Lokales

U 3-Betreuung – ein Weg bergauf

Kommunen um die Teck unternehmen große Anstrengungen, um Bedarf gerecht zu werden

Von „noch nicht ganz so weit“ bis „bereits erfüllt“ lauten die Aussagen der Verwaltungschefs in den Kommunen um die Teck. Es bedarf zwar großer Anstrengungen, dennoch sehen sie sich bis August 2013 in der Lage, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren sicherstellen zu können.

¿Kommt ein Vogel geflogen¿: Damit das Warten aufs Mittagessen in der Kirchheimer Kita Teckstraße kurzweiliger wird, singt Erzieh
¿Kommt ein Vogel geflogen¿: Damit das Warten aufs Mittagessen in der Kirchheimer Kita Teckstraße kurzweiliger wird, singt Erzieherin Carina Seiler mit den Zwei- bis Vierjährigen Kinderlieder.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Es geht nicht nur um das Image der Gemeinde und einen Standortvorteil. Es geht vielmehr ab August 2013 um den gesetzlich garantierten Anspruch der Eltern, ihre unter dreijährigen Sprösslinge in einer kommunalen beziehungsweise freiträgerlichen Kinderkrippe oder von einer Tagesmutter betreuen zu lassen, damit Papa und Mama arbeiten gehen können. Dabei besagt das Kinderförderungsgesetz (siehe unten), dass das Angebot der Kommunen bedarfsgerecht sein muss. In Baden-Württemberg geht man davon aus, dass es ausreicht, für durchschnittlich 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Platz zur Verfügung zu stellen. Wohlgemerkt im Durchschnitt, oder wie Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf sagt: „Das ist eine politische Größe“. In vielen Städten liegt der Bedarf höher, in manchen Gemeinden ist er niedriger.

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Diese im Musterländle gewollte Größe an U 3-Plätzen beziehungsweise der tatsächliche Bedarf wird von den meisten Kommunen rund um die Teck bereits heute schon abgedeckt. So etwa in Kirchheim, Notzingen, Holzmaden, Ohmden und Owen. Andere Städte und Gemeinden wie Weilheim, Bissingen, Dettingen, Len­ningen, Neidlingen, Schlierbach und Neidlingen „sind auf einem guten Weg“, noch in diesem Herbst oder im kommenden Jahr bis zum Stichtag, den Eltern ein bedarfsgerechtes Angebot an U 3-Plätzen unterbreiten zu können.

Eine politisch geforderte Prozentzahl zu erreichen ist die eine Sache. Den tatsächlichen Bedarf zu decken die andere. Denn der liegt nicht selten höher als 35 Prozent, weshalb Kommunen viel Geld ausgeben müssen, um Kindergärten zu erweitern, Kinderkrippen neu einzurichten und das entsprechende Fachpersonal einzustellen. „Das ist personell ein gewaltiger Akt“, erklärt Owens Verwal­tungschefin Verena Grötzinger und spricht damit so manchem Kollegen aus den Nachbarorten aus der Seele.

„Die 35 Prozent reichen im Verdichtungsraum nie und nimmer aus“, ist sich Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann sicher. „Die Quote springt quantitativ zu kurz“. Immer mehr Eltern wollen oder müssen nicht nur ihrem Beruf nachgehen, sondern möchten ihre kleinen Lieblinge den ganzen Tag in guter Obhut wissen. In der Konsequenz erfordert dies von den Kommunen die Bereitstellung entsprechender Infrastruktur wie Schlafräume, Küchen und Essensräume. „Ein Riesenberg der vor uns liegt“, weist Rainer Haußmann auf die finanzielle Belastung hin und ist deshalb überzeugt: „Die Nachbesserung vom Land wird nicht ausreichen“. Gleichzeitig bemängelt er die 2013 auslaufende Förderung des Bundes und verweist auf Aussagen der kommunalen Spitzenverbände. Deren Vertreter, die Hauptge­schäftsführer des Deutschen Städtetags, des Deutschen Landkreistags und des Deutschen Städte- und Gemeindebunds erklärten übereinstimmend, dass 13 Monate vor dem Inkrafttreten des Rechtsanspruchs im­mer noch erhebliche Finanzmittel fehlen, um den Bedarf an Plätzen vollständig zu decken.

Laut Bestandserhebung zum 31.  Dezember 2010 stehen 2013 im Landkreis Esslingen für 29,1 Prozent der Kinder unter drei Jahren Plätze in Tageseinrichtungen und in der Tagespflege zur Verfügung (aktuelle Bestandszahlen veröffentlicht der Kreis erst am 21. Juni). Die Ausbaustufen entsprechend des örtlichen Bedarfs sind von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich. Die Spanne reichte 2010 von 7,8 bis 47,7 Prozent. Allerdings muss hierbei auch der unterschiedliche Umgang der Gemeinden mit der Tagespflege in der Planung berücksichtigt werden. In Kirchheim gibt es Geschäftsbereichsleiter Kultur und Soziales, Gerhard Gertitschke, zufolge 67 Plätze bei Tagesmüttern. Davon sind 34 belegt. Um die Wahlfreiheit der Eltern zwischen einem Kinderkrippenplatz und einem Platz bei einer Tagesmutter zu gewährleisten, legt die Teckstadt zum Satz des Landkreises von 5,50 Euro noch 1,70 Euro pro Kind und Stunde drauf.

Wie Petra Nitsch vom Tageselternverein Kreis Esslingen, Regionalabteilung Kirchheim, bestätigt, gab es Gespräche mit den Gemeinden Bissin­gen, Dettingen, Lenningen, Notzingen, Ohmden und Weilheim über einen Ausbau der Tagespflege und die Förderung von Tagesmüttern. „Es ist viel Bewegung drin“, will Petra Nitsch in den Gesprächen mit den Gemeindevertretern einen Bewusstseinswandel ausgemacht haben.