Lokales

Trotz "Minimalausstattung" ein neues Prunkstück

Gestern hat der DRK-Rettungsdienst Nürtingen-Kirchheim sein neues Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) für den Standort Kirchheim offiziell in Dienst gestellt. Das Fahrzeug ist seit knapp zwei Wochen im Einsatz und hat sich bereits bestens bewährt.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Im Schnitt rückt das Notarzteinsatzfahrzeug jeden Tag zu sieben Notfällen in Kirchheim und Umgebung aus. Zu "Spitzenzeiten" können es aber auch zehn bis 16 Einsätze an einem Tag sein. In sechs Jahren hatte es der Vorgänger des neuen NEF auf 240 000 Kilometer gebracht. Das Fahrzeug bringt den Notarzt zum Einsatzort, wo zugleich auch ein Rettungswagen eintrifft. Sobald der Notfallpatient mit dem Rettungswagen in die Klinik transportiert werden kann, ist der Notarzt mit dem NEF nötigenfalls schon auf dem Weg zum nächsten Einsatz. Außer bei schweren Verkehrsunfällen sind Notärzte auch bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen gefragt.

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Der Nissan Pathfinder, ein geländetaugliches Allradfahrzeug mit Automatikgetriebe, kommt den Bedürfnissen des Rettungsdiensts im Gebiet rund um die Teck entgegen. Schließlich muss das NEF auch im tiefsten Winter nach Schopfloch oder Ochsenwang gelangen. "Die Bevölkerung hat den Anspruch, zu jeder Zeit an jedem Ort und bei jedem Wetter möglichst optimal versorgt zu werden", sagte Dr. Thilo Haug, der Leiter des Notarztstandorts Kirchheim, gestern anlässlich der feierlichen Indienststellung. Andererseits, beklagte er, werde immer mehr Geld für die "überbordende Bürokratie im Gesundheitswesen" ausgegeben, während immer weniger Geld übrig bleibe für die Mitarbeiter, die direkt mit den Patienten zu tun haben, für Medikamente oder auch für die medizinisch-technische Ausstattung.

30 000 Euro stellen die Krankenkassen der gemeinnützigen Rettungsdienst-GmbH für das neue NEF zur Verfügung. Weitere 10 000 Euro für die zusätzliche Ausstattung muss die Organisation selbst tragen. Im bundesweiten Vergleich bekämen die Rettungsdienste in Baden-Württemberg die geringste finanzielle Unterstützung für ihre Fahrzeuge, erklärte Rettungsdienstleiter Christian Tischler gestern: "Wir fahren mit der Minimalausstattung."

Eine Vorreiterrolle nimmt Kirchheim dagegen bei der Wahl des Fahrzeugtyps ein: Als Vertreter von Nissan Deutschland war Manuel von Mohrenschildt gestern eigens zur offiziellen Fahrzeugübergabe nach Kirchheim gekommen, handelt es sich bei dem NEF doch um "ein bundesweites Pilotprojekt" das erste Pathfinder-Serienmodell, das zum Notarzteinsatzfahrzeug umgestaltet wurde. Bei der Fachmesse "Rettmobil" in Fulda habe das neue Kirchheimer Fahrzeug kürzlich für entsprechendes Aufsehen gesorgt. Auf eine weitere Besonderheit verwies Jürgen Kling, der dem Arbeitskreis des DRK-Rettungsdiensts Nürtingen-Kirchheim zur Fahrzeugbeschaffung angehört hatte: Schüler und Meister der Nürtinger Philipp-Matthäus-Hahn-Schule haben das neue Prunkstück des Fuhrparks in nur vier Tagen fachgerecht beklebt.