Lokales

Über lange Zeit hohe Verluste

Die Überschuldung sowie hohe Überkapazitäten in der Produktion sieht Volker Grub als Gründe für den Konkurs der Firma Behr in Wendlingen an. Der Stuttgarter Rechtsanwalt führt jetzt als Insolvenzverwalter die Geschäfte. Am Mittwoch hatten die bisherigen Geschäftsführer beim Amtsgericht Esslingen Insolvenz beantragt (wir berichteten).

ELISABETH MAIER

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WENDLINGEN Die Beantragung der Insolvenz bezeichnet Grub als "richtigen Schritt." Und er sieht durchaus Chancen, dass das Unternehmen saniert werden kann. Allerdings will er im Moment keine weiteren Prognosen wagen, was die Zukunft des Unternehmens angeht. Er wolle sich erst ein detailliertes Bild von der wirtschaftlichen Lage machen und dann die nächsten Schritte festlegen. "Bis Weihnachten will ich Ergebnisse haben", setzt der Jurist einen ersten Zeitrahmen fest. Grub gilt in der Branche als einer der führenden Krisenmanager. Zu seinen früheren Aktivitäten zählen die Insolvenzen der Molkerei Südmilch und des Geräteherstellers Bauknecht.

Dass die Geschäftsführung am Mittwoch um 15.30 Uhr beim Esslinger Amtsgericht Insolvenz beantragte, sei für die Belegschaft überraschend gekommen. Grub: "Die Gehälter und Löhne wurden bis zuletzt pünktlich ausgezahlt." Diese Entwicklung habe sich aber in den vergangenen Monaten abgezeichnet. Das Unternehmen habe über lange Zeit hohe Verluste eingefahren. Das habe daran gelegen, dass die Produktionskapazitäten nicht voll ausgelastet waren. Andererseits seien zu viele neue Zierteil-Modelle für hochwertige Autos mit hohen Anlaufkosten produziert worden. Grub bestätigt, dass der in Aussicht gestellte Auftrag für die Mercedes-E-Klasse der bisherigen Geschäftsleitung bereits im Juli entzogen worden sei. "Angesichts der schwierigen Lage des Unternehmens war das der Daimler AG zu unsicher", vermutet Grub. Dass dieser Auftrag längst weg war, hatte die Geschäftsleitung bis zuletzt verschwiegen. Die Behr Automotive GmbH habe noch einige Patente und Aufträge für die Daimler AG laufen, die davon unangetastet blieben. Die Produktion in den beiden von der Insolvenz betroffenen Behr-Werken läuft weiter. In Wendlingen sind 160 Mitarbeiter beschäftigt, in Wallerstein bei Nördlingen sind es 230. Unmittelbar nachdem die Geschäftsführer den Insolvenzantrag eingereicht hatten, fuhr Grub nach Wendlingen und informierte die Mitarbeiter. In den nächsten drei Monaten seien die Gehälter gesichert.

Der Insolvenzverwalter bestätigt, dass es Interessenten für eine Übernahme gebe. Demnächst werde er mit ihnen Gespräche führen. Dass die Behr-Geschäftsleitung trotz der prekären Wirtschaftslage immer wieder die Suche nach neuen Standorten aufs Tapet gebracht habe, ist für Grub schwer nachvollziehbar. Für ihn gelte es, die bestehenden Standorte zu konsolidieren und die Kapazitäten gewinnbringend auszuschöpfen. "Andere Standorte sind vorerst kein Thema mehr."

Nach ersten Gesprächen mit Insolvenzverwalter Grub ist Sieghard Bender, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Kreis Esslingen, sehr optimistisch. Auch die Stimmung unter den Mitarbeitern sei zuversichtlich, weil jetzt eine Perspektive in Sicht sei. Was den Daimler-Auftrag für die E-Klasse angeht, hat er noch Hoffnung: "Darum kann man kämpfen."