Lokales

Trotz Wirtschaftlichkeit am Existenzminimum

Die Kirchheimer Volkshochschule sucht nach neuen Wegen: Weil es sich in Kirchheim nicht um eine kommunale Einrichtung handelt und weil das Land seine Zuschüsse immer wieder reduziert hat, sollen Sponsorengelder die künftige Finanzplanung erleichtern helfen. Außerdem ist daran gedacht, dass sich der Verein für weitere Mitglieder öffnet.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Nach der jüngsten Mitgliederversammlung konnte Ludwig Kirchner, der Vorsitzende des Volkshochschul-Vereins, in einem Pressegespräch verkünden, dass die vhs wieder Grund zur Zuversicht hat: "Die Volkshochschule ist finanziell wieder in ruhigerem Fahrwasser." Im vergangenen Jahr habe die vhs sogar einen geringen Überschuss erwirtschaftet. Volkshochschul-Leiterin Susanne Voigt zufolge ist im laufenden Jahr aber nicht mehr mit Überschüssen zu rechnen, weil beispielsweise die Integrationskurse um ein Drittel zurückgehen dürften.

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Ludwig Kirchner berichtet deshalb von der alljährlichen Unsicherheit, "wie die Kostendeckung erreicht werden kann". Was im vergangenen Jahr erwirtschaftet werden konnte, werde wohl 2007 bereits wieder aufgebraucht. Der Vereinsvorsitzende sieht daher dringenden Handlungsbedarf. Als Lösungsansätze zählt er vor allem Einsparungen und die Erschließung neuer Geldquellen auf.

Bei den Einsparungen ist die vhs bereits an der Grenze der Belastbarkeit angekommen. Susanne Voigt: "Wir haben eine extrem hohe Wirtschaftlichkeit und befinden uns trotzdem am Existenzminimum." An den Kursen einzusparen und die Angebotspalette weiter auszudünnen, ist nicht ohne Weiteres möglich. Schließlich ist es Aufgabe der Volkshochschule, alle gesellschaftlichen Gruppen mit einem breiten Bildungsangebot zu versorgen. Aus diesem Grund kann es sich die vhs auch nicht leisten, nur auf die aktuellen Trends zu reagieren und hauptsächlich Inhalte anzubieten, die gerade besonders in Mode sind. Zur Steigerung der Einnahmen wäre es natürlich bequem, stärker auf zeitgeistliche Nachfrage zu reagieren, bemerkt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Martin Mendler. Aber außer dem umfassenden Bildungsauftrag stünde dem auch die Konkurrenz kommerzieller Anbieter entgegen.

Dabei muss sich die Kirchheimer Volkshochschule ohnehin weitgehend über die Kursgebühren finanzieren. 80 Prozent der Einnahmen stammen aus Teilnehmerbeiträgen. Die restlichen 20 Prozent sind Zuschüsse der Stadt, des Landes und der Umlandgemeinden. Die Kirchheimer vhs-Leiterin Susanne Voigt vergleicht diese 20 Prozent Sockelfinanzierung mit den 40 oder 60 Prozent des Jahresetats, die andere Volkshochschulen in Deutschland an Zuschüssen einstreichen. In Kirchheim sei die Finanzierung über die Teilnehmer weitaus schwieriger: "Wir können die Gebühren nicht unendlich nach oben schrauben."

Deshalb will die Volkshochschule verstärkt auf private Geldgeber zugehen. "Wir suchen einen Hauptsponsor, der eine hohe Identifikation mit Kirchheim hat", erklärt Martin Mendler. Auch weitere Sponsoren sind jederzeit willkommen. So habe es seither schon Firmen gegeben, die die vhs unterstützen. Ludwig Kirchner verweist darauf, dass die Volkshochschule jetzt Mitglied im Bund der Selbstständigen ist, was unter anderem der Netzwerkbildung diene. Außerdem könnten die Unternehmen vor Ort von der Qualität der Bildungsarbeit an der vhs profitieren, wie er weiter ausführt: "Die Firmen sollten jetzt, wo es konjunkturell besser wird, die Chancen der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter erkennen." Die Volkshochschule biete für Unternehmen maßgeschneiderte Kurse an, die stark von dem abweichen können, was das "normale" Semesterprogramm vorsieht.

Von den Volkshochschulkursen profitiere im Übrigen auch die Innenstadt: Rund 24 000 Unterrichtseinheiten biete die vhs jährlich an, rechnet Susanne Voigt vor. "Die Menschen kommen gerne in die Stadt, auch von außerhalb." Zudem sind die vhs-Verantwortlichen von der Kirchheimer Bildungsoffensive angetan, trage doch die vhs ihren Teil zum Bildungsstandort bei. Martin Mendler hofft sogar, dass vor den Haushaltsberatungen in Kirchheim künftig außer den Schulleitern auch die Weiterbildungsträger ihre Sorgen und Nöte darstellen können.

Eine mögliche Änderung der Vereinsstruktur weg vom exklusiven Club mit derzeit 38 Kuratoriumsangehörigen, hin zu einem größeren Mitgliederverein ist derzeit ebenfalls angedacht. Immerhin sei die Gesellschaft im Kuratorium inzwischen besser repräsentiert als in den Anfangszeiten, als fast ausschließlich Pädagogen die Geschicke der Volkshochschule lenkten, bemerkt Susanne Voigt. Den Gründer und langjährigen Vorsitzenden der vhs Kirchheim, Gerhard Keppler, hat das Kuratorium jetzt zum Ehrenmitglied ernannt. Bei den Vorstandswahlen hat die Versammlung zudem einer Änderung im Vorstand zugestimmt: Elmar Müller ersetzt in dem fünfköpfigen Gremium den scheidenden Dekan Hartmut Ellinger.

INFOÜber Weiterbildung und deren Finanzierung spricht am Donnerstag, 26. April, Professor Dr. Dieter Timmermann, der Vorsitzende der Expertenkommission "Finanzierung Lebenslanges Lernen". Der vhs-Vortrag beginnt um 20 Uhr im Manfred-Henninger-Saal der Kreissparkasse in Kirchheim.