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"Und die Mutti geht jetzt auch in die Linde"

"Mutti geht jetzt auch in die Linde". Der Hausleiter der Linde, Matthias Altwasser, brachte es bei der offiziellen Einweihung des Kirchheimer Seniorentreffs in den Räumen von jugend&kultur in der Alleenstraße 90 gleich auf den Punkt.

RUDOLF STÄBLER

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KIRCHHEIM Dass es bei diesem Plan, den Seniorentreff im Jugendhaus unterzubringen, sehr viel Skepsis gegeben habe, verschwieg der Diplom-Sozialpädagoge vor zahlreichen Gästen, an der Spitze Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, nicht. Jetzt aber, so Altwasser, erkenne man immer mehr, dass sich die Senioren und die Jugendlichen zusammen sehr wohl fühlen und auch ergänzen. "Wir heißen den Seniorentreff herzlich willkommen." Sein Dank galt dem Stadtoberhaupt und den Fraktionen des Gemeinderats für die finanzielle und ideelle Hilfe bei der Verwirklichung des "Mehrgenerationenhauses."

David Flegel, Leiter des Kirchheimer Seniorentreffs, bedankte sich bei der Jugendhausleitung für die tatkräftige Unterstützung des Projekts und erinnerte daran, dass der Kirchheimer Seniorentreff bereits seit dem Jahr 1974 bestehe. Der manchmal als "etwas" unbequem geltende Flegel zeigte sich bei der Eröffnung erstaunt: "Dia Jonge send Super-Kerle" und schob dann gleich nach: "Dia motzet et mal, wenn i was sag." Lob aus berufenem Munde, es scheint alles im Lot zwischen den Generationen in der Linde.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker wusste, dass "Ältere nicht gerne umziehen", sah diese Maßnahme allerdings als absolute Notwendigkeit an. Es habe schon viel Überzeugungskraft gekostet, um dieses Ziel zu erreichen. Für viele ältere Menschen sei die Idee, sich unter das Dach junger Menschen zu begeben, nicht gerade mit Wohlwollen aufgenommen worden. Die Oberbürgermeisterin wünschte sich nunmehr einen gut funktionierenden Austausch zwischen Alten und Jungen. "Es soll hier ein reiches Leben herrschen." Auch eine Schlüsselübergabe hatte die Oberbürgermeisterin arrangiert. Dass der Schlüssel ein Hefekranz war, das störte bei der Eröffnung absolut nicht. Im Gegenteil, das Messer zum Anschnitt lag schon bereit.

Kurt Spätling outete sich als "Beinahe-Senior", seit 26 Jahren in Diensten des Kreisjugendrings Esslingen. Hier gibt es "keinen Krieg der Generationen", zeigte er sich überzeugt. Jugendliche, denen oft familiäre Bindungen fehlen würden, könnten es durchaus sehr gut mit den "Alten".

Dass dies so ist, das wurde beim abschließenden Sektempfang mit Kanapees schnell deutlich. Mit viel Freude wurde von den Jugendlichen Sekt oder Orangensaft serviert und auf Wunsch auch eine belegte Schnitte herbeigebracht. Die Seniorinnen und Senioren waren hervorragend umsorgt oder gingen mit einem jungen Begleiter im jetzigen "Mehrgenerationenhaus" auf eine kleine Erkundung der Räumlichkeiten. Bestes Fazit an diesem Nachmittag: "Schee isch's bei dene Jonge", so eine begeisterte Besucherin.