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Umfrage signalisiert Bedarf für betreute Wohnanlage

In Lenningen gibt es Bedarf für altersgerechtes betreutes Wohnen, wie eine Umfrage ergeben hat. In jüngster Sitzung nahm der Lenninger Gemeinderat die Ergebnisse dieser Befragung zur Kenntnis. Auch bauliche Vorentwürfe für eine mögliche barrierefreie Wohnanlage in der Oberlenninger Ortsmitte kamen auf den Tisch.

BIANCA LÜTZ

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LENNINGEN Vor zwei Jahren hatte die Gemeinde das zentral gelegene Grundstück in der Brunnensteige 5 in Oberlenningen erworben, um darauf eine altersgerechte Wohnanlage mit Betreuung erstellen zu lassen. Mit der FWD Hausbau aus Dossenheim hat sich ein Investor gefunden, der das Grundstück kaufen und das Projekt verwirklichen möchte. Zusammen mit dem Lenninger Netz und dem Pflegeheim in Unterlenningen würden die barrierefreien, betreuten Wohnungen eine Art "Versorgungsdreieck" für Senioren bieten. Im Hinblick darauf stellte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht fest: "Wenn wir uns so positionieren, dann lässt es sich bei uns in der Gemeinde gut älter werden."

Gustav Bylow von der FWD Hausbau präsentierte dem Gemeinderat die Ergebnisse der Marktumfrage zum Thema "Betreute Wohnanlage", die unter Lenninger Bürgern im Alter ab 55 Jahren durchgeführt wurde. 41 Prozent derjenigen, die ihren Fragebogen zurückgesandt hatten, stehen dem Betreuten Wohnen in Oberlenningen positiv gegenüber, 57 Prozent neutral. Nur zwei Prozent lehnen das Vorhaben ab. Aus den Ergebnissen zum konkreten Interesse an Kauf oder Miete einer Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnung leitete Bylow einen momentanen Bedarf von 20 bis 21 Wohneinheiten ab. Längerfristig sah er sogar einen Bedarf von 27 bis 30 Wohnungen.

"Die Lage des Grundstücks ist hervorragend", lobte Gustav Bylow den Standort im Herzen des Ortsteils, auch wenn das abfallende Gelände schwer zu bebauen sei. Da das geplante Gebäude zwischen Kirche, Rathaus und evangelischem Gemeindehaus liege, sei eine "sehr schöne Einbindung möglich".

Architekt Karl-Heinz Single präsentierte dem Gemeinderat bauliche Vorentwürfe für die zwei- bis dreigeschossige Anlage. "Die Wohnungen sind alle nach Südwesten orientiert", informierte er. Ein Aufzug sorgt für Barrierefreiheit, die Wohnungen in den drei U-förmig angeordneten Gebäudeteilen sollen über Laubengänge erschlossen werden. Im Erdgeschoss gibt es einen großen Gemeinschaftsraum mit Blick auf den begrünten Innenhof. An der Brunnensteige sieht der Vorentwurf acht Parkplätze vor. Für die Betreuung in der Wohnanlage sollen nach Wunsch von Michael Schlecht Diakonie, DRK und Lenninger Netz sorgen. "Das wäre aus unserer Sicht das Optimale", sagte er.

Geplant ist, die Wohnanlage in zwei Bauabschnitten zu verwirklichen, wobei der zweite optional ist: Besteht nicht genügend Nachfrage, kann das Restgrundstück anderweitig verwendet werden. Für den ersten Bauabschnitt gaben die Planer ein Investitionsvolumen von 3,1 Millionen Euro an, ein zweiter Teil würde noch einmal 1,2 Millionen Euro kosten.

Bei einer anschließenden Diskussion im Ratsrund äußerte sich Roland Sailer skeptisch gegenüber dem Ansatz, nur acht Parkplätze für die gesamte Anlage einzuplanen. "Es gibt doch Bewohner, die noch Auto fahren", gab er zu bedenken. Diese Ansicht teilte auch Georg Zwingmann: "Viele Menschen fahren heute bis ins hohe Alter Auto." Diese Bedenken versuchte Gustav Bylow zu entkräften: "Aus unserer Erfahrung haben die meisten Bewohner keine Fahrzeuge mehr." Vor allem aufgrund der Lage im Ortszentrum erwarte er keine Probleme. "Da gibt es noch Diskussionsbedarf", stellte Bürgermeister Schlecht fest und wies darauf hin, dass auch für Besucher genügend Parkplätze zur Verfügung stehen sollten. Er regte an, zusammen mit dem Gemeinderat ähnliche Einrichtungen und deren Parksituation zu besichtigen.

An den baulichen Planungen für die Wohnanlage störte Georg Zwingmann, dass nur ein einziger Aufzug für das gesamte Gebäude vorgesehen ist. Zudem würde er eine Tiefgarage den Stellplätzen vorziehen. "Wir müssen Ansprüche, wirtschaftliche Faktoren und die schwere Bebaubarkeit zusammenbringen", betonte Gustav Bylow. Ein zweiter Aufzug oder eine Tiefgarage würden bewirken, dass die Wohnungen kaum mehr bezahlbar seien. "Wir stoßen bei diesem Projekt ohnehin an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit", verdeutlichte er.

"Die Umfrage hat gezeigt, dass Bedarf da ist", warb Bürgermeister Michael Schlecht für das Vorhaben. Dennoch stellte er klar: "Eine Umsetzung um jeden Preis wird es nicht geben." Zum einen müsse zuvor in Zusammenarbeit mit den Planern das Stellplatzproblem gelöst werden. Auch in einem anderen Punkt äußerte sich Schlecht eindeutig: "Die Gemeinde verkauft das Grundstück nur, wenn im Kaufvertrag steht, dass die Wohnungen ausschließlich an Menschen vergeben werden, die älter sind als 60 Jahre oder an Menschen, die Behinderungen haben."

"Wenn diese Probleme gelöst werden, dann kommen wir ins Geschäft", zeigte sich Michael Schlecht zuversichtlich. Ausschlaggebend für eine tatsächliche Umsetzung sei dann noch, dass der Investor genügend Kaufinteressenten für das Betreute Wohnen findet.

Wird das Vorhaben verwirklicht, so ist in dem Bereich der künftigen Wohnanlage eine Bebauungsplanänderung notwendig.