Lokales

"Umdenken notwendig"

Am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung wurden 125 Lehreranwärterinnen und sieben Lehreranwärter durch Siegfried Henzler, Direktor des Seminars, vereidigt. Begeisterten Anklang fand der Vorgängerkurs, der unter Leitung von Seminarschulrat Gerhard Oberender die Feier mit Musik und Tanz gestaltete.

NÜRTINGEN Den Lehreranwärtern, die aus ganz Baden-Württemberg, teilweise auch aus anderen Bundesländern kommen, stellte Oberbürgermeister Otmar Heirich die "Schulstadt Nürtingen" vor und lud alle dazu ein, sich an Kultur-, Freizeitangeboten und bürgerlichem Engagement zu beteiligen. Würdigend hob er die Ausbildung für das Europalehramt mit der Qualifikation, Unterricht bilingual zu gestalten, hervor, die erstmals in Nürtingen angeboten wird. Er sieht darin besondere Chancen, die sich für Schule und Unterricht eröffnen können.

Anzeige

"Die heutige Kurseröffnung erfüllt mich mit Freude, auch ein wenig mit Stolz, weil es uns am Seminar in besonderer Weise gelungen ist, für die individuellen Ausbildungserwartungen Schulen mit geeignetem Profil zu finden", sagte Siegfried Henzler zu Beginn seiner Begrüßungsrede. Mit den neuen Bildungsplänen, die an Standards und an der Ergebnisorientierung ausgerichtet sind, und dem Ausbau der Ganztageshauptschulen seien in den letzten Jahren wichtige Konzepte entwickelt worden. Große Anstrengungen müssten aber noch unternommen werden, um bei der Gestaltung des Unterrichts umzudenken. Eine Kultur sollte Einzug halten, die Schüler ernsthaft an Unterrichtsentscheidungen beteiligt, in der Fehler als Lernchance gesehen werden und Lernprozesse über individuelle Lerntagebücher anstelle von Klassenarbeiten gesteuert werden.

Großen Handlungsbedarf sieht Henzler an den Hauptschulen, wo dringend Lehrpersonen gebraucht würden, die sich mit den Anforderungen dieses pädagogischen Aufgabenfeldes identifizieren. Nur 14 der 132 Lehreranwärter wählten den Stufenschwerpunkt Hauptschule. Niemand wählte Studienfächer wie Physik, Chemie, Technik, Hauswirtschaft/Textiles Werken, Biologie. Im personellen Bereich wie auch bei der Sachausstattung sei aber das Seminar bestens gerüstet, um die didaktischen und schulpädagogischen Felder der Hauptschule sowie die Fächer im naturwissenschaftlich-technischen Bereich auszubilden und individuelle Unterstützung und Beratung anzubieten.

Lehrer haben spannende Arbeitsplätze, sagte Schulamtsdirektorin Ulrike Brittinger vom Staatlichen Schulamt der Landeshauptstadt Stuttgart und formulierte klare Erwartungen an zukünftige Lehrkräfte: Neue Rolle als Lernbegleiter, Sach- und Fachkompetenz, stabile Persönlichkeit, Arbeiten im Team sowie religiös-ethische Kompetenz bezüglich einer klaren Werteorientierung. Gleichzeitig führte sie Unterstützungsmöglichkeiten an, die beim Berufseinstieg und ein Berufsleben lang als Fortbildung oder Beratung in Anspruch genommen werden können.

Humorvoll kleideten Simone Wisgott und Jörn Pachner als Vertreter der Lehreranwärter des Vorgängerkurses ihre Erfahrungen für die "Neuen" in die Struktur eines Unterrichtsentwurfs. Überzeugend konnten sie so vermitteln, dass neben der Arbeit an Schule und Seminar durchaus das Privatleben seinen Platz haben kann. Allerdings sei es wichtig, durch gezieltes Zeitmanagement Phasen der Belastung und Entlastung rechtzeitig zu planen.

nz