Lokales

Umzug nach Schwäbisch Hall oder in einen Neubau in Nürtingen?

"Man hat uns ein sehr verlockendes Angebot gemacht", bestätigt der Rektor der Fachhochschule für Kunsttherapie Nürtingen (FHKT), Hartmut Majer, dass die Stadt Schwäbisch Hall höchst interessiert ist, das von ihm geführte Institut an die Ufer des Kochers zu locken. Seit ungefähr vier Monaten sei man mit Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim in Verhandlungen, die aber noch alle Optionen offen ließen.

NÜRTINGEN Ein Leserbrief des in Schwäbisch Hall wohnenden ehemaligen Wirtschaftsministers Döring an eine dort erscheinende Tageszeitung hatte den Stein ins Rollen gebracht, den die Beteiligten bislang unter Verschluss zu halten bemüht waren. Der Haller Oberbürgermeister hatte sich am 30. September im Haller Tagblatt zu einer möglichen Fusion der dort ansässigen Fachhochschule mit einer anderen Einrichtung geäußert allerdings ohne den potenziellen Partner konkret beim Namen zu nennen.

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Finanzielle Spielräume Nachdem also vermutet werden darf, dass diesbezügliche Gespräche schon länger am Laufen sind, blieb Rektor Hartmut Majer nichts anderes übrig, als jetzt auch öffentlich Stellung zu beziehen. "Wir sind gerne in Nürtingen, aber unsere Mietsituation lässt uns keinerlei finanzielle Spielräume", begründet der Schulleiter die Gedankenspiele, die zu den Gesprächen mit den Haller Behörden und Iso Wagner, der Rektorin der dort bereits ansässigen Fachhochschule für Medien- und Kulturgestaltungen, geführt hatten.

Hartmut Majer übersieht dabei keineswegs, dass sich seit der Gründung der FHKT in Nürtingen ein Verwurzelungsprozess vollzogen habe, der sowohl den Lehrkörper als auch die Studenten und das kulturell-politische Umfeld betreffe. Trotzdem könne sich die Fachhochschule für Kunsttherapie hier ohne Unterstützung durch die Kommune und/oder das Land nicht weiterentwickeln: "Wir wissen wohl zu schätzen, was sich hier in 20 Jahren entwickelt hat und können und wollen nicht einfach die Koffer packen. Trotzdem muss ich an die Entwicklungsmöglichkeiten der Schule denken."

Die wären natürlich in der Salzsiederstadt so schlecht nicht, habe man der FHKT doch für den Fall einer Fusion mit der Haller FH die Gebäude der ehemaligen Landesvollzugsanstalt und eine großzügige finanzielle Ausstattung angeboten, worauf Majer mit Rücksicht auf die Verhandlungssituation nicht detailliert eingehen wollte. Allerdings gab er sich recht selbstbewusst: "Wir sind für Schwäbisch Hall sehr attraktiv, denn erstens verfolgen wir ein ähnliches Konzept wie die dortige Fachhochschule und sind darüber hinaus mit unserer Ausbildung bundesweit nahezu einzigartig."

Was er nicht erwähnte, ist der notorische Mangel an Studenten, unter dem die Fachrichtung Mediengestaltung in Schwäbisch Hall seit langem leidet, was wohl hauptsächlich an der lokalen Verortung in der hohenlohischen Provinz liegen mag. Dagegen nannte er die infrastrukturelle Situation des Standortes Nürtingen im direkten Einzugsgebiet von Tübingen und Stuttgart "ideal". Wie Rektor Majer mitteilte, stehe er aus diesen Gründen auch in Verhandlungen mit der Stadt Nürtingen, deren Oberbürgermeister ihm zu verstehen gegeben habe, dass man seitens der Stadt alle Register ziehen werde, die FHKT hier zu halten.

Die Gespräche verliefen sehr konstruktiv, und man sehe durchaus Möglichkeiten, zu einem für beide Seiten befriedigenden Ergebnis zu kommen. Unabdingbar sei jedoch, dass eine räumliche Situation geschaffen werde, die mit den völlig unbefriedigenden Verhältnissen, wie sie sich derzeit in Nürtingen gestalten, Schluss mache. Man stehe als Hochschule, zumal in wenigen Jahren die Diplomstudiengänge durch solche mit den international anerkannten Bachelor- und Masterabschlüssen abgelöst würden, verstärkt in internationaler Konkurrenz und damit einem fortlaufenden Evaluierungsprozess ausgesetzt.

Nürtingens Oberbürgermeister Heirich legt sich für einen Verbleib der FHKT in Nürtingen mächtig ins Zeug und stellt eine Lösung in Aussicht, die einen deutlichen Fortschritt der Entwicklungsmöglichkeiten in Nürtingen vorsieht: "Ich möchte die FHKT, wenn es irgend geht, in Nürtingen halten. Deshalb haben wir uns entschlossen, ein Angebot zu machen, das die Arbeitsbedingungen im Blick auf räumliche und finanzielle Voraussetzungen entscheidend verbessern würde", kündigte Oberbürgermeister Heirich an.

Ein Neubau vor den westlichen Toren der Stadt sei angedacht, der auch infrastrukturell keine wesentlichen Nachteile gegenüber den zentral gelegenen, aber verstreuten Räumlichkeiten brächte, in denen die Studenten derzeit arbeiten müssten. Zum Nulltarif ließe sich ein solches Angebot nicht realisieren, doch hielte ein Neubau alle Möglichkeiten offen, die spezifischen Bedürfnisse künftiger Nutzer schon während der Planung zu berücksichtigen.

Um das Land bei der Unterstützung des Lehrbetriebs der Fachhochschule nicht gänzlich außen vor zu lassen, sei er dabei, gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Möglichkeiten zu sondieren, wie die Landesregierung mit ins Boot eines solchen Projektes genommen werden könne. So wurden auch Überlegungen angestellt, die, wie Oberbürgermeister Heirich sagte, "notleidenden Studiengänge" der Fachhochschule in Schwäbisch Hall nach Nürtingen zu holen, um auf diesem Wege eine staatliche Trägerschaft zu erreichen. Dahingehende Überlegen stünden zwar noch in der Anfangsphase, doch sei ein solcher Schritt sicherlich geeignet, die Konkurrenzfähigkeit der Nürtinger Fachhochschule noch zu steigern.

Wie immer die Entscheidung über einen künftigen Standort auch ausfallen wird, legt Professor Majer doch großen Wert auf die Feststellung, dass Studenten, die jetzt ein Studium aufgenommen haben, von dieser Entscheidung nicht mehr betroffen sein werden, da der Mietvertrag über die Räumlichkeiten der Firma Jenisch in der Überlinger Straße noch bis zum Jahre 2008 laufen.

nz