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Über den Umgang mitBehindertensportlern ...

Über den Umgang mitBehindertensportlern

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Zum Umgang der Gesellschaft mit Behindertensportlern in Deutschland. Deutschland ist offenbar ein Entwicklungsland zumindest was den Umgang mit Behindertensport angeht. Ein Lehrer erklärte mir vor kurzem, dass Behindertensport nie als Leistungssport zu sehen sei, es sei bestenfalls gut, einem Menschen bei der Bewältigung seiner Situation zu helfen. Er erzählte mir, dass er einmal einen 12-Sekunden-Lauf eines Beinamputierten gesehen habe, fände das aber unästethisch, sowas wolle er sich nicht ansehen. Unmöglich fände er, wie der Behindertensport versucht, an Gelder zu kommen, und überhaupt, dass Selbiger die Gleichbehandlung mit Nichtbehindertensportlern verlangt. Schließlich fragte er mich noch nach meiner persönlichen Weitsprungbestmarke und sagte grinsend, er sei früher mal ein Sechs-Meter-Springer gewesen.

Kann das wahr sein? Weiß der Mann überhaupt, was dazugehört, wenn man auf dem Platz sein Bein wechseln muss? Oder welches Selbstbewusstsein vorhanden sein muss, wenn sich ein Spastiker vor Publikum präsentiert? Und dabei bringen "leichtere" Behinderungs-klassen annähernd Nichtbehinderten-Ergebnisse zu Stande. Wenn ich mir das Video von den Paralympischen Spielen in Athen ansehe, finde ich nichts Unästhetisches.

Behindertensportler entsprechen lediglich nicht der Norm aber muss man das? Einige Spitzenläufer im Nichtbehindertensport haben auch nicht den schönsten Laufstil. Sollen die ihre Sportart an den Nagel hängen, weil dem Zuschauer ihre Lauferei nicht gefällt? Es gibt Nichtbehinderte, die meinen, Behinderte sollten sich besser "verstecken". Wer solch eine Einstellung hat, dem helfe Gott, wenn er morgen einen Unfall hat . . . Diesen Leuten kann ich nur eines empfehlen: Schaut Euch Behindertensport einmal vorurteilsfrei an. Ihr werdet erkennen, was wirklich in ihm steckt, nämlich unglaublicher Kampfgeist, Leistung und Faszination!

Behindertensportler wollen kein Mitleid. Wir haben Ziele und wollen an unseren Leistungen gemessen werden. Christine Wolf, Gutenberg Paralympic-Teilnehmerin in Athen

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