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Unpopulären aber notwendigen Schritt beschlossen

Einen harten Brocken hatten die Lenninger Gemeinderäte während ihrer jüngsten Sitzung zu schlucken. Die Benutzungsgebühren für die Aussegnungshalle in Oberlenningen und die Leichenzellen auf den übrigen Friedhöfen wurden drastisch erhöht, um wenigstens bis in zwei Jahren kostendeckend zu sein.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Bei vier Gegenstimmen und fünf Enthaltungen stimmte die Mehrheit des Gemeinderates schließlich doch der stufenweisen Erhöhung der Gebühren zu. Für die Benutzung der Leichenzellen in Brucken, Unterlenningen, Oberlenningen, Gutenberg und Schopfloch müssen ab dem 1. März 81 Euro bezahlt werden, ab dem 1. Januar 2007 121 Euro und ab dem 1. Januar 2008 162 Euro. Auch die Benutzung der Aussegnungshalle in Oberlenningen wird teurer. Ab dem kommenden März kostet es 191 Euro, ab 1. Januar 2007 286 Euro und 382 Euro sind ab dem 1. Januar 2008 zu berappen.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Zuletzt wurden die Gebühren zum 1. Januar 2000 erhöht, danach gab es nur noch eine Euroanpassung. Seit dieser Zeit sind die Betriebskosten gestiegen und durch den Neubau der Leichenzelle in Schopfloch wurde eine Neukalkulation nötig. Laut Kommunalabgabengesetz sollen die Gebühren die Kosten der Einrichtungen decken. Davon ist Lenningen im Moment jedoch weit entfernt. Die Gemeinde liegt mit rund 33 Prozent im Jahr 2005 deutlich unter dem Durchschnitt der Kommunen im Umkreis.

Bettina Roser, Mitarbeiterin der Lenninger Finanzverwaltung, hat sämtliche Rechnungen der vergangenen sechs Jahre gewälzt und dementsprechend eine Statistik erstellt. "Ich bin erschrocken, auf welche Zahlen ich gekommen bin", erklärte sie während der Sitzung. Beim Kämmerersprengel sei sie ob der Lenninger Gebühren milde belächelt worden. Für sie ist deshalb klar, der erste Schritt muss die Kostendeckung der tatsächlichen Ausgaben sein. "Wir legen bislang drauf", stellte sie unmissverständlich klar. Die kalkulatorischen Aufwendungen müssten klar berücksichtigt werden und wegen der vielen Teilorte sei auch die Unterhaltung sehr hoch, erläuterte sie die spezielle Lenninger Situation.

"Die Kostenentwicklung für die nächsten Jahre ist für die Bürger sicherlich erschreckend", gab auch Leningens Bürgermeister Schlecht zu. Eine andere Möglichkeit gibt es jedoch auch aus seiner Sicht nicht. "Wir müssen mit unseren Gegebenheiten zurechtkommen", sagte er unmissverständlich. Dass die Forderung der Gemeinde nicht überzogen ist, machen die Zahlen bezüglich des Bestattungswesens deutlich. Laut Kalkulation liegt die Kostendeckung 2006 bei rund 33 Prozent, was einem Zuschussbedarf von über 160 000 Euro entspricht. Nach der Erhöhung wird nach derzeitigem Stand der Zahlen ein Zuschuss von 140 000 Euro nötig sein, was einer Kostendeckung von rund 42 Prozent entspricht.

Peter Schneider zeigte sich erschrocken, als er Neidlingen mit Lenningen verglich. Die Kostendeckung liegt in der Reußensteingemeinde bei 47 Prozent und das, obwohl für die Aussegnungshalle nur 10 Euro Gebühr erhoben wird und für die Leichenzelle 15 Euro. "Dies ist eine alte Halle und zudem hat Neidlingen keine Teilgemeinde", erklärte dazu Bettina Roser. Dettingen erreicht beispielsweise eine 68-prozentige Deckung und verlangt 500 Euro für die Benutzung der Aussegungshalle.

Karl Boßler wollte nur Ja zum ersten Schritt sagen, sprich die Erhöhung für dieses Jahr, und danach erneut diskutieren. "Wir sollten das Fass nicht drei Mal aufmachen, sondern einmal einen mutigen Schritt nach vorne machen", entgegnete darauf Michael Schlecht. Für Inge Kodera ist die Sache dagegen klar: "Dies ist der richtige Schritt. Wir wollen zwar nur kostendeckend arbeiten, aber wenn man die Zahlen sieht, ist die Gebührenerhöhung unumgänglich", erklärte sie.

Einen äußerst kritischen Punkt sprach Kurt Hiller an. "Ein guter Kaufmann schaut, wo er etwas einsparen kann. Ich frage deshalb: Brauchen wir fünf Friedhöfe? Sollen sie alle bestehen bleiben oder können wir nicht zwei zusammenlegen?" Mit dieser Ansicht stand er jedoch ziemlich alleine da, viele Gemeinderäte stellten klar, dass sie an der derzeitigen Situation nichts ändern wollen und Michael Schlecht bekräftigte: "Daran denken wir in keinster Weise."

Karl Sigel sprach sich prinzipiell für eine Erhöhung der Gebühren aus, brachte aber neue, griffige Zahlen ins Spiel, die allerdings mehrheitlich abgelehnt wurden, auch wenn Bürgermeister Schlecht zugab, dass die "besser aussehen". Jürgen Rau zeigte sich ebenfalls betroffen über die Zahlen, sieht Lenningen jedoch in einem guten Mittelwert.

Am Schluss der Diskussion wünschte sich Karl Boßler bei anderen Gebühren den gleichen Recheneifer, wie bei Leichenzelle und Aussegnungshalle. "Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund", gab darauf Michael Schlecht zur Antwort. Die Erhöhung, die nun beschlossen sei, sei der Zeit angepasst.