Lokales

Undichte Duschen: Frischwasser auf Abwegen

Zwischen 7 000 und 9 000 Liter Wasser müssen sich unterhalb der Bodenkonstruktion in der Kirchheimer Sporthalle Stadtmitte ergossen haben, bevor eine Sportlehrerin wohl zufällig den Schaden entdeckte: In einer Hülse im Boden, die normalerweise den Pfosten für Reck oder Volleyballnetz vorbehalten ist, stand das Wasser. Hauptursache für den neuerlichen Schaden sind die Duschsäulen.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Entgegen der ersten Vermutungen muss das Problem schon längere Zeit bestanden haben, ohne dass die Wassermassen unter Fliesen und Boden beziehungsweise hinter Beton und Stahl sichtbar gewesen wären. Zur Schadensursache sagte Bürgermeister Günter Riemer gestern in einem Pressegespräch: "Drei der vier Duschsäulen im Sanitärtrakt waren undicht. In der Hülle innen drin ist ständig Wasser geflossen, auch ohne dass jemand geduscht hat."

Das Wasser hat sich also im Verborgenen seine Wege gesucht, ist innerhalb der Duschsäulen in den Boden gerieselt und hat sich dort ausgebreitet. Natürlich sind die Größenordnungen der Wassermenge nicht mit einem Privathaushalt vergleichbar, wenn Riemer versichert, dass kein überhöhter Verbrauch festzustellen war: "Sieben bis neun zusätzliche Kubikmeter sind an der Wasseruhr so nicht sichtbar." Die Mengenangabe selbst ist eine reine Schätzung, die sich aus der Quadratmeterzahl der Halle und dem durchschnittlichen Unterboden-Pegelstand ergibt.

Bei den innerlich undichten Duschsäulen geht Kirchheims Bürgermeister von einem Fehler aus, der eindeutig dem Produkthersteller zuzuordnen ist. Wenn Gutachter diese Vermutung bestätigen, muss der Hersteller mit Kostenforderungen über die volle Höhe der Reparaturmaßnahmen rechnen. In einer ersten groben Schätzung, in die noch kein Sachverständiger einbezogen war, geht die Stadtverwaltung dabei von ungefähr 100 000 Euro aus. Ansonsten "besteht nach Auskunft der Gebäudeversicherung für die Stadt Versicherungsschutz für den Schaden", wie es in einer Presseerklärung heißt.

Es gibt noch einen zweiten möglichen Grund für den neuerlichen Wasserschaden in der modernsten Sporthalle Kirchheims, deren Boden bereits im Herbst 2001 über mehrere Wochen hinweg hatte trockengelegt werden müssen: In einem der Duschräume sind die Fachleute offenbar auf eine Verbindung zu einem Versorgungskanal gestoßen, "die es nicht geben dürfte", teilte Günter Riemer weiter mit. Dieses potenzielle Manko war bis gestern aber noch nicht eindeutig nachweisbar.

Der optische oder vielmehr "organoleptische Eindruck" habe ergeben, dass es sich bei dem Wasser, das sich aus den überlaufenden Versorgungskanälen unterhalb des Hallenbodens ergossen hatte, hauptsächlich um Frischwasser handelt: "Da war kein Geruch feststellbar."

Folgende Maßnahmen stehen in den nächsten acht Wochen an: die Trocknung der empfindlichen hölzernen Boden-Unterkonstruktion mittels Warmluftgebläse über bereits vorhandene Löcher, die Erneuerung korrodierter Heizungsrohre in Teilbereichen des Bodens und die Auswechslung der Duschsäulen durch "wasserdichte" Exemplare. "Der Boden ist in einem Zustand, wie wenn er neu wäre", wehrt Bürgermeister Riemer Befürchtungen über weitere Schäden ab, "was wir jetzt machen, dient ausschließlich der Vorbeugung. Aber deshalb mussten wir die Halle sofort schließen."

Die Schließung wiederum stellt die Nutzer der Halle vor große Probleme: Wie bereits berichtet, kooperiert die Alleenschule in den kommenden Wochen mit der Konrad-Widerholt-Schule, dem Ludwig-Uhland-Gymnasium und dem Pädagogischen Fachseminar. Allerdings ist das Seminar selbst regelmäßiger Nutzer der Sporthalle Stadtmitte und muss zunächst die eigenen Veranstaltungen anderweitig unterbringen sei es nun räumlich oder zeitlich. Letzteres ist aber nicht immer möglich, wie der stellvertretende Seminarleiter Klaus Buck gestern mitteilte: "Am 22. und 23. Februar haben wir die Eignungsprüfung für die neuen Bewerber. Der Termin ist vorgegeben, und wir brauchen jeweils eine komplette Halle, den ganzen Tag über."

Es bleiben noch die Vereinssportler, die außerhalb der Unterrichtszeiten auf die Sporthalle angewiesen sind zu Wettkampf- wie zu Übungszwecken: Ihre Vertreter haben sich gestern Abend zur Krisensitzung mit der Stadtverwaltung getroffen. Über die Ergebnisse berichtet der Lokalsport in der morgigen Ausgabe des Teckboten.