Lokales

Unbekannt, aber nicht ungewiss

Nun liegt der Start ins neue Jahr schon hinter uns. Ein guter Start in eine bessere Zukunft? Große Zukunftsentwürfe für die Weltverbesserung haben im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts keine besondere Konjunktur. Zu unübersichtlich und unsicher sind die Entwicklungen, angefangen bei der Politik bis hin zum Klimawandel. Von einem globalen Bewusstsein der Menschheit füreinander sind wir noch weit entfernt. Sowohl Interessengruppen als auch der einzelne neigen in diesen unabschätzbaren Zeiten dazu, das eigene Süppchen für sich selbst zu kochen. Nun kann aber gerade die Haltung des christlichen Glaubens nicht bloßes Abwarten oder gar Erwartungslosigkeit sein im Blick auf die Zukunft. Christen glauben, dass nicht nur Unabsehbares aus der Zukunft auf uns zukommt, sondern dass auf jeden Fall Gott auf uns zukommt.

Es gibt da noch andere Gestalten, die scheinbar Macht über die Zukunft haben: Die launige Fortuna, das unerbittliche Schicksal oder der blinde Zufall. Glück, Schicksal und Zufall sind Vorstellungen, mit denen der Mensch versucht, die Undurchschaubarkeit der Zukunft zu deuten. Sie alle sind keine Kategorien des christlichen Glaubens. Denn für Christen ist zwar die Zukunft genauso unbekannt wie für alle anderen auch, aber die Zukunft ist nicht ungewiss!

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Gewiss ist nämlich, dass die Zukunft kein leeres Blatt ist, sondern dass auch in der noch ausstehenden Zukunft Gott schon da ist. Alle Zeit der Welt ist von Gott umfangen und so wartet Gott sozusagen aus drei Richtungen auf uns: in der Vergangenheit durch die überlieferten Erfahrungen und Erkenntnisse, die in Glaube und Kirche von Menschen gemacht wurden. In der Gegenwart im Wirken seines Geistes, der daran arbeitet, Menschen zur Freiheit und Liebe zu bewegen. Und in der Zukunft in der Vollendung seiner Schöpfung. Denn die Schöpfung ist noch nicht fertig.

Sie ist noch offen, und zwar deshalb, weil Gott noch immer nicht die Erwartung aufgegeben hat, dass die Botschaft seiner Liebe wie ein unwiderstehlicher Frühlingsduft uns verwandelt zu den liebvollen Menschen, wie er sich uns gedacht hat. Jesus sagt: "Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch." Das heißt: Wie einen unwiderstehlichen Frühlingsduft streut Gott immer wieder neu die Hoffnung auf eine geheilte Welt unter uns, damit wir im Glauben mithelfen, dass diese Welt ihrer Heilung entgegen wächst. Die Zukunft ist nicht einfach etwas Fremdes, das auf uns zukommt. In uns selbst entsteht die Zukunft je nachdem! Pfarrer Jochen Maier Evangelische Martinskirche Kirchheim