Lokales

„Unglaublich hohe Lebensqualität“

Die verkehrsgünstige Lage, die attraktive (Kultur)Landschaft, die Übersichtlichkeit einer Kleinstadt und die Infrastruktur – in vielen Bereichen haben die Weilheimer Bürger der Stadt im Rahmen einer Befragung sehr gute Noten erteilt. Die Ergebnisse wurden nun in der Limburghalle präsentiert.

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Anke Kirsammer

Weilheim. Weilheim braucht den Vergleich mit anderen Städten nicht zu fürchten. Das zeigt der Anteil der Bürger, die auf dem sechsseitigen Fragebogen angegeben haben, dass sie gerne (40 Prozent) beziehungsweise sehr gerne (58 Prozent) in der Limburgstadt wohnen. „Sie ragen da heraus. So positive Ergebnisse haben wir selten“, sagte Jürgen Mühlbacher von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung, die die Bürgerbefragung im Auftrag der Stadt durchgeführt hat. „Sie haben eine Stadt mit unglaublich hoher Lebensqualität“, lautete auch das Fazit des Koordinators Professor Richard Reschl.

Im Frühjahr wurden sämtliche rund 4 000 Haushalte in Weilheim angeschrieben und darum gebeten, ihre Stadt zu beurteilen und darzulegen, wie sie sich ihr Lebensumfeld künftig vorstellen. Die Bürgerbefragung ist Auftakt für das strategische Entwicklungskonzept Weilheim 2020. Verwaltung und Gemeinderat erhoffen sich von den Ergebnissen, eine Richtschnur für künftige Weichenstellungen zu bekommen.

Der demografische Wandel, der Wertewandel mit Herausforderungen im Bildungs- und Sozialbereich beispielsweise würden Fragen aufwerfen, auf die man Antworten finden müsse, betonte Bürgermeister Züfle in der Limburghalle. Die Finanzkrise habe große Löcher in die städtischen Haushalte gerissen. „Wir stehen deshalb auch vor der Frage, wie wir die hohen Standards halten sollen.“ Der Rathauschef zeigte sich überzeugt, „im Kleinen“ die Probleme noch am besten lösen zu können. „Das möchte ich umwandeln in die Chance, Bürger einzubeziehen und ein breites Fundament für Entscheidungen des Gemeinderats zu schaffen.“ Der Wechsel an der Verwaltungsspitze im vergangenen Jahr mit seinem Amtsantritt und drei neuen Amtsleitern sowie einem neu gewählten Gemeinderat markierten für Züfle den richtigen Zeitpunkt, um den Bürgerwillen abzuklopfen.

Wie Professor Reschl aufzeigte, wird Weilheim bis zum Jahr 2027 rund 400 Einwohner weniger haben als derzeit, stark zunehmen werde die Zahl der Hochbetagten. Dafür müsse die entsprechende Infrastruktur vorhanden sein. Eine wichtige Rolle spiele die Ökologie: Allein in Baden-Württemberg würden täglich 20 Hektar zugebaut. „So kann man nicht weitermachen.“ Auch aus diesen Gründen sei es wichtig, sich strategisch auszurichten.

„Nicht ganz so glücklich“ war Professor Reschl über den Rücklauf. Mit 670 auswertbaren Fragebögen hatten sich 17 Prozent der Haushalte beteiligt. Dennoch seien die Antworten als repräsentativ zu werten. Anders als bei Bürgerbefragungen üblich, hatte der Gemeinderat im Vorfeld darauf verzichtet, „Leitplanken“ festzulegen. Unter Applaus sagte Reschl: „Herr Züfle wollte erst wissen, was die Bürger möchten.“

„Kritik wird insgesamt auf sehr sehr hohem Niveau geäußert“, machte der Soziologe und Stadtplaner klar. „Herausragende Probleme in der Stadt sind nicht vorhanden.“ Bürger und die beiden Schulleiter der Wühle, die während der Versammlung die Gelegenheit zu Fragen und kritischen Anmerkungen nutzten, ermunterte Reschl, ihre Anliegen in der Bürgerbeteiligung zu thematisieren.

Im Rahmen von Planungswerkstätten, die am Donnerstag, 24. Juni, von 19 bis 22 Uhr sowie am Samstag, 10. Juli, von 9 bis 15 Uhr im Bildungszentrum Wühle unter Leitung von Vertretern der Kommunalentwicklung stattfinden, können die Bürger ihre Ideen zur Zukunft Weilheims diskutieren. Beackert werden könnten die Felder Soziales, Kultur, Vereine, Freizeiteinrichtungen, Bildungsangebot, Gestaltung und Funktion der Innenstadt, Wirtschaft und Einzelhandel, das Paket Tourismus, Naherholung und Marketing sowie Landschaft und Umwelt. In den Arbeitsgruppen sollen Projekte entwickelt werden, denen bei der Profilierung der Stadt eine Schlüsselfunktion zukommt. Am Donnerstag, 22. Juli, findet um 19 Uhr eine Bürgerversammlung statt, in der die Arbeitsgruppen die Ergebnisse präsentieren. Reschl und Johannes Züfle ermunterten die Besucher, am Ausgang auf Kärtchen anzukreuzen, wo sie mitarbeiten möchten. Den Einwurf eines Bürgers griff Reschl auf, indem er zusagte, die vor Jahren im Rahmen der Lokalen Agenda 21 erarbeiteten Ergebnisse aufzunehmen und zu analysieren. Züfle machte jedoch deutlich: „Es soll kürzer, prägnanter laufen, damit wir zu Ergebnissen kommen.“ Das strategische Entwicklungskonzept bedeute auch, Prioritäten zu setzen. „Bringen Sie sich ein. Zeigen Sie Initiative“, so rief er die Besucher auf, sich zu beteiligen. Im Herbst wird sich der Gemeinderat in einer Klausur mit den Ergebnissen befassen und Anfang kommenden Jahres eine Konzeption verabschieden.

Wer sich an einer der Arbeitsgruppen beteiligen möchte, kann sich unter 07 11/6 45 40 bei Gabriele Siegele oder Jürgen Mühlbacher melden.