Lokales

"Über dir geht auf der Herr"

"Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir" (Wochenspruch aus Jesaja 60, 2). Es ist schon erstaunlich, dass nur der zweite Versteil vom Wochenspruch zitiert wird. Warum fehlt der Anfang? "Denn da! Die Finsternis bedeckt noch das Israelland und Wolkendunkel die Völker ringsumher; doch über dir strahlt schon der Herr auf und seine Wichtigkeit wird über dir gesehen."

Was Jesaja meint, ist doch ohne den Beginn gar nicht verständlich, weil der entscheidende Gegensatz fehlt. "Denn da!" Jesaja selbst ist überrascht. Mit seinem Zeigefinger muss er auf dieses Ereignis hinweisen. Er muss den Heimkehrern aus den Gefangenenlagern Babels Mut machen. Finstere Nacht herrscht im Israelland. Die Situation ist für die Neuankömmlinge zum Verzweifeln. Pionier- und Aufbauarbeiten sind angesagt. Es liegt alles am Boden. Die Finsternis ist für Gottes Volk schlimmer als das Wolkendunkel für die Völker.

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Wer schon einen Sonnenaufgang oder -untergang in Israel erlebt hat, weiß, dass dies viel schneller geht als bei uns. Es gibt so gut wie keine Dämmerung. In drei bis fünf Minuten ist der Wechsel vom Tag zur Nacht und umgekehrt vollzogen. "Doch über dir strahlt auf der Herr": je dunkler und finsterer es ist um uns, umso heller und kontrastreicher strahlt schon ein kleines Licht. Wenn keine künstliche Beleuchtung der Städte die Sicht beeinträchtigt, können Sie diese Erfahrung bei einem klaren Sternenhimmel auf dem Land machen.

Seit Weihnachten werden die Tage länger. Wir spüren das schon jetzt. Viele Menschen fühlen sich wieder besser. Die drückende Stimmung tritt nicht mehr so stark in Erscheinung, auch wenn wir zum Arbeiten und Lesen an trüben Tagen noch das Licht anschalten.

"Über dir strahlt der Herr" so hell wie die Sonne, in die wir nicht hineinschauen können. Aber wie Gott schenkt sie uns Licht, Leben und Wärme. Und "die Herrlichkeit, die Wichtigkeit und Bedeutung des Herrn wird über dir sichtbar": Gott hält nach wie vor an seinem Volk fest. Eindrücklich meldet er sich über den Trümmern Jerusalems zurück. Auch bei uns gibt es manche Zerstörungen und Dunkelheiten im Leben.

Ich wünsche mir für unsere Gemeinden mehr von diesem Licht an Weihnachten und mehr vom Stern am Erscheinungsfest. Wie bei Jesaja soll die Welt dieses wichtige und helle Licht des Herrn über uns aufstrahlen sehen, von dem auch wir herkommen, und das unser Leben bestimmt. Fritz Braun, Pfarrer in Schopfloch