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Tübinger Uniklinik für Kooperation offen

SYLVIA GIERLICHS

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KREIS ESSLINGEN Mit 1500 Betten und rund 70 000 stationären Patienten, die in den 35 Abteilungen jährlich behandelt werden, ist die Tübinger Uniklinik ein Haus, das für den gesamten Mittleren Neckarraum medizinische Maximalversorgung bietet. Forschung und Ausbildung von Medizinern bilden weitere Schwerpunkte. Eine Zusammenarbeit mit einem so vielseitig ausgerichteten Haus könnte sich nach Auffassung mancher für den Kreis als günstig erweisen.

Und in der Tat: "Wir sind bereits schwer am Verhandeln", gibt der dortige Leitende ärztliche Direktor, Professor Dr. Michael Bamberg, zu. So habe es schon mehrere Gespräche mit den Chefärzten in Ruit und Nürtingen gegeben. "Die Uniklinik könnte beispielsweise den Kreiskliniken auf Spezialgebieten wie der Neurochirurgie, der Herzchirurgie oder der Tumortherapie zur Seite stehen", umreißt Bamberg die Gestaltung einer möglichen Zusammenarbeit. In der Ärzteausbildung sei eine Rotation denkbar. Assistenzärzte der Kreiskliniken hätten dann die Möglichkeit, durch eine Mitarbeit an der Uniklinik die notwendige Routine in ihrem Fachgebiet zu erlangen. "Mit unserer Spezialversorgung können wir den Häusern, die an der Front stehen, durchaus helfen", ist Professor Bamberg überzeugt.

Auch der Geschäftsführer der Kreiskliniken, Franz Winkler, bestätigte auf Nachfrage die Gespräche mit der Uniklinik, die sich auf eine Zusammenarbeit bei der Maximalversorgung bezögen. Die Ärzte-Rotation bezeichnete er als die große Herausforderung der Zukunft.

Angesprochen auf den Aufbau einer Strahlentherapiestation an den Städtischen Kliniken in Esslingen, ist sich Michael Bamberg sicher: "Das wird kommen, auf jeden Fall." Aus Sicht der Esslinger sei dies schon wegen der Größe der Klinik und der Bevölkerungsdichte im Einzugsgebiet der Stadt durchaus verständlich. Zudem habe die Esslinger Klinik eine gute onkologische Abteilung und wolle natürlich den Patienten auch die nötige Krebs-Therapie im selben Haus anbieten.

Ursprünglich war seitens der Esslinger Klinik der Vorschlag gemacht worden, einen der zwei Linearbeschleuniger mitsamt dem zugehörigen medizinischen Team aus Ruit nach Esslingen zu verlegen. Christian Prechtl, Sprecher des Esslinger Klinikums: "Am 16. März haben wir dem Landkreis diesen Vorschlag gemacht, der jedoch abgelehnt wurde." Auch Franz Winkler gibt zu, dass von Esslingen diese Vorstellung geäußert wurde. Er bezeichnete diesen Vorschlag jedoch als "Versuch der feindlichen Übernahme".

Angesprochen auf eine mögliche Kooperation der Esslinger Kreiskliniken mit dem Göppinger Klinikum am Eichert, einem 1000-Betten-Haus, antwortete Dr. Michael Bamberg: "Dies würde mich sehr wundern." Eine Einkaufsgenossenschaft sei denkbar, ansonsten sei die Göppinger Klinik jedoch autark genug. Auf dem Gebiet der Strahlentherapie jedoch mache eine Zusammenarbeit durchaus Sinn, da die technische Ausstattung in Göppingen und Ruit quasi identisch sei. Auch das Problem, personellen Nachwuchs auf dem Gebiet der Strahlentherapie zu finden, könne durch eine Kooperation abgefedert werden.

Der kaufmännische Geschäftsführer der Göppinger Klinik, Ernst Zwies, wollte sich zu etwaigen Verhandlungen mit dem Kreis Esslingen nicht äußern. Auch von Landrat Heinz Eininger war zum Thema möglicher neuer Kooperationspartner keine Stellungnahme zu erhalten. Michael Bamberg jedenfalls wäre an einer Zusammenarbeit mit den Kreiskliniken "sehr interessiert".