Lokales

"Ü-55er" halten sich mit Gedächtnistraining und radeln fit

Hoch kompetent und aktiv, so beschreibt die Altenhilfe-Fachberaterin im Landkreis Esslingen, Inge Hafner, heutige Menschen im "dritten Lebensalter". Wer die Seniorenarbeit der Stadt Weilheim, die heuer ihr 25-jähriges Bestehen feiert, unter die Lupe nimmt, findet diese Einschätzung auch in der Limburgstadt bestätigt.

ANKE KIRSAMMER

Anzeige

WEILHEIM Die Weilheimer Senioren treten regelmäßig in die Pedale, gehen miteinander walken, unternehmen Reisen, lassen sich Kniffe am Computer zeigen oder frischen in ungezwungener Runde ihre Englischkenntnisse auf unter dem Dach des Seniorenforums sorgen die "Ü-55er" selbst dafür, dass das Sprichwort "Wer rastet, der rostet" sich nicht bewahrheitet.

Mit der Seniorengymnastik fing 1980 alles an. Einmal pro Woche nahm der ehemalige Rektor der Weilheimer Hauptschule, Heinz Brengel, rund 40 ältere Menschen unter seine Fittiche. Heute firmiert die von Elfriede Schur geleitete Gruppe unter dem Namen "50 plus". Im selben Jahr wurde die Seniorenstube im "zweiten Pfarrhaus", dem heutigen "Bürgerhaus", ins Leben gerufen. Christa Bauer, die Ehefrau des Weilheimer Bürgermeisters, organisierte die jeden Mittwoch stattfindende Kaffeestunde in den Anfangsjahren. Hin und wieder unternahm die Runde Ausflüge und es gab ein überschaubares Kulturprogramm. Im Vordergrund standen aber die "Aktivitäten" Schwätzen, Spielen, Stricken.

Mit der Seniorenstube sind auch die Teilnehmer in die Jahre gekommen. Neue Gesichter kommen kaum dazu. "Den heute 60- bis 70-Jährigen reicht das nicht mehr, sagt Hermann Bauer. Die sind fit und wollen etwas unternehmen." Im Jahr 2000 wurde deshalb zur Ergänzung des bestehenden Programms der Weilheimer Vereine das Seniorenforum gegründet, das neue Impulse geben und Bestehendes koordinieren sollte. Engagierte meist Leiter der jeweiligen Seniorengruppen in den verschiedenen Vereinen taten sich zusammen, und stellten ein Programm auf die Beine "ein kreatives Angebot, das sich am Bedarf orientierte", sagt Erika Jahke, die seit damals als ehrenamtlich agierende Geschäftsführerin die Fäden in der Hand hält. Die 64-Jährige bezeichnet Hermann Bauer als Glücksgriff. 25 Jahre lang war Erika Jahke Bereitschaftsführerin des Deutschen Roten Kreuzes in Weilheim; die Arbeit mit Senioren kannte sie unter anderem durch den jährlich vom DRK ausgerichteten bunten Nachmittag für Ältere.

Zweimal im Jahr legt das Seniorenforum eine Broschüre auf, aus der Interessierte die Angebote herauspicken können, für die sie ein Faible haben. Feste jedweder Art finden sich darin genauso wie der Besuch einer Besenwirtschaft, ein Schnittkurs für Baum- und Heckenpflege, ein Nachmittagsabo für die Landesbühne in Esslingen, Tanzabende und ein Kurs, in dem Tricks und Tipps fürs Fotografieren weitergegeben werden. Als besonderes Schmankerl startet im Januar das Gegenstück zum bereits abgeschlossenen Kurs "Haushaltstipps für Männer" das Projekt "Selbst ist die Frau". Erfahrene Handwerker wie Maler, Schreiner und Installateure werden den Teilnehmerinnen Kniffe für kleinere Reparaturen im Haushalt an die Hand geben. Gewappnet sind ältere Menschen in Weilheim auch was das Thema Gesundheit angeht: Denn neben sportlicher Betätigung organisiert das Seniorenforum regelmäßig Vorträge, beispielsweise über Vorboten von Herzerkrankungen oder über Alzheimer.

Um die Schwelle für die Teilnahme an Aktivitäten beispielsweise von DRK, Kirchengemeinden, Schwäbischem Albverein oder Landfrauenverein möglichst niedrig zu halten, sind deren Offerten in dem Heft ebenfalls mit aufgenommen.

Die Teilnehmerzahlen bei den Veranstaltungen sprechen für sich: In den fünf Jahren haben insgesamt 976 Leute die Angebote des Seniorenforums wahrgenommen. "Und um den Nachwuchs müssen wir uns keine Sorgen machen", sagt Hermann Bauer augenzwinkernd.

Im Zusammenhang mit der Seniorenarbeit in der Stadt fällt dem Rathauschef auch der Bau des Seniorenzentrums Haus Kalixtenberg ein. Die Diakoniestation bekam ein neues Zuhause und mit der Heimstiftung wurden im "Haus Albblick" betreute Wohnungen gebaut. Derzeit fragt die Stadt zudem den Bedarf an betreutem Wohnen in den eigenen vier Wänden ab.

TERMINEDas Vierteljahrhundert Seniorenarbeit in Weilheim wird im Rahmen von "Seniorenwochen" gebührend gefeiert. Ein herausragender Programmpunkt ist das Nachbarschaftstreffen am Mittwoch, 26. Oktober, um 14.30 Uhr in der Limburghalle. Begleitend dazu werden Ausstellungen zu Projekten und zum Thema "Älter werden" gezeigt. Unter dem Motto "Treffen der Generationen" lädt der Jugendtreff Weilheim die Senioren am Freitag, 4. November, um 14.30 ein, und am Donnerstag 17. November, beginnt um 14 Uhr in der Limburghalle ein Gesundheitstag mit Ausstellungen und einem Vortrag von Inge Hafner.