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"Uneinholbar immer einige Meter höher als die anderen"

KIRCHHEIM "Da werden wir viele von bauen können!" Die ersten Eindrücke nach dem Öffnen der Haube vor den vielen Mitarbeitern und Interessierten konnten kaum begeisterter aus dem Mund des Piloten, Diplom-Ingenieur Helmut Treiber, kommen. Er war als Chefkonstrukteur und Flugerprobungsleiter maßgeblich an der Auslegung des neuen Discus-2c beteiligt.

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Das in modernsten Materialien wie Kohlefaser und Aramit gebaute Flugzeug verspricht nicht nur von der Optik her ein Verkaufserfolg zu werden. In die Auslegung des vierteiligen Flügels mit 18 Metern Spannweite flossen die neuesten Forschungs- und Rechenergebnisse ein, gepaart mit langjährigen Erfahrungen der Kirchheimer Schempp-Hirth-Konstrukteure.

Das Ergebnis ist ein mehrfach zurückgepfeilter und nach oben geknickter Grundriss, der dem Flugzeug ein äußerst elegantes Flugbild verleiht und leistungsmäßig derzeit wohl das Optimum darstellt. Die kühn nach hinten geschwungenen Winglets am Flügelende wurden extra in den USA entwickelt und ermöglichen nochmals eine Widerstandsreduzierung und eine Verbesserung der Flugeigenschaften. Zu letzteren tragen auch vergrößerte Leitwerksflächen bei.

Die Zielsetzung eines wendigen, einfach und angenehm zu fliegenden und dennoch leistungsmäßig spitzenwertigen Segelflugzeuges ist hiermit in jeglicher Hinsicht erreicht.

In der ersten Leistungserprobung am Wochenende konnte sich der Geschäftsführer von Schempp-Hirth, Tilo Holighaus, selber überzeugen: "Bei den schwierigen Wetterverhältnissen war der Discus-2c uneinholbar immer einige Meter höher als auch vermeintlich bessere andere Flugzeuge". Somit scheinen sich die Anstrengungen und die unzähligen Sondereinsätze der Belegschaft gelohnt zu haben.

Eigentlich hätte der neue Hoffnungsträger schon im vergangenen Jahr fliegen sollen. Ein Brand in der großen Fertigungshalle in der Krebenstraße vereitelte dies aber leider, da vor der Neuentwicklung zunächst wieder die Serienfertigung zum Laufen gebracht werden musste, was am Ende doch rund ein ganzes Jahr in Anspruch nahm.

Zwischenzeitlich eilte aber der "kleine Bruder" der Discus-2a mit 15 Metern Spannweite von Erfolg zu Erfolg bis hin zum Weltmeistertitel im vergangenen Jahr. Tilo Holighaus hofft nun, dass sich dieser Werbeeffekt auch auf die ganz neue 18-Meter-Version überträgt. Trotz der Verzögerung gibt es schon zahlreiche Aufträge, besonders aus dem Ausland. Nicht nur dort wartet man zusätzlich noch auf die motorisierte Version mit dem bewährten Turbo-Heimweghilfesystem. Als Clou entwickelt Schempp-Hirth darüber hinaus eine Variante mit austauschbaren Flügelenden, sodass man wettbewerbsmäßig mit dem gleichen Flugzeug sowohl in der 15- als auch der 18-Meter-Klasse fliegen kann.

Die neue Superorchidee mit den charakteristischen mehrfach zurückgepfeilten Tragflächen übertraf die Erwartungen der Konstrukteure: Das neue Flaggschiff des Kirchheimer Flugzeugherstellers ging auf der Hahnweide erstmals in die Lüfte.