Lokales

Trotz Rückgang: 21 Unfalltote waren im Landkreis zu beklagen

Nahezu unverändert blieben die Unfallzahlen im vergangenen Jahr im Kreis Esslingen. Die Polizei registrierte mit 10 989 Verkehrsunfällen fast annähernd dieselbe Anzahl wie im Jahr zuvor. Der Anteil der Bagatellunfälle stieg mit 5 448 Kleinstunfällen weiter leicht an und liegt nun bei zirka 50 Prozent.

KREIS ESSLINGEN 21 Personen wurden im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen getötet, eine weniger als im Vorjahr. Angestiegen ist die Zahl der Schwerverletzten um 9,6 Prozent auf 398, während die Anzahl der Leichtverletzten bei 1779 Personen nahezu konstant blieb. Der bei Verkehrsunfällen entstandene Sachschaden summierte sich auf zirka 18,5 Millionen Euro. In dieser Zahl ist allerdings die Schadenssumme der Bagatellunfälle nicht enthalten. Die Rangfolge der Hauptunfallursachen blieb unverändert bei überhöhte Geschwindigkeit/Sicherheitsabstand, Abbiegen/Wenden/Rückwärtsfahren, Vorfahrtsverletzungen, Alkohol- und Drogeneinfluss.

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Nach wie vor Sorge bereitet der Polizei die hohe Anzahl der Verkehrsunfälle mit Unfallflucht, im vergangenen Jahr immerhin 2 391 Fälle. Zwar hat die Zahl um 3,5 Prozent leicht abgenommen, viele Autofahrer betrachten eine Unfallflucht offensichtlich aber immer noch als Kavaliersdelikt. Allerdings konnten auch im vergangenen Jahr fast alle Unfallfluchten mit Verletzten oder hohen Sachschäden aufgeklärt werden.

Erneut zurückgegangen sind im vergangenen Jahr die Schulwegunfälle, und zwar um 9,3 Prozent auf 49. Damit einher ging auch ein Rückgang der bei diesen Unfällen schwer Verletzten um 31 Prozent auf neun und der Leichtverletzten um sechs Prozent auf 45 Personen. Insgesamt 408 Verkehrsunfälle mit Radfahrern ereigneten sich im vergangenen Jahr, wobei die Gesamtzahl der Unfälle nahezu unverändert blieb. Zwei Radfahrer wurden bei diesen Unfällen getötet. 246 dieser Unfälle wurden von den Radfahrern selbst verschuldet.

Nahezu konstant blieben die Unfallzahlen im Bereich der Gruppe der "Jungen Fahranfänger". Die Polizei im Landkreis registrierte insgesamt 1241 derartige Verkehrsunfälle, wobei 800 von den jungen Autofahrern selbst verschuldet wurden. Wieder leicht angestiegen ist die Zahl der unter Alkoholeinfluss verursachten Verkehrsunfälle, und zwar um 8,6 Prozent auf 339 Unfälle. Dabei wurden sieben Personen getötet (Vorjahr vier), 49 schwer (59) und 117 leicht verletzt (107). Zwei Verkehrsunfälle an einem Tag verursachte ein erheblich betrunkener Autofahrer am 21. August in Esslingen. Der 46-Jährige war am Nachmittag mit seinem Pkw in der Mülbergerstraße abwärts unterwegs. Dabei geriet er auf die Gegenfahrbahn und streifte einen entgegenkommenden BMW und fuhr weiter. Etwa zehn Minuten später fuhr er auf der Hohenheimer Straße auf einen vor ihm fahrenden Pkw auf und verursachte dabei Sachschaden in Höhe von zirka 3 500 Euro. Die Blutprobe ergab schließlich 3,89 Promille.

Bei den Verursachern der alkoholbedingten Verkehrsunfälle wurden Blutproben veranlasst und die Führerscheine beschlagnahmt. In 82 Fällen waren die Unfallverursacher allerdings gar nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis. Außerdem wurden von der Polizei im Kreis im vergangenen Jahr 268 Führerscheine nach folgenlosen Trunkenheitsfahrten beschlagnahmt. Unter Drogeneinfluss verursachten im vergangenen Jahr nachweislich 26 Autofahrer einen Verkehrsunfall. Dabei wurden eine Personen getötet, zwei schwer und neun leicht verletzt.

Wie bereits mehrfach berichtet, wurden im Kreis Esslingen die Beamten der Streifendienste und der Verkehrspolizei zur Thematik "Drogen im Straßenverkehr" kontinuierlich aus- und fortgebildet. Bei diesen Dienststellen sind zudem spezielle Teams zur Durchführung von Drogenkontrollen gebildet worden. Dies führte dazu, dass die Qualität der Kontrollen in den letzten Jahren ständig verbessert werden konnte und sich auch die Anzahl der bei Kontrollen festgestellten unter Drogeneinfluss stehenden Fahrzeuglenker weiter erhöht hat. Im Jahr 2004 wurden bei Kontrollen im Kreis bei insgesamt 340 Verdachtsfällen Blutproben angeordnet. In 241 Fällen war der Befund positiv und die Fahrerlaubnis der Autofahrer wurde entzogen oder sie erhielten ein Fahrverbot.

Dieser Deliktsbereich wird mit Sicherheit auch in den nächsten Jahren zu den Schwerpunkten polizeilicher Verkehrsüberwachung gehören. Alkohol und Drogen am Steuer haben oft schwere Folgen für alle Beteiligten. Wer einen Unfall verursacht hat oder kontrolliert wird, muss mit hohen Kosten für ein Gerichtsverfahren und einen Anwalt sowie mit empfindlichen Strafen rechnen. Mit dem Führerschein verlieren viele zudem auch noch den Arbeitsplatz. Außerdem sind bei derartigen Unfällen häufig Schwerverletzte oder sogar Tote zu beklagen. Viele der häufig jungen Fahrer sind sich nicht bewusst, welche weit reichenden Konsequenzen Drogenkonsum für ihr weiteres Leben haben kann. Da es im Gegensatz zum Alkoholkonsum aber keine absoluten Grenzwerte gibt, reicht allein der Nachweis bestimmter Drogen für ein Fahrverbot aus.

Über die Präventionsprojekte im Verkehrsbereich wurde bereits mehrfach in den Medien berichtet. Die Beamten der Verkehrspolizei waren auch 2004 bei einer Vielzahl von Veranstaltungen präsent. Insbesondere bei der Zielgruppe der "Jungen Fahranfänger" wurden bei acht Veranstaltungen über 1500 Personen informiert und auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam gemacht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verkehrserziehungsdienstes haben bei insgesamt 240 Seminaren, Projekttagen und Veranstaltungen fast 12 000 Personen unterrichtet. Dabei handelte es sich überwiegend um Kindergartenkinder, Schüler, junge Erwachsene und Senioren, die an den Veranstaltungen der Verkehrspädagogen teilnahmen. Hinzu kommen noch 5 700 Schüler, die in den Jugendverkehrsschulen bei den "uniformierten Lehrern" die 5-tägigen Radfahrkurse samt Prüfung absolviert haben.

Die Polizeidirektion Esslingen orientiert sich bei der Verkehrsüberwachung grundsätzlich an den Unfallschwerpunkten und setzt dementsprechend auch die Prioritäten. Die Schwerpunkte im Jahr 2005 werden dabei vor allem die Bekämpfung der Unfallursachen "Drogeneinfluss", "überhöhte Geschwindigkeit" und "Sicherheitsabstand" sein.

Im vergangenen Jahr wurden bei Geschwindigkeitskontrollen 53 417 Fahrzeuge erfasst. 3378 Autofahrer mussten dabei beanstandet werden, weil sie zu schnell unterwegs waren. Dies entspricht einer Beanstandungsquote von 6,3 Prozent. Außerdem sind 1168 Fahrzeugführer mit der Laserpistole gemessen worden, weil sie zu schnell unterwegs waren."Spitzenreiter" war ein 51-jähriger Nürtinger, der am 20. Oktober im Tiefenbachtal statt der erlaubten 80 mit sage und schreibe 170 Stundenkilometer unterwegs war. Er erhielt ein Bußgeld in Höhe von 390 Euro, drei Monate Fahrverbot und vier Punkte in Flensburg.

Zwei Tote und zwei Schwerverletzte forderte ein schwerer Verkehrsunfall am 5. September 2004 bei Unterensingen. Eine 68-jährige Frau kam mit ihrem Peugeot auf die K 1219 bei Unterensingen ins Schleudern. Dabei geriet sie auf die Gegenfahrbahn und prallte frontal mit dem entgegenkommenden Ford einer 39-jährigen Frau zusammen. Beide Autofahrerinnen erlagen noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen. Zwei weitere Insassen in dem Ford, eine 37-jährige Frau und ein achtjähriges Mädchen, mussten schwer verletzt aus dem Fahrzeugwrack geborgen werden.

Ein Toter und fünf Schwerverletzte war die Bilanz eines schweren Verkehrsunfalls am 1. Oktober 2004 bei Baltmannsweiler. Ein 18-Jähriger war am Abend mit seinem VW Passat auf der L 1150 zwischen Baltmannsweiler und Esslingen unterwegs. Dabei kam er beim Überholen ins Schleudern und nach links von der Straße ab. Der Passat überschlug sich und prallte gegen mehrere Bäume. Für einen 16-jährigen Mitfahrer kam jede Hilfe zu spät. Er erlag an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Der 18-jährige Fahrer und vier weitere Mitfahrer im Alter von 17 Jahren mussten mit schweren Verletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert werden.

Ein 17-jähriger Mopedfahrer kam am 26. Juli 2004 bei einem Verkehrsunfall in Esslingen-Berkheim ums Leben. Der junge Mann war mit seinem Leichtkraftrad auf der Jakobstraße in Richtung Sportplatz unterwegs. Wenige hundert Meter vor dem Sportgelände überholte er den VW Golf eines 18-jährigen Mannschaftskameraden, der ebenfalls auf dem Weg zum Fußballtraining war. Der 18-Jährige beschleunigte während des Überholvorgangs seinen Golf, worauf beide nebeneinander herfuhren. Dabei bemerkten beide ein gerade wendendes Fahrzeug zu spät. Während der Golffahrer noch abbremsen konnte, prallte der überholende Mopedfahrer auf den Mercedes. Der 17-Jährige wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht, wo er jedoch wenige Stunden später seinen schweren Verletzungen erlag.

lp