Lokales

Umstieg auf Bahn und Bus im Auge

Mit ihrem Miniaturölturm sind der VVS-Geschäftsführer Witgar Weber und Landrat Heinz Eininger quasi an die Quelle gegangen: direkt neben die Kfz-Zulassungsstelle am Landratsamt. Dort sollen Autofahrer zum Umsteigen auf den Öffentlichen Personennahverkehr animiert werden.

ROLAND KURZ

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Dass Bus und Bahn für Berufspendler in vielen Fällen günstiger sind als das Auto, will der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) mit seinem Online-Preisrechner beweisen. Er erwarte nicht, dass die Autobesitzer ihr Fahrzeug gleich wieder abmelden, meinte Landrat Eininger, aber die Idee, direkt an der Zulassungsstelle für öffentliche Verkehrsmittel zu werben, fand er als VVS-Gesellschafter reizvoll. Wenn man sich im Ballungsraum überhaupt noch bewegen will, dann muss man den ÖPNV nutzen, sagte Eininger. "Unsere Angebote können sich sehen lassen." Auch vom Zeitaufwand her könne der ÖPNV dem Auto das Wasser reichen. Es sei ein subjektives Gefühl, dass man mit dem Auto schneller sei.

Mit ihrem Öltürmchen im Foyer des Landratsamtes zielen Weber und Eininger aber vor allem auf die Sparsamkeit der Autofahrer. Wer keine eigene Ölquelle im Garten hat, der musste im vergangenen Jahr immerhin Preissteigerungen von zwölf Prozent verkraften. Und gestern früh entdeckte man an den Tankstellen schon wieder Rekordwerte.

VVS statt Auto werde immer attraktiver, sagt Weber. Ab einem täglichen Weg von sechs Kilometer fahre man mit der 9-Uhr-Umweltkarte günstiger. Auf der Internetseite des Verkehrsverbundes findet der Autofahrer einen Preisrechner, der die Preisdifferenz ermittelt. Fährt man die Strecke von der eigenen Haustür in die Firma an 220 Arbeitstagen, kann man beispielsweise fast 1800 Euro jährlich sparen, wenn man von Neuffen in die Landeshauptstadt pendelt. Selbst von Esslingen-Zell bis Obertürkheim fährt man mit der S-Bahn noch 153 Euro günstiger.

Zur Berechnung hat der VVS einen Mittelklassewagen genommen und die Betriebskosten laut ADAC-Tabelle eingesetzt. Fixkosten wie Steuer, Versicherung, Garagenmiete wurden nicht dazu gezählt, ebenso wenig eventuelle Parkgebühren am Arbeitsplatz, auch nicht der jährliche Wertverlust. Würde man die Fixkosten auch einrechnen, so Weber, dann wäre der VVS unschlagbar.

Den Autofahrern an der Zulassungsstelle wurden am Donnerstag und Freitag auch kostenlos Spritspar-Tickets angeboten. Etwa 100 Anträge für das vierwöchige Schnupperticket hat VVS-Verkaufsförderin Edelgard Rieg-Frisch an Autofahrer losgebracht. Bei 400 000 im Landkreis Esslingen angemeldeten Fahrzeugen ist da noch ein gewisses Potenzial vorhanden. Etwa ein Drittel der angesprochenen Fahrer, so Rieg-Frisch, hätten sich aufgeschlossen gezeigt, ein Drittel zunächst etwas zögerlich reagiert und ein Drittel zähle wohl zu den Hardcore-Autofahrern.

Die Werbeaktion im Esslinger Landratsamt war der Auftakt. Die Werbetruppe beglückt nun auch die anderen drei Landratsämter in der Region Stuttgart. Außerdem wird mit Riesenplakaten an den Stuttgarter Einfallstraßen geworben und in der Nähe zu den Verkehrsnachrichten im Radio sollen Spots über den Äther gehen.

Clever auf Achse Beispielrechnung 1: Zell Obertürkheim, 8 Kilometer, 1 Zone, Kosten Pkw 503 Euro, Firmenticket (10 Prozent Rabatt) 424 Euro, 9-Uhr-Umweltkarte 350 Euro, Ersparnis jährlich 153 Euro. Beispielrechnung 2: Wernau Esslingen, 12 Kilometer, 2 Zonen, Kosten Pkw 755 Euro, Firmenticket 550 Euro, 9-Uhr-Umweltticket 450 Euro, Ersparnis jährlich 305 Euro.Beispielrechnung 3: Wendlingen Stuttgart Stadtmitte, 30 Kilometer, 5 Zonen, Kosten Pkw 1074 Euro, Firmenticket 910 Euro, 9-Uhr-Umweltticket 900 Euro, Ersparnis jährlich 987 Euro. (www.vvs.de)