Lokales

Und liest und liest . . .

Wolfgang Znaimer verpasst „Zeitungsleser“ neue Außenhaut

Kirchheim. Wer kennt ihn nicht, den berühmten „Zeitungsleser“ vom „Schwarzen Berg“ in Kirchheim, der 1956 von der Bildhauerin Lore Doerr-Niessner geschaffen und auf Initiative des Teckboten der Stadt Kirchheim gestiftet wurde? Eigentlich soll der „Zeitungsleser“ daran erinnern, dass in dem westlich daran anschließenden Gebäude viele Jahrzehnte lang der Teckbote beheimatet war.

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Seit mehr als einem halben Jahrhundert sitzt der „Zeitungsleser“ nun an dieser Stelle, scheinbar unberührt vom Strom der Fußgänger, der in seinem Rücken tagaus tagein vorbeihastet, und unberührt vom Straßenverkehr, der direkt vor seiner Nase den „Schwarzen Berg“ hinabflutet. Für den „Zeitungsleser“ zählt nur seine Zeitung, die er fest in beiden Händen hält und die ihm Halt und Würde verleiht. Spöttisch und unbeteiligt blinzelt er über deren oberen Rand auf seine Umwelt. Nichts scheint ihn aus der Ruhe und aus dem Gleichgewicht bringen zu können.

Doch gegen die Macht der Zeit ist auch der „Zeitungsleser“ letztlich wehrlos. Sie setzt ihm zu. Verwitterung löst die schützende Außenhaut ab, Feuchtigkeit dringt in feine Haarrisse ein und dehnt sie kontinuierlich. Immer deutlicher zeigten sich Fugen, die den Zusammenhalt des ganzen Standbilds bedrohten. Natürlich sahen viele Bürger Kirchheims, dass es dem „Zeitungsleser“ zunehmend schlechter ging.

Zum Glück hat man als echtes Kunstwerk Freunde, die Zeit und Kraft opfern, wenn „Not am Mann“ ist. Der Freund und Helfer des „Zeitungslesers“ heißt Wolfgang Znaimer vom Verschönerungsverein Kirchheim. Er beschaffte sich Kitt und Farbe und machte sich eigenhändig ans Werk. Jetzt strahlt der „Zeitungsleser“ wieder munter unter seiner neuen Außenhaut und blickt gesund und frisch ins nächste halbe Jahrhundert. fh