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Trotz sinkender Beiträge zahlen die Versicherten mehr

Bei der AOK Nürtingen-Kirchheim trat der neu gewählte AOK-Bezirksrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Einstimmig wurde die bisherige Vorsitzende, Arbeitgebervertreterin Liselotte Nübel und ebenfalls einstimmig als Stellvertreter der Versichertenvertreter Helmut Hartmann wiedergewählt.

KIRCHHEIM Diskutiert wurde im Gremium über die gesetzliche Verpflichtung aller Krankenkassen, ihren Beitragssatz zum 1. Juli um 0,9 Prozentpunkte abzusenken. Dies entspricht einer Entlastung der Versicherten und des Arbeitgebers von je 0,45 Prozentpunkten. Zur gleichen Zeit müssen aber alle Versicherten einen Zusatzbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent ihres Einkommens leisten. Da dieser Zusatzbeitrag allein von Arbeitnehmern und auch Rentnern zu tragen ist, bedeutet dies unter dem Strich eine Mehrbelastung von 0,45 Prozentpunkten für den Versicherten.

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Keine Veränderung gibt es dagegen bei Selbstständigen, die gesetzlich krankenversichert sind. Da sie ihren Krankenversicherungsbeitrag komplett selbst bezahlen, gleicht sich der Zusatzbeitrag und die gleichzeitige Absenkung des normalen Beitragssatzes aus.

Karl-Rudolf Traub wies darauf hin, dass sich die AOK stets dafür eingesetzt hat, die paritätische Finanzierung, also die Beitragstragung je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber, beizubehalten. Die Politik hat dies nun aber anders entschieden. Der AOK-Geschäftsführer hofft, dass die Entlastung der Arbeitgeber durch die Senkung der Lohnnebenkosten die erwünschten Effekte mit sich bringt. Mehreinnahmen für die Krankenkassen entstehen durch die Umschichtung nämlich nicht.

Erfreulich ist andererseits, dass die AOK durch eigene Sparanstrengungen in der Lage ist, den Beitragssatz ab 1. September um weitere 0,1 Prozentpunkte zu senken davon profitieren Versicherte und Arbeitgeber gleichermaßen. Rund 15 Millionen Euro noch in 2005 und jeweils 50 Millionen Euro jährlich sparen AOK-Beitragszahler in Baden-Württemberg durch die zusätzliche Beitragssenkung. "Auch nach der Beitragssenkung um 0,9 Prozentpunkte ab 1. Juli und einer weiteren Senkung um 0,1 Prozentpunkte ab September werden wir noch schwarze Zahlen schreiben", versicherte der Kirchheimer AOK-Chef. Und weiter: "Die Beitragssätze bleiben bis 2007 stabil."

In der Bundespolitik stehen zur Reform der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung in den nächsten Jahren grundlegende Richtungsentscheidungen bevor: In den Wahlprogrammen der beiden großen Volksparteien gehe es um die Einführung einer Bürgerversicherung oder einer einkommensunabhängigen Gesundheitsprämie (Kopfpauschale). In den beiden Wahlprogrammen blieben wesentliche Details aber noch offen.

Einen weiten Weg vom schwerfälligen Verwaltungsapparat hin zum schlanken Unternehmen und modernen Dienstleister habe die AOK in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zurückgelegt, so Karl-Rudolf Traub in einem Rückblick. Mit Erfolg, wie sich nun auch nachweisen lässt. Als erste Krankenkasse wurde die AOK bereits im Jahr 2004 mit dem TÜV-Gütesiegel "ServiceQualität" ausgezeichnet. Der AOK-Geschäftsführer konnte nun verkünden, dass die AOK als einzige Krankenkasse diese Auszeichnung bereits zum zweiten Mal erhielt.

Die AOK, so Karl-Rudolf Traub, lege nach wie vor besonders großen Wert auf die Prävention: Im September könne beispielsweise ein spezielles AOK-Rückenstudio für Arbeitnehmer mit Rückenproblemen eröffnet werden.

Im Zeichen des Abschieds stand der zweite Teil der Sitzung. Viel Lob und Dank hörten die sechs ausscheidenden Mitglieder von der Vorsitzenden des AOK-Bezirksrats, Liselotte Nübel. Das langjährige ehrenamtliche Engagement von Karl-Heinz Beck, Rolf Wohlhaupter-Hermann, Helmut Henzler, Hans Martin Gairing, Gert Otterbach und Peter Jakob wurde besonders gewürdigt.