Lokales

Trotz Rotstift "Qualität halten und Betreuung ausbauen"

Es kommt der Quadratur des Kreises gleich: Auf der einen Seite muss die Gemeinde Bissingen einen harten Sparkurs fahren, andererseits soll die Qualität der Kindergärten erhalten und die Betreuungsangebote ausbebaut werden.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle stellte in jüngster Ratssitzung Zahlen vor. Zum einen konnten sich die Bürgervertreter und Zuhörer ein Bild über die Ausgaben und Einnahmen der Gemeinde zur Finanzierung der Bissinger Kindergärten machen. Zum anderen nannte der Verwaltungschef Zahlen, die die Belegung der Kindergärten in den kommenden Jahren aufzeigen.

Aufgrund eines Defizits im Gemeindesäckel von rund 60 000 Euro will der Gemeinderat unter anderem auch die Personalkosten bei Verwaltung, Bauhof und Kindergärten auf den Prüfstand stellen. Da die Zweitkräfte in den mehrgruppigen Kinderschüle der Seegemeinde rund 88 Prozent arbeiten und für eine Kleingruppe wie in Ochsenwang keine Zweitkraft vorgesehen ist, überlegen Verwaltung und Bürgervertreter, hier den Rotstift anzusetzen. Würden nämlich die Bissinger Zweitkräfte täglich eine Stunde weniger arbeiten und die zweite Erzieherin in Ochsenwang ganz wegfallen, so könnte die Gemeinde dadurch 40 000 Euro jährlich einsparen. "Ich will aber nicht den Eindruck erwecken, Ochsenwang an den Rand zu drängen", sagte Wolfgang Kümmerle und versicherte, eine Hilfe in Rufbereitschaft für Notfälle werde es in der Eduard-Mörike-Gemeinde auf jeden Fall geben.

Die Diskussion um Einsparungen ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Gemeinde im Kindergartenbereich in den vergangenen fünf Jahren einen Abmangel zwischen 277 000 und 358 000 Euro verschmerzen musste. Der von den kommunalen Verbänden propagierte Deckungsgrad der Kosten durch die Elternbeiträge von 20 Prozent wird in Bissingen nicht erreicht. Im April 2007 läuft die dreijährige Frist für Erhöhungen der Kindergartengebühren ab. Noch ist nichts beschlossen, doch angesichts ihrer prekären Finanzsituation steht die Gemeinde vor einer schwierigen Entscheidung: Entweder Stellen kürzen oder eine Erhöhung der Kindergartengebühren vorziehen.

"Trotz aller Sparmaßnahmen soll die Qualität nicht darunter leiden", lautete Gemeinderat Uli Hoylers Devise. Sein Vorschlag: "Das Geld am Material einsparen." Wie Bürgermeister Kümmerle sagte, wurde hier bereits der Rotstift angesetzt. "Den Erzieherinnen stehen nur noch 1 000 Euro pro Jahr zur Verfügung." Für Hoylers Ratskollege Rainer Merkle war der Widerspruch offensichtlich: "Wir können nicht sagen, wir knappsen auf der einen Seite an Personal und Material und gehen auf der anderen Seite mit den Elternbeiträgen in die Höhe." Auf den Kern der Diskussion führte Rolf-Rüdiger Mosts Redebeitrag zurück: "Im Finanzausschuss wurde gesagt, wir wollen sparen und wenn's darauf ankommt, löst sich alles in Wohlgefallen auf. Es geht nicht darum, ob wir sparen wollen, sondern darum, ob wir müssen."

Bürgermeister Wolfgang Kümmerle will nun mit Elternbeirat und Erzieherinnen sprechen und mit einem entsprechenden Sparvorschlag in den Gemeinderat kommen.

Laut Verwaltungsstatistik besuchen in diesem Schuljahr 123 Buben und Mädchen die Kindergärten in der Pfarrstraße, Teckstraße und in Ochsenwang. Im Juli 2007 werden es 122 und im Juli 2008 nur noch 107 sein. Hierdurch ergeben sich freie Plätze, die die Gemeinde in U3-Gruppen umwandeln will. Das heißt, ab September können in der Pfarrstraße vier Kinder zwischen zwei und drei Jahren betreut werden und ab dem Juli 2008 eine weitere Vierergruppe in der Teckstraße. Auch verlängerte der Gemeinderat die FBS-U3-Spielgruppe im Kindergarten Höfle um ein Jahr. Für ein weitergehendes Angebot für unter zwei Jahre alte Kinder sieht die Gemeinde derzeit keinen Bedarf. Auch kann eine Ganztagesbetreuung aufgrund der geringen Nachfrage und der fehlenden Finanzmittel wegen nicht angeboten werden.

Bekanntlich muss kreisweit die Aufnahme der unter Dreijährigen und die Ganztagesbetreuung bis 2010 von den Kommunen geregelt sein. Landesweit wird von einem Bedarf von 6 bis 20 Prozent ausgegangen.