Lokales

Über die Osterfeiertage rollt in der Nacht nicht jeder Zug

Durch die Inbetriebnahme des Elektronischen Stellwerks (ESTW) in Plochingen wird es in den Nächten vom 13. April bis zum 18. April zu erheblichen Änderungen im S-Bahn und im Zugverkehr kommen. Tagsüber sollen Züge und S-Bahnen jedoch normal rollen.

MARTIN ZIMMERMANN

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PLOCHINGEN Den Zeitpunkt der Umstellung hat man bei der Bahn bewusst gewählt, betont Bahnsprecher Roland Kortz: "Das ist so eine große Baumaßnahme, die ohne Einschränkungen des Betriebes nicht zu schaffen ist. In den Nächten um Ostern wird sich die Umstellung am wenigsten auf den Berufs- und Pendlerverkehr auswirken."

Rund 80 Millionen Euro, so Christian Wörner, verantwortlicher Projektleiter der DB Projekt Bau GmbH, hat die Bahn in die Modernisierung der Stellwerktechnik investiert. Mit der Inbetriebnahme des Plochinger ESTW ab Ostern steuern Fahrdienstleiter der Betriebszentrale in Karlsruhe den Zugverkehr mit modernster Rechentechnik. Mit Computer, Maus und Monitor wird zukünftig von dort aus der Zugverkehr auf der Strecke von rund 50 Kilometer zwischen Untertürkheim und Göppingen sowie Wendlingen geregelt.

Das ESTW in Plochingen ersetzt die bisherigen Stellwerke in Esslingen, Plochingen, Reichenbach, Ebersbach und Uhingen. 29 Arbeitsplätze fielen dadurch weg. Dies, so Kortz, sei ohne Entlassungen über die Bühne gegangen. "Alle Mitarbeiter wurden anderweitig untergebracht".

Der graue Betonkasten am Plochinger Bahnhof ist vollgestopft mit Elektronik, empfängt und gibt Signale zur Weichenstellung auf Karlsruher "Befehl" hin weiter. In der Regel sitzt kein Mensch im Plochinger ESTW es sei denn, die Tücken der Technik machen dies nötig. Für diesen Fall ist ein "Notarbeitsplatz" eingerichtet. Auch einen Stromausfall, so Wörner, verkrafte das ESTW. Damit die Computer und Schaltkästen nicht in die Knie gehen, sichert ein Batteriepuffer den Strom so lange, bis das Notstromaggregat anspringt.

In den vergangenen 18 Monaten herrschte auf der Strecke zwischen Untertürkheim, Göppingen und Wendlingen Hochbetrieb. 380 Kilometer Kabel wurden verlegt, 160 neue Weichensteuerungen eingebaut und 480 neue Signalmasten aufgebaut.

Für den Anschluss dieser Masten und der Abbau der alten Signalmasten müssen jeweils einzelne Gleisabschnitte gesperrt werden.

Am stärksten sind die Behinderungen in der ersten Nacht zu spüren: Von Donnerstag auf Karfreitag rollt zwischen 21 Uhr und 9 Uhr früh zwischen Cannstatt und Plochingen keine S-Bahn. Der gesamte Zugverkehr wird über die Ferngleise gefahren. Auf den Bahnsteigen, betont Kortz, wird zusätzlich Personal der Bahn parat stehen, um Reisenden Tipps zu geben, wie sie ihr Ziel erreichen. Teilweise werden Busse eingesetzt.

Weitere schwere Einschränkungen herrschen in der Nacht von Karfreitag auf Samstag: Zwischen 21 und 8 Uhr früh fallen viele Zugverbindungen Richtung Stuttgart und Ulm, Lindau und Friedrichshafen ganz aus. Reisende können entweder den Intercity ohne Aufpreis benutzen oder werden mit Expressbussen weiterbefördert Außerdem kann es besonders in diesen ersten Tagen zu Verspätungen und Fahrzeitverlängerungen kommen, weil Fernzüge zum teil auch um Stuttgart herum umgeleitet werden, bittet Kortz um Verständnis.

Etwas Entspannung ist dann in den folgenden zwei Nächten angesagt. Dann ruht der Zugverkehr vorwiegend in der Nacht von 0 Uhr bis 6 Uhr. Der Streckenabschnitt Plochingen Wendlingen ist von Montag 21.30 Uhr auf Dienstag bis 1 Uhr in beide Richtungen gesperrt. Ausfallende Züge werden durch Busse ersetzt.

Wer über Ostern eine Bahnreise plant, ist deshalb gut beraten, sich am Fahrkartenschalter zu informieren, oder die Verbindungen im Internet nachzuprüfen. Behinderungen und Zugausfälle sind dort detailliert zu erfahren.