Lokales

". . . und täglich grüßt das Murmeltier"

Große finanzielle Verschiebungen waren mangels Masse nicht Gegenstand der Generaldebatte des Haushaltsplanentwurfs. Die Fraktionen nutzten die Gelegenheit zur Darlegung politischer Positionen (siehe Artikel auf dieser Seite). In Bescheidenheit übten sich wieder einmal die Ortschaftsräte, nicht ohne jedoch klar zu machen, dass hier der Handlungsbedarf durch jahrelangen Investitionsstau dramatisch wächst.

IRENE STRIFLER

Anzeige

KIRCHHEIM An den Hauptdarsteller aus dem Kinostreifen ". . .und täglich grüßt das Murmeltier" fühlte sich wohl manch einer der Ortsvorsteher erinnert, besonders aber nach eigenen Aussagen Naberns Ortschef Nicolas Fink, als er zum wiederholten Male die Hauptforderung des Teilorts ansprach: Neubau der Gießnauhalle. "Kein anderes Projekt genießt höhere Priorität, kein anderes Vorhaben ist für uns wichtiger", begründete Fink das Ansinnen, statt der 600 000 Euro für die Sanierung 2,8 Millionen Euro für einen Neubau in die Finanzplanung aufzunehmen, "am besten schon 2007/2008". Vergleichsweise bescheiden nimmt sich dagegen der zweite Wunsch der Naberner aus, den behindertengerechten Zugang zum Rathaus schon 2006 mit Kosten in Höhe von 50 000 Euro anzugehen. "Ich hoffe, Sie fühlen sich nicht wie im falschen Film", kam der Ortsvorsteher abschließend wieder auf die Kino-Terminologie zurück und verlieh der Hoffnung auf ein Happy-end für Nabern Ausdruck.

"Schlapp wie eine ausgepresste Zitrone liegt der Teilhaushalt Jesingen auf diesem Ratstisch", lautete wesentlich weniger optimistisch die Diagnose von Hans Gregor, amtierender Ortsvorsteher von Jesingen. Es gebe nichts mehr zu gestalten, allenfalls etwas zu verwalten. Im Bewusstsein, dass Jesingen immer seinen Beitrag zur Konsolidierung des städtischen Haushalts geleistet habe, forderte Gregor nun im Namen des Ortschaftsrates Mittel für absolut Dringliches: 50 000 Euro sollen für die Sanierung der Fenster im Mittelbau der Schule bereitgestellt werden, 236 000 Euro für die Sanierung der Küche in der Gemeindehalle.

Mangelnde Perspektiven für den Stadtteil, beklagte auch Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik und ließ keinen Zweifel daran, dass dies spätestens ab 2007 korrigiert werden müsse. Der Ortschaftsrat trägt auch hier erneut Kirchheims Konsolidierungskurs mit, obwohl etliche Probleme auf den Nägeln brennen, wie der Ortsvorsteher aufzeigte. Seine Anträge erfordern keine Ausweisung gesonderter Investitionssummen.

Beispielsweise fehlt den Ötlingern ein klares Signal in der Finanzplanung im Hinblick auf die marode Mörike-Halle, für deren Renovierung die Vereine eifrig Unterstützung signalisieren. Beklagt wird auch das Bahnhofsumfeld, das mit Beschädigungen und Verunreinigungen nicht dazu beitrage, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Der Fahrradklau hat untragbare Ausmaße angenommen. Ideen gibt es auch für eine "moderate Erweiterung der Aussegnungehalle". Darüber hinaus erhoffen sich die Ötlinger Unterstützung im Kampf gegen den Schwerlastverkehr, handle es sich doch laut Kik bei der Zunahme der 40-Tonner um keine Fata Morgana. Weiter hält der Ortschaftsrat generell mehr Personal für Kontrolle und Überwachung für sinnvoll. Das koste zwar Geld, die Reinigung und Entsorgung von Müll allerdings auch. Schließlich brachte der Ortsvorsteher noch den Unmut im Ort zum Ausdruck über das ungenehmigte Erweitern der Golfanlage. Dagegen werde andererseits in der Ötlinger Halde gegen den "kleinen Mann" vorgegangen.

Eine "bauliche und finanzielle Verschnaufpause" kündigte Lindorfs Ortsvorsteher Manfred Haack für die Wünsche seines Ortschaftsrates an. Zunächst bilanzierte er erfreut, dass der lang ersehnte Hartplatz gut vorangekommen sei und von den Jugendlichen schon in Besitz genommen wurde. Zumindest für 2008 hofft Lindorf auf eine Berücksichtigung der Aussegnungshalle, die bei einer Einwohnerzahl von 650 gebaut wurde und nun, bei über 1500 Einwohnern, bei Trauerfeiern längst aus allen Nähten platzt. "Eine Erweiterung halten wir für dringend erforderlich", machte Haack deutlich, dass auch in Lindorf Wünsche bestehen. Weitere Anregungen des Ortschaftsrates zielten zum Beispiel auf die Überprüfung der Einrichtung einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Bürgerhauses.

Foto: Jean-Luc Jacques