Lokales

Unkraut vergeht . . . nicht?

In den nächsten Tagen muss ich mich dringend um meinen Garten kümmern, sonst nimmt an manchen Stellen das Unkraut überhand. Wenn es gar zu viel wird, hilft nur noch ausrupfen oder ausstechen, damit es nicht so schnell wiederkommt. Es ist oft hartnäckiger als das, was ich angepflanzt oder angesät habe. Doch manches Unkraut ist ja auch ganz nützlich leider wächst es an der falschen Stelle. Da ist das Schöllkraut, das sich neben meinen Bohnen breit macht es hilft bei Warzen und der Spitzwegerich, der da wächst, wo ich Blumen angesät habe, ist gut gegen Husten.

Im biblischen Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt. 13, 24-30) ordnet der Hausvater an, dass das Unkraut und der Weizen beides miteinander wachsen sollen bis zur Ernte, damit nicht versehentlich eine Getreidepflanze mit herausgerissen wird. Erst wenn alles ausgewachsen ist und gesehen werden kann, was dabei herauskommt, lassen sich nützliche und schädliche Pflanzen voneinander unterscheiden. Eine Mahnung zum Abwarten also und zur Gelassenheit. Denn oft ist im Leben nicht von vorneherein abzusehen, was denn letztendlich Frucht bringt und was als Abfall zu behandeln ist.

Wenn wir das eigene Leben als einen ordentlich bestellten Garten betrachten, gibt es immer wieder Pflanzen und Triebe, die wir eigentlich nicht haben wollen: Unarten, persönliche Fehler, Misserfolge. Das ist beim einen Geschwätzigkeit, bei der anderen Unpünktlichkeit, oder einer ist anderen gegenüber eher schüchtern und eine andere tut sich schwer damit, ordentlich zu sein. Auch da gilt es abzuwägen und Gelassenheit zu lernen. Denn mancher Erfolg ist später ins Gegenteil umgeschlagen, aus manchen unserer Fehler ist etwas Gutes entstanden. Vielleicht hilft mir die Schüchternheit dazu, dass ich anderen besonders gut zuhören kann. Oder die mangelnde Ordnung lässt einen besonders kreativ sein. Vertrauen wir darauf, dass Gott auch bei uns am Ende Unkraut und Weizen voneinander trennen wird, und wir dankbar auf seine Ernte zurückschauen können. Sabine Löffler-Adam Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Neidlingen.

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