Lokales

"Uns interessiert die Gesamtbelastung"

Gegen die geplante Mobilfunkanlage in der Dettinger Eichhalde regt sich Protest aus der Bürgerschaft: Anwohner der Wohngebiete Baumgarten und Stiegeler reichten im Dettinger Rathaus eine Unterschriftenliste ein, die 75 Bürger unterzeichnet haben.

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN "Wir sind schon belastet durch die 100-kV-Leitung", heißt es von Seiten der Anwohner der Dettinger Wohngebiete Stiegeler und Baumgarten. Mit der Unterschriftenaktion wollen sie verhindern, dass sie mehr als andere vom Neubau einer GSM- und UMTS-Anlage des Mobilfunkanbieters O2 im Gewann Eichhalde betroffen sind. Sie wünschen sich gleiche Bedingungen für alle Bürger.

Den Standort Eichhalde hatte der Umweltstressanalytiker Norbert Honisch vor gut zwei Wochen im Gemeinderat als "guten Kompromiss zwischen minimaler Belastung der Bevölkerung und den wirtschaftlichen Aspekten des Betreibers" bezeichnet. Bei maximaler Auslastung liegt die Strahlungsdichte, die von der O2-Antenne ausgeht, dem Experten zufolge fast im ganzen Ort unterhalb des "Salzburger Resolutionswertes". Dieser gilt mit einer Obergrenze von 1000 Mikrowatt pro Quadratmeter als einer der schärfsten Vorsorgewerte und ist 8000 Mal niedriger als der gesetzliche Grenzwert für gemischte Antennen also Sendemasten mit GSM und UMTS. Der gesetzliche Grenzwert wird überall im Ort bei Weitem unterschritten. An zwei Stellen jedoch übersteigt die Strahlung den Berechnungen Norbert Honischs zufolge den Salzburger Vorsorgewert leicht, im bebauten Bereich sind das Teile der Wohngebiete Baumgarten und Stiegeler.

In jüngster Gemeinderatssitzung informierte Bürgermeister Rainer Haußmann über die Unterschriftenliste und berichtete, dass bereits ein Treffen mit betroffenen Bürgern stattgefunden habe. "Leichte Kritik" übte Haußmann daran, dass das Interesse der Bürger erst jetzt einsetze: "Das Thema Mobilfunk wurde seit 2003 elf Mal in öffentlicher Sitzung behandelt. Da ging das Interesse aber eher gegen null." Trotzdem habe der Gemeinderat seine Sache sehr gewissenhaft gemacht. Die Standorte für Mobilfunkmasten würden stets so ausgesucht, dass die ganze Gemeinde so wenig wie möglich belastet werde.

Dem Verdacht der Anwohner der Gebiete Baumgarten und Stiegeler, die Antenne werde zugunsten des Neubaugebiets Berger-Areal in ihre Nähe verlegt, widersprach Rainer Haußmann: "Da gibt es keinerlei Kausalität. Der neue Standort wird nicht deshalb erforderlich, um das Berger-Areal zu entlasten, sondern weil O2 einen Standort für UMTS sucht." Da die Reichweite von UMTS kürzer ist, sei eine Verlegung unabhängig davon, dass der Vertrag im Berger-Areal auslaufe, notwendig.

Bei seinem Vortrag im Dettinger Gemeinderat in vorletzter Sitzung hatte Diplom-Ingenieur Honisch bereits angekündigt, dass es möglich sei, die Belastung im westlichen Bereich der Gemeinde durch eine Änderung von Strahlenneigung und Hauptstrahlrichtung in den "grünen Bereich" zu bringen. Den Antrag auf eine solche Änderung hat die Dettinger Verwaltung schon bei O2 gestellt, eine Reaktion steht noch aus.

Sobald eine Antwort des Betreibers vorliegt und die Umweltverträglichkeitsprüfung des Landratsamts abgeschlossen ist, wird es ein Treffen geben, bei dem sich Verwaltung, Strahlenexperte und betroffene Anwohner an einen Tisch setzen. Zu diesem Zeitpunkt soll außerdem eine von Norbert Honisch ausgearbeitete Simulation vorliegen, die alle fünf bislang im Ort vorhandenen Mobilfunkantennen einschließt. Genau das fordern auch die Büger: "Uns interessiert die Gesamtbelastung", betont einer der Unterzeichner der Unterschriftenliste. Wunsch der Anwohner sei es, dass der Salzburger Resolutionswert in Summe nirgendwo überschritten werde: "Wir reden nicht nur über einen Masten."

Nach Angaben von Jochen Sokolowski, Leiter des Technischen Bereichs im Rathaus, sind in Dettingen bereits fünf Mobilfunkanlagen von vier verschiedenen Betreibern vorhanden: D1 betreibt eine GSM-Antenne auf dem Kirchturm und eine gemischte GSM- und UMTS-Anlage im Gewerbegebiet. O2 hat bislang einen Masten auf dem Berger-Areal, der Anfang nächsten Jahres wegfällt. Außerhalb des Orts unterhält E-Plus eine GSM-Antenne, Vodafone D2 eine gemischte Anlage. D1 ist derzeit außerdem auf der Suche nach einem weiteren Standort in Dettingen.