nicht ausgestanden, da wird noch das ein oder andere ans Tageslicht kommen."

"Bestände halten", lautet auch die Devise von Franz Hirschle, verantwortlich für das Wertpapiergeschäft bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. "Wenn verkaufen, dann hätte man das bereits tun müssen." Wie es genau an den Aktienmärkten weitergehe, hält er derzeit jedoch für "absolut nicht vorhersehbar". Angesichts der Hypothekenkrise sei klar gewesen, dass es "holprig" werde. Nicht abzusehen war für Hirschle aber das Ausmaß der Talfahrt des Deutschen Aktienindexes (DAX) am Montag um rund 7,2 Prozent auf 6 790 Punkte. Der Absturz und das darauffolgende Auf und Ab an den Börsen am gestrigen Dienstag, lassen Hirschle von einer "crashartigen Bewegung" sprechen. "Die Märkte werden sich in den nächsten Wochen noch austoben und flatterhaft bleiben", so der Finanzexperte. Ganz mutige Anleger seien bereits dabei, zu kaufen. Doch rät der Banker, lieber noch etwas abzuwarten. Er ist überzeugt davon, dass es noch etwas dauern werde, bis "ein Boden" gefunden sei. Wer weiter auf Aktien setzen möchte, sollte Hirschles Ansicht nach vorrangig etablierte Märkte in Europa auswählen. Die Weltkonjunktur sei gut, deshalb bestehe für ihn kein Anlass zu Panik.

Trotz des weit verbreiteten Res-pekts vor dem Aktienhandel, gibt es bei der Kreissparkasse nach wie vor viele Kunden, die Einzelwerte ordern. Die Mehrheit lässt die Anlagenstrategie allerdings über Investmentfonds professionell managen. Dass die Anleger seit dem Einbruch der Börsen nach dem 11. September 2001 vorsichtiger geworden sind, hält Hirschle prinzipiell für einen Fehler. Die Aktienmärkte hätten sich längst wieder erholt, zwar liege der Euro Stoxx, eines der führenden europäischen Börsenbarometer, noch zurück, "beim Dax haben wir es aber geschafft". Er hatte im Juli vergangenen Jahres mit über 8100 Punkten einen neuen Höchststand erreicht.

Mit dem 11. September 2001 will Hirschle das derzeitige Beben auf dem Börsenparkett ohnehin nicht vergleichen. Anders als jetzt, seien die Werte damals völlig überzogen und das Platzen der Blase nur eine Frage der Zeit gewesen.