Lokales

Trotz Zeitdruck kein Blanko-Scheck

"Drei dicke Fragezeichen" setzte SPD-Fraktionschef Walter Aeugle zunächst hinter den Vorschlag der Verwaltung, mehr als 300 000 Euro für die vorübergehende Unterbringung von Schüttgut auf dem Baubetriebsamts-Gelände auszugeben. Aus den Fragezeichen wurden im Laufe der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt ebenso dicke Ausrufezeichen: "Viel zu teuer" lautete unisono das Credo der Räte.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Den Anlass zur Umlagerung von Sand, Kies, Schotter, Splitt und anderen Materialien, die ein Bauhof üblicherweise hortet, gibt der Wegfall von 170 Parkplätzen an der Ecke Boschstraße/Stuttgarter Straße. Auf dem Areal, das Recaro- Mitarbeiter derzeit als Parkfläche nutzen, will die Firma Entenmann ein BMW-Autohaus errichten. Der ehrgeizige Zeitplan ist an Tempo mit den schnellen Autos zu vergleichen: Die Stadt ist vertraglich verpflichtet, ab 30. Juni Ersatzparkplätze möglichst nahe an der Firma Recaro anzubieten. Auserkoren wurde dafür das Gelände des Baubetriebsamtes an der Liebigstraße. Die Fläche gehört de facto Recaro, wird aber derzeit noch zur Lagerung von städtischem Schüttgut genutzt. Die Tage des Baubetriebsamtes an dieser Stelle sind bereits gezählt. Bis 2012 werden weitere Flächen verkauft. Außerdem plant Entenmann einen zweiten Bauabschnitt, sodass dann erneut Parkplätze gebraucht werden. Für das Baubetriebsamt wird ein neuer Standort gesucht, auch interkommunale Lösungen sind ein Thema.

Die Verwaltung konzentrierte sich zunächst ganz auf den ersten Schritt, die schnelle Schaffung von etwa 170 Ersatzparkplätzen. Klar ist, dass das Schüttgut weichen muss. Wie Hochbauamtsleiter Wolfgang Zimmer erläuterte, könnte die Lösung in der Anschaffung von 25 Schüttgutboxen liegen. Durch die Lagerung des losen Materials in Boxen auf dem Bauhof-Gelände würde weniger Fläche benötigt und die Wege zur Be- und Entladung verkürzten sich. Laut Sitzungsvorlage sei eine massive Betonkonstruktion um die Boxen mit Bodenplatte und Fundamenten die "wirtschaftlichste Lösung". Die Kosten ließen den Räten jedoch den Atem stocken: Von 303 000 Euro geht die Berechnung aus.

Zwar ist diese Summe bereits im Haushaltsplan eingestellt. Dass sie damit jedoch nur eine vorübergehende Lösung für drei Jahre finanzieren und zudem die Herstellung der Parkfläche noch hinzugerechnet werden muss, wurde den Räten allerdings erst jetzt klar.

Das Geld sei "glatt in den Wind geschossen", schimpfte Mathias Waggershauser (CDU). "Wann amortisiert sich dieser Preis?" stellte Albert Kahle (FDP/Kibü) eine eher rhetorische Frage. Walter Aeugle machte klar: Für eine Dauerlösung könne die Summe vielleicht akzeptabel sein, nicht jedoch für ein Provisorium. Hagen Zweifel, Chef der Freien Wähler, teilte diese Logik voll und ganz. Sein Fraktionskollege Ulrich Kübler spann die Anregung von Birgit Müller (Frauenliste) weiter, wenigstens mobile Boxen aufzustellen, die andernorts wieder zum Einsatz kommen könnten. Diese Idee sei natürlich seitens der Verwaltung längst untersucht, winkte Wolfgang Zimmer ab. Für eine solche Lösung sei ein Fundament mit weit aufwendigeren Stahlstützen notwendig. Kurzum: Letztlich käme dies noch teurer.

"Vieles ist bereits intern abgeprüft", machte Bürgermeister Günter Riemer klar, dass die Fachleute bereits kräftig nachgedacht hatten. CDU-Stadtrat Karl-Heinz Sattel hatte allerdings zuvor gemeint, hier sei noch nicht "das letzte Gehirnschmalz eingesetzt" worden. Eine konkrete Lösung konnte Riemer zwar nicht aus dem Stand präsentieren, wollte aber dennoch eine Reduktion der Kosten zusagen. Gleichzeitig bat er um grundsätzliche Zustimmung, um im Zeitplan bleiben zu können. "Wir müssen in die Ausschreibung gehen", schloss sich Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker an.

Die Bitten der Verwaltungsspitze konnten das Gremium nicht erweichen. Albert Kahle verwahrte sich dagegen, einen Blanko-Scheck auszustellen. "Der Ausschuss hat eine klare Meinungsäußerung kundgetan", resümierte Walter Aeugle mit betont lehrerhafter Attitüde. Er wies weiter darauf hin, dass eine kleine Verzögerung der Formalitäten die Verwaltung schließlich nicht daran hindere, bereits eifrig zu planen.

In die Planung stürzten sich sogleich fraktionsübergreifend die Baufachleute unter den Räten. Deren spontane Vorschläge reichten vom Container-Leasing bis zur Verwendung ausgedienter Betonschwellen. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker verkündete, das Thema in der kommenden Woche bei der Gemeinderatssitzung erneut auf die Tagesordnung zu setzen. Bis dahin werde die Verwaltung mit Hochdruck an einer Lösung arbeiten.