Lokales

Türkei-Urlaub steht zur Diskussion

Die jüngste Bombenserie in der Türkei erschüttert auch die Menschen in Deutschland zumal die kurdischen Extremisten, die sich zu den Anschlägen bekannt haben, weitere Gewalttaten nicht ausschließen. Bei einer Umfrage unter Reisebüros in Kirchheim hat sich herausgestellt, dass eine Umbuchungs- und Stornierungswelle gestern zwar ausgeblieben ist, einige Kunden aber doch lieber auf andere Ziele umschwenken.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM "Bei uns gibt es bis jetzt noch gar keine Stornierungen", sagt Yürekli Aysun, Mitarbeiterin in einem Kirchheimer Reisebüro, das sich auf Türkei-Urlaube spezialisiert hat. Dass sich einige ihrer Kunden, die gebucht haben, doch noch umentscheiden, möchte sie aber nicht ausschließen: "Das kommt vielleicht noch." Yürekli Aysun selbst hat keine Bedenken, in die Türkei zu reisen: "Am 1. September fliege ich nach Antalya und ich habe kein schlechtes Gefühl dabei", sagt sie und betont: "Heutzutage können sich Bombenanschläge wirklich überall ereignen auch in Deutschland."

"Bei uns läuft alles normal, es haben heute sogar schon drei Kunden eine Reise in die Türkei gebucht", versichert auch Sükro Yacci, Inhaber eines türkischen Reisebüros in Kirchheim, dass sich seine Kunden von den Anschlägen kaum verunsichern lassen.

Offenbar setzen viele Urlauber, die in der nächsten Zeit in die Türkei reisen, erst einmal auf Abwarten: Auch die meisten anderen Reisebüros in der Teckstadt, die Türkei-Urlaube anbieten, verzeichneten gestern noch keine Umbuchungs- oder Stornierungswelle. "Es gab noch keinerlei Anfragen. Da haben wir uns auch schon gewundert", berichtet Laura Taormina vom gestrigen Arbeitstag. Auch Lucie Gneiting hat in ihrem Geschäft am Dienstag noch keine Umbuchungen oder Stornierungen entgegengenommen.

Anders sieht es im Reisebüro von Anita Moll aus: "Es gibt bereits einige Umbuchungen", berichtet sie. Allerdings bieten bisher nur große Veranstalter wie TUI und Thomas Cook die Option an, kostenlos auf andere Ziele umzuschwenken. Die meisten von Anita Molls Kunden, die der Türkei lieber den Rücken kehren, reisen vorzugsweise nach Spanien oder Griechenland.

Auch Reisebüro-Geschäftsführer Jürgen Straub hat in seiner Filiale in Kirchheim gestern zwei Anfragen für Umbuchungen entgegengenommen. "Da war der Abreisetermin dieses Wochenende. Ansonsten ist es aber noch relativ ruhig." Der Türkei-Fan würde selbst ohne Sorge an die türkische Küste reisen: "Ich habe aber Verständnis, wenn das jemand nicht möchte. Das muss man einfach vom persönlichen Gefühl abhängig machen." Für Straub bleibt die Türkei eines der schönsten Reiseziele für Familien mit Kindern: "Da hat sich unglaublich viel getan." Selbst war er dieses Jahr schon drei Mal dort.

Allgemein haben die Mitarbeiter in den Reisebüros rund um die Teck jedoch festgestellt, dass die Türkei als Urlaubsziel zusehends an Beliebtheit verliert was ihrer Ansicht nach auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist. Zum einen sind den Reisefachleuten zufolge die wiederkehrenden Anschläge auf Touristenziele in dem Land sowie die allgemeine politische Lage in Nahost dafür verantwortlich. Aber auch die vermehrte Bautätigkeit an der "Türkischen Riviera", das veränderte Klientel und ein weniger günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis als einst machen die Fachleute verantwortlich für rückläufige Buchungen.

Anita Moll begrüßt es, wenn ihre Kunden umbuchen: "Mir ist es lieber, wenn sie andere Ziele wählen", gesteht sie ein, dass das Land am Bosporus aus ihrer Sicht derzeit nicht sicher ist. "Ein Ende der Anschläge ist ja noch nicht abzusehen." Dementsprechend warnt sie auch alle, die sich die Türkei als Reiseziel ausgeguckt haben. Grund zur Panik sind die Anschläge in der Türkei aus Sicht von Lucy Gneiting dagegen nicht: "Egal ob Madrid, London oder Antalya in den letzten Jahren hat es immer wieder Bombenanschläge gegeben. Wirklich sicher ist man doch nirgendwo." Auch Jürgen Straub bewahrt Gelassenheit: "Mit Terrorismus muss man heute einfach leben und jeder muss selbst für sich entscheiden, ob er in eine betroffene Region reisen möchte oder nicht."

INFOAuf seiner Homepage empfiehlt das Auswärtige Amt Türkei-Reisenden besondere Vorsicht, da trotz hoher Sicherheitsmaßnahmen weitere Vorfälle, vor allem in Großstädten und Touristenzentren, nicht ausgeschlossen werden können.