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Überraschung: Der erste Endspielsieg für eine Hauptschule

Die konsequente Arbeit an der Kirchheimer Alleenschule im Basketball hat einen sensationellen Erfolg gebracht: Im Wettkampf IV (Jahrgang 1992 und jünger) wurde die Grund- und Hauptschule Baden-Württembergischer Meister.

HEIDENHEIM/KIRCHHEIM "Eine Hauptschule hat noch nie ein Landesfinale im Basketball gewonnen. Handball, Schwimmen, Tischtennis, Fußball: ja aber noch nie im Basketball." Jurij Suchowersky, Beauftragter des Kultusministeriums für "Jugend trainiert für Olympia" aus Tübingen, war tief beeindruckt. Schon der Sieg der Alleenschule beim Oberschulamts-Finale in Leonberg und der damit verbundene Einzug ins Finale der acht besten baden-württembergischen Schulmannschaften war eine kleine Sensation und nun dieser unglaubliche Auftritt in Heidenheim!

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Morgens um 6.50 Uhr mussten die zwölf- und 13-jährigen Hauptschüler aus den Klassen 6a und 6b bereits losfahren, um 9 Uhr begann der lange Basketballtag auf der Ostalb. Dem 41:33-Auftaktsieg gegen das Anna-Essinger-Gymnasium Ulm folgte um halb elf das 50:42 gegen das Wentzinger-Gymnasium Freiburg und zum Abschluss der Vorrunde das 46:28 gegen das Mohl-Gymnasium Mannheim. Um halb zwei schließlich das Halbfinale gegen das Englische Institut Heidelberg, das 42:27 gewonnen wurde.

Der Höhepunkt war natürlich kurz vor vier das Finale gegen das Uhland-Gymnasium Tübingen. Nach zweimal zehn Minuten stand es 65:65, und tatsächlich hatten im fünften Spiel innerhalb von sieben Stunden die Hauptschüler mehr Reserven: Die Verlängerung wurde 10:4 gewonnen, und mit dem Endergebnis von 75:69 war die Schulsport-Sensation perfekt.

Wie ist so etwas möglich im früheren Akademikersport Basketball? Nun, die Korbjagd hat an der Jahnstraße Tradition. Seit 1975 arbeitet Peter Kudzius als Lehrer hier. Der ehemalige VfL-Regionalliga-Basketballer (Vizemeister 1972) und Auswahlspieler hat seit 1980 sein Hobby in seinen Beruf einfließen lassen, regelmäßig Basketball-AGs angeboten und auch für die Ausrüstung des Freiplatzes gesorgt, auf dem an sechs Körben geworfen werden kann. Doch erst seit im Jahr 2000 die Sporthalle Stadtmitte eröffnet wurde, entstand aus den eher pädagogisch orientierten Arbeitsgemeinschaften ein echtes Basketball-Programm.

Direktor Uwe Häfele ("ich freue mich mit den Schülern, die Schule darf stolz auf sie sein") erläutert das Konzept: "Seit 2000 führen wir im Rahmen unserer Ganztagsschule eine enge Kooperation mit dem VfL durch. Basketball ist ein Teil davon." Durch die Zusammenarbeit mit den Kirchheim Knights ist es vielen Schülern auch den älteren, die im Landesfinale des Wettkampfs III (Jahrgang 90 und jünger) einen fast ebenso beeindruckenden fünften Platz belegten möglich, bis zu sechs Trainingseinheiten in der Woche zu absolvieren: zwei im Verein, zwei in der Basketball-AG, zwei weitere frühmorgens zwischen 7 und Schulbeginn um 7.40 Uhr, wenn Kudzius ("mit der Sporthalle Stadtmitte, der alten Halle und dem Freiplatz haben wir hier ein richtiges Basketball-Zentrum") die Halle zum Technik- und Wurftraining öffnet.

Das neben diesen idealen Möglichkeiten wohl entscheidende Puzzleteil sind die Trainer. Häfele: "Besonders interessant ist die Teilnahme an den AGs freilich, wenn Regionalliga-Cracks wie Kai-Uwe Kranz und Ross Jorgusen oder Coaches wie Pasko Tomic und Ulrich Tangl die AG leiten. Sie nehmen ihre Arbeit mit den Kindern und die Kinder selbst sehr ernst und können sie so zur Leistungsbereitschaft motivieren, ohne dass sie den Spaß daran verlieren."

Seit Regionalliga-Kunstschütze Kai-Uwe Kranz mit seiner professionellen Basketball-Einstellung seit Anfang des Schuljahres dabei ist, hat das Training zudem eine neue, noch leistungsbezogenere Dimension bekommen. Er war es, der zusammen mit Pasko Tomic, der bereits seit 1997 (zunächst ehrenamtlich, später auf Honorar-Basis) die Identifikationsfigur des Basketball-Programms ist, die Kids als Coach zum Titel führte. Kranz: "Natürlich musste den Jungs zunächst eine gewisse Disziplin eingeflößt werden: regelmäßiges Training, zuhören, nicht beleidigt sein, wenn man mal auf der Bank sitzt. Doch bald haben alle auf einer Wellenlänge gefunkt und dann hat jeder einzelne seinen Teil zum Erfolg beigetragen."

Am Ende gaben der sagenhafte Kampfgeist und die Willensstärke der Hauptschüler den Ausschlag, denn bis auf zwei Ausnahmetalente war man den Gymnasiasten technisch und körperlich unterlegen. Gerade das freut wieder den Direktor besonders: "Es hat sich gezeigt, dass auch unsere Schüler es zu durchaus beachtlichen Leistungen bringen können, wenn sie mit viel Ausdauer, Durchhaltevermögen, Teamgeist und dem nötigen Einsatzwillen ein Ziel verfolgen." Das führt übrigens leider nicht zum Bundesfinale nach Berlin: Der Wettkampf IV ist aus organisatorischen Gründen von diesem jährlichen Höhepunkt von "Jugend trainiert für Olympia" ausgeschlossen.

Die Kinder können es verkraften. Für sie war schon dieser Erfolg ein Meilenstein in ihrem noch jungen Leben. Und im nächsten Jahr versuchen sie es wieder.

mad