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Trotz Bremsaussetzer rast Henzler zum Vizetitel

Das ganz große Happy End blieb aus, das kleine folgte: Zusammen mit Cockpit-Kollege Robin Liddell holte Wolf Henzler auf einem Tafel-Porsche 911 GT3 Cup in der US-amerikanischen Rolex-Serie die Vizemeisterschaft.

EBERHARD STRÄHLE

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TOOELE Wolf Henzler, Mitglied des Motorsportklubs Kirchheim/ Teck, behauptete mit seinem Porsche 911 GT3 Cup beim letzten Lauf der Grand American Rolex Serie im Miller Motorsport Park von Tooele im US-Bundesstaat Utah seinen zweiten Rang im GT-Gesamtklassement. Im Rennen über neun lange Stunden mit seinen beiden Copiloten Robin Liddell und Andrew Davis hatte er auch die Vizemeisterschaft der Rennserie, die ihm vor diesem Lauf freilich nicht mehr zu nehmen gewesen war. Mit diesem Erfolg empfahl sich der Nürtinger für eine höherwertige Rennserie.

Dass Henzler nach Vollendung der Serie nicht als neue Nummer eins finishte, lag auch daran, dass die in Konkurrenz zu den Porsches fahrenden Pontiac GTO R auf den meisten Rennpisten zu übermächtig waren und Werksunterstützung hatten. Henzler ließ sich dennoch zu keiner Zeit entmutigen: "Um die Meisterschaft 2006 zu gewinnen, hätten wir im letzten Lauf siegen müssen und der Pontiac mit der Startnummer 65, gefahren von Marc Bunting, Mandy Lally, Spencer Pumpelly und Paul Edwards, schlechter als Fünfter werden müssen." Dennoch war's unterm Strich ein gutes Wochenende für ihn. Die Besatzung des Tafel-Elfers bewies schon in den Trainingsläufen einsame Klasse bei den GT-Fahrzeugen. Henzler stellte den Porsche in die Poleposition der Grundstock für eine Erfolgsfahrt war gelegt.

Vom Start weg fuhr Henzler äußerst souverän und konnte sich vom Pontiac GTO R mit Mandy Lally am Lenkrad auch lösen. Nach zehn Umläufen passierte auch der zweite Tafelporsche mit Ian James das PS-starke US-Car. Der Abstand betrug zwanzig Sekunden, als Lally den Pontiac in die Box mit einem Problem an der Servolenkung fuhr. Nach der Reparatur kam dieser als Siebter auf die Strecke zurück. Nach 2.40 Stunden Fahrzeit und einem Vorsprung von 1,5 Runden übergab Henzler an Robin Liddell.

"Leichte Bremsprobleme" signalisierte Henzler dabei dem Copiloten, der einige Runden bremsenschonender fuhr und dadurch wieder die volle Bremskraft bei seinem Boliden aufbaute. Aber der Pontiac war inzwischen wieder Zweiter und lief im Übrigen wie ein Uhrwerk. Nach nicht ganz sechs Rennstunden enterte der Dritte im Bunde der Tafelcrew, Andrew Davis, das Cockpit. Der fuhr etwa 1.15 Stunden lang, als die erste und einzige Safetycarphase des Rennens eintrat, die die meisten Teams zum Boxenstopp nützten. Henzler übernahm nun wieder das Steuer und wollte aus der Box rausfahren, als er per Funk gestoppt wurde: Davis hatte in der Hektik beim Fahrerwechsel seinen Trinkbehälter auf dem Wagendach liegen lassen. Ein Mechaniker holte ihn danach "prompt bekamen wir dafür eine Stop-and-Go-Strafe aufgebrummt", berichtete Henzler. In der Folge hatte die Bremse abermals keine Wirkung, doch weil das Safetycar sich noch auf der Strecke befand, störte dies überhaupt nicht. An der Box wurde das System entlüftet und neu aufgefüllt, als das Rennen erneut gestartet wurde. Nach Absitzen der Stop-and-Go-Strafe lagen Henzler/Liddell/Davis auf dem vierten Rang. In einer furiosen Aufholjagd verkürzte Henzler den Abstand zum Dritten bis auf 27 Sekunden.

Nun übernahm Liddell nochmals den Porsche, holte Runde für Runde auf und konnte schließlich den zweiten Rang im GT-Klassement über die Ziellinie bringen. Obwohl es mit der Meisterschaft nicht klappte, ließen sich Henzler und Liddell beim Siegerbankett im Spielerparadies Las Vegas dennoch feiern. Schließlich waren sie Vizemeister geworden.

Am 30. September startet der Nürtinger beim vorletzten Rennen zur American Le Mans-Serie (ALMS) in Braselton. Das dortige 1000-Meilen-Rennen auf der Rennstrecke von Road Atlanta bestreitet er im Porsche 911 GT3 RSR zusammen mit Johannes van Overbeek und einem dritten Fahrer des Flying Lizard Teams.