Lokales

Undichtes Dach samt Oberlichter werden erneuert

Das Unglück in Bad Reichen-hall sorgt für Überprüfungen an Hallendächern fast aller Orten. So wurde auch die Tragfähigkeit des Daches der Sporthalle am Pouilly-Platz in Lenningen überprüft.

IRIS HÄFNER

Anzeige

LENNINGEN Auch wenn ein Dacheinsturz der Unterlenninger Sporthalle nicht zu befürchten ist, so besteht doch Handlungsbedarf, denn immer wieder dringt Feuchtigkeit in die Halle ein. "Die Dachdeckung befindet sich teilweise in einem schlechten Zustand und die Schutzschicht des Welleternits ist an vielen Stellen abgewittert", erklärte Falk Kazmaier in jüngster Sitzung als Gemeinderat und Fachmann in Personalunion. Teilweise sei nur noch der Faserzement auf den Platten vorhanden. Dadurch sei die Dichtigkeit vermindert und Wasser könne eindringen, was wiederum im Winter dazu führe, dass bei Frost die Sprengkraft am Werk ist. Einige Stellen mussten deshalb schon geflickt werden, allerdings ohne die gewünschte Wirkung, denn sie weisen schon wieder Schäden auf.

Mittlerweile hat sich auch schon Moos auf dem Dach angesiedelt. "Das verschlechtert das Gefüge des Daches noch zusätzlich. Das Wasser bleibt stehen und kann durch feine Risse nach innen gelangen", erklärte Falk Kazmaier. Ein weiterer Schwachpunkt seien die Dachdurchdringungen. "Hier sind an einigen Anschlüssen die Verwahrungen undicht, weshalb auch dort Wasser ins Dach eindringt", beschrieb der Ingenieur die Situation und war mit seiner Auflistung immer noch nicht am Ende. Probleme bereiten auch die Oberlichter, da sie ebenfalls Risse aufweisen. Diese könnten zwar in Bezug auf die Dichtigkeit saniert werden, jedoch sei der Energieverlust dann weiterhin hoch. "Die Anschlüsse sind mangelhaft angeschlossen", so die klare Aussage von Falk Kazmaier.

Insgesamt ist das Hallendach rund 3000 Quadratmeter groß. Die Oberlichter schlagen dabei mit rund 400 Quadratmeter zu Buche. Falk Kazmaier schlug vor, die Eternitplatten durch Aluminiumtrapezprofil zu ersetzen. "Diese hätten eine bedeutend längere Lebensdauer", erklärte er. Dadurch würden Kosten in Höhe von etwa 180 000 Euro entstehen, wovon rund 50 000 Euro auf die Oberlichter entfallen.

Gebaut wurde die Turnhalle 1981 als Stahlbetonskelettkonstruktion, das Dach besteht aus Leimbindern, die auf Betonstützen aufliegen. Das Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass das Gebäude im Moment standsicher ist, auch wenn nach dem Unglück in Bad Reichenhall viele beim Stichwort Leimbinder hellhörig werden und auch im Halleninnern in Lenningen eindringende Feuchtigkeit festzustellen ist. Falk Kazmaier untersuchte die Halle an Silvester 2005. Damals herrschte Tauwetter bei sechs Grad Celcius und es lagen etwa zehn Zentimeter Schnee auf dem Dach. "Da die Dachdeckung oft am Hochpunkt teilweise kleine Risse zeigt und die Dachdurchdringungen vermutlich nicht fachgerecht angeschlossen sind, dringt vor allem bei Tauwetter Wasser ein", erklärte der Ingenieur.

Die Lenninger Halle lasse sich jedoch nicht mit der Unglückshalle in Bayern vergleichen, da dort gleich zwei verhängnisvolle Fehler begangen wurden. Das Gebäude war zunächst als offene Halle geplant, dann jedoch als geschlossenes Bauwerk ausgeführt worden. "Bei einer offenen Halle kann die Feuchtigkeit, die bei der Eisherstellung entsteht, ablüften. Bei einer geschlossenen Halle ist dies nicht mehr der Fall und die Feuchtigkeit kondensiert am kalten Dach, weshalb die Holzbauteile durchfeuchten", erläuterte Falk Kazmaier. Auch die Konstruktion war falsch. Statt der zugelassenen Doppel-T-Träger wurden Hohlkastenträger installiert. Die maximale Höhe lag nach der Zulassung bei 120 Zentimeter, ausgeführt wurden jedoch 287 Zentimeter. "Weiterhin wäre die maximale Gurtbreite mit zehn Zentimetern begrenzt gewesen und auch hier war mit 20 Zentimetern Breite eine Überschreitung da", führte der Ingenieur weiter aus.

Die Lenninger Halle befindet sich dagegen laut Falk Kazmaier innerhalb einer Zulassung. Da nicht ständig Wasser eindringt, sei die Holzkonstruktion weit weniger gefährdet, tatsächlich konnte er keine Schäden feststellen. Zwar weisen die Träger partiell Schwindrisse auf, allerdings nur kleine, die nicht sicherheitsgefährdend sind. Zudem sind sie überall unter zwei Zentimeter tief und somit unbedenklich. Feuchtigkeitsmessungen ergaben Durchschnittswerte, denn das Holz kann immer wieder trocknen. "Es besteht keine akute Gefahr, jedoch sollte das eindringende Wasser kein Dauerzustand sein", so die klare Aussage des Ingenieurs.

Der Gemeinderat beschloss daher einstimmig, das Dach zu sanieren. Dachdeckung und Oberlichter werden ausgetauscht, die Schweißbahn an den Durchdringungen endlich fachgerecht angeschlossen sowie auch die Bitumenschweißbahn ausgebessert. Ferner erfolgt der Austausch von Verblechungen und Rinnen. Ob zu den 180 000 Euro nochmals 100 000 für Wärmedämmung investiert werden sollen, wird bei der Haushaltsberatung entschieden.