Lokales

Umleitung sorgt weiter für Ärger

Notzingen hat Widerspruch gegen verkehrsrechtliche Anordnung erhoben

Der Ausbau der Plochinger Steige in Kirchheim sorgt in Notzingen weiterhin für Diskussionsstoff wegen der Umleitungsregelung. Die Bodenbachgemeinde hat Widerspruch eingelegt.

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Iris Häfner

Notzingen. Die Vorgehensweise des Regierungspräsidiums Stuttgart stößt Notzingens Bürgermeister Jochen Flogaus schwer auf. „Wir ordnen uns nicht allem unter“, wetterte er in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Dass Notzingen „der gesamte Umleitungsverkehrs aufs Auge gedrückt wird“, will er so nicht hinnehmen und hat aus diesem Grund Widerspruch gegen die verkehrsrechtliche Anordnung erhoben. Der Schultes schließt nicht aus, ein Rechtsanwaltsbüro mit der Wahrnehmung der Interessen der Gemeinde zu beauftragen. Jochen Flogaus prangerte auch die Öffentlichkeitsarbeit des Regierungspräsidiums an: „Bis zum heutigen Tag haben wir keine Pressemitteilung erhalten, dass die Plochinger Steige gesperrt wird und der Umleitungsverkehr über Notzingen läuft, damit wir dies im Mitteilungsblatt bekannt geben können.“ Er griff daher auf die Vorlage im Wernauer Anzeiger zurück.

Ab dem Kreisel beim Freitagshof wird der Verkehr offiziell über die L 1207 über Notzingen nach Kirchheim geleitet. Nach Ansicht des Notzinger Gemeinderats könnte der Verkehr jedoch gesplittet werden: ein Teil über Notzingen, der andere über Ötlingen. Dem widerspricht jedoch die Stadt Kirchheim. „Eine Beschilderung über zwei verschiedene Wege trägt eher zur Verwirrung bei“, heißt es im Schreiben von Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer an seinen Kollegen Jochen Flogaus. Zu beachten sei auch, dass die Straße nach Ötlingen eine Gewichtsbeschränkung von 3,5 Tonnen Gesamtgewicht hat und somit für Lkws ungeeignet ist.

Dieser Argumentation kann Jochen Flogaus nicht folgen. „Die Straße nach Ötlingen ist ausgebaut und bei Weitem nicht in so einem desolaten Zustand wie der Streckenabschnitt nach Notzingen“, erklärte er und war damit bei einem weiteren „Lieblingsthema“ angelangt – dem schlechten Zustand der Bankette dieser Straße. Die wurden zwar auf dringenden Wunsch des Notzinger Gemeinderats zwischenzeitlich ausgebessert, mit dem Ergebnis sind jedoch nicht alle zufrieden. „Das ist Murks hoch drei“, fand Eduard Bosch klare Worte. Verwendet worden sei Fräsmaterial. „Wenn da einer drüberfährt, liegt das meiste Material im Graben“, so seine Einschätzung. Auch der Wunsch, während der Umleitungszeit die Geschwindigkeit auf 50 Kilometer pro Stunde zu reduzieren, wurde nicht gehört. Jochen Flogaus weiß von „drei oder vier Autofahrern, die in der kurzen Zeit seit dem 18. März bereits im Acker gelandet sind“.

Da seit Montag die Osterferien vorbei sind, geht der Schultes von einer Steigerung des Verkehrs aus. Nicht nur Notzingen ist seiner Ansicht nach von einer Mehrbelastung betroffen, sondern vor allem auch Anlieger des Haarlet und des Würstlesbergs in Kirchheim. „In der Rush-hour staut sich der Verkehr bereits bis zur Trafostation“, sagte Jochen Flogaus. Er wundert sich, weshalb an der Einmündung von der Notzinger Straße in den Wangerhaldenweg vo­rübergehend kein Linksabbiegeverbot eingerichtet wird. Der Verkehr würde seiner Ansicht nach schneller abfließen, ohne dass die Autofahrer einen größeren Umweg in Kauf nehmen müssten. „Richtung Schlierbach kommt man schnell über den Kreisel“, sagte er. Seiner Einschätzung nach würde sich so die Linksabbiege-Problematik entzerren.

Ungeachtet dieser Diskussionen sind die Arbeiten an der Plochinger Steige in vollem Gange. Zurzeit entfernen die Arbeiter mit schwerem Gerät den Belag. Entsprechend dem rechtskräftigen Bebauungsplan wird die Straße saniert. „Wir verlassen die Linienführung so gut wie nicht“, sagt David Bösinger, Pressereferent beim Regierungspräsidium Stuttgart. Aus Gründen der Verkehrssicherheit werde die lang gezogene Kurve etwa in der Mitte der Steige „minimal begradigt“, ebenso die enge Kurve im oberen Bereich. Mit Schwergewichtsmauern, die sich durch ihr Gewicht selbst sichern, soll der Hang stabilisiert werden. Die Sanierung der Straße war nötig geworden, weil der Berg ständig in Bewegung ist und somit die Straße in regelmäßigen Abständen ausgebessert werden musste. Die Natursteinquader, die seit dem Bau der Steige den Hang sicherten und zum Bild der Steige gehören sollen – wo möglich – sichtbar bleiben. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis Ende November dauern.