Lokales

Überquerung der Sahara ist keine Seltenheit

LENNINGEN Der Turmfalke Falco tinnunculus wurde vom NABU zum Vogel des Jahres 2007 gekürt. Im Gegensatz zu Baum- und Wanderfalken, den echten Falken, die ihre Beute im Flug erjagen, gilt er als weniger edel, als unechter Falke, der seine Beute rüttelnd Rüttelfalke in der Luft erspäht und dann am Boden greift. Lediglich Insekten werden auch häufig in der Luft erbeutet. Sie stellen zusammen mit Regenwürmern, kleinen Amphibien und Spinnen einen großen Teil der Beute. Die wesentlichste Grundlage seiner Ernährung sind aber Feldmäuse. Deren schwankende Verfügbarkeit wirkt sich auch auf den Turmfalken aus. Sind Mäuse häufig, hat er viele Nachkommen und umgekehrt.

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Seit alters her bewohnt er hohe Türme, brütet aber ansonsten in aufgegebenen Nestern von Krähen und Elstern, denn Falken bauen nicht selbst. In dem 1971 erschienenen Buch "Die Vogelwelt der Kreise Nürtingen und Esslingen" wurden Gebäudebruten noch als Ausnahme erwähnt. Heute nisten im Kreis Esslingen mehr als 250 Paare an Bauwerken. Diese verstädterten Falken ernähren sich zu einem großen Teil auch von Vögeln sie sind ein Resultat der zunehmenden Toleranz gegenüber Beutegreifern.

Nur ein kleiner Teil der Turmfalken verbringt den Winter in der Region. An der Vogelzug-Forschungsstation am Randecker Maar zählen die Forscher an manchen Tagen im Herbst mehr als 100 nach Süden ziehende Turmfalken. Ein vor 38 Jahren von Wulf Gatter an der Martinskirche in Kirchheim beringter Jungfalke wurde wenige Monate später in Zentralmarokko erlegt und manche Falken überqueren sogar die Sahara.

Der NABU lädt zu einem Vortrag mit dem Thema "Der Turmfalke und seine Nachbarn" am Freitag, 12. Januar, um 20 Uhr im Gasthaus Adler in Wellingen ein. Dr. Wulf Gatter stellt den Turmfalken und seine Verwandten in zahlreichen Bildern vor und gibt einen Überblick über das komplizierte ökologische Gefüge, in dem die Art ihren Platz zwischen Feinden und Konkurrenten finden muss. Gäste sind willkommen. Der Eintritt ist frei.

wg